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COP OUT - GELADEN UND ENTSICHERT (USA 2010)

von Florian Lieb

Original Titel. COP OUT
Laufzeit in Minuten. 107

Regie. KEVIN SMITH
Drehbuch. ROBB CULLEN . MARK CULLEN
Musik. HAROLD FALTERMEYER
Kamera. DAVID KLEIN
Schnitt. KEVIN SMITH
Darsteller. BRUCE WILLIS . TRACY MORGAN . SEANN WILLIAM SCOTT . ADAM BRODY u.a.

Review Datum. 2010-04-09
Kinostart Deutschland. 2010-04-15

Kevin Smith ist ein lustiger Kerl. Jemand, der auch über sich selbst lachen kann. Was man weiß, wenn man seine AN EVENING WITH KEVIN SMITH-Filme gesehen hat, oder sich einen seiner Audio-Kommentare zu Gemüte führt. Aber Smith kann auch ganz anders sein. Verletzt und nachtragend - menschlich eben. Was man ebenfalls in den obengenannten Medien merkt (so basht Smith im Audiokommentar zu JERSEY GIRL einige englische Kritiker des Filmes). Mit COP OUT erschien nun vor ein paar Wochen in den USA Smiths neuer Film, der einige negative Besprechungen erfuhr. Was Smith merklich aufregte, wie Leser seines Twitter-Accounts am 24. März feststellen konnten. Damals erklärte der Regisseur, dass eine (schlechte) Kritik zu COP OUT vergleichbar sei mit dem Schikanieren eines behinderten Kindes. Was weniger über seine Haltung zu behinderten Kindern ausdrückt, als vielmehr seine eigene Sicht auf den Film. Smiths Ärger ging soweit, dass er vorschlug, Filmkritiker für Pressevorführungen zahlen zu lassen. Denn wenn er den Film schon 500 Leuten umsonst zeigen müsse, um eine Minderheiten-Meinung für die Mehrheit zu generieren, könne er diese 500 Menschen auch einfach über Twitter auswählen.

Ein Film ist vermutlich wie ein Kind für einen Regisseur. Und wenn das Kind angegriffen wird, reagiert der Vater beschützend. Smiths Reaktionen sind menschlich, aber zugleich überspitzt, da wenig haltbar. Schließlich bezahlt nicht Smith die Pressevorführungen, sondern Warner. Und der Verleih macht dies, weil er die (potentielle) Klasse des Filmes verbreiten möchte. Und wenn man sich nicht allzu sicher ist, gestattet man den Filmkritikern noch eine Begleitperson mitzubringen. Damit vielleicht eine gute Meinung die Schlechte aufwiegt. Der Vergleich mit dem behinderten Kind hinkt zudem ebenfalls, schließlich kann sich ein behindertes Kind seine Behinderung nicht aussuchen. Vielleicht sollte sich Smith ein Beispiel an Til Schweiger nehmen. Dieser weiß, dass seine Filme Publikumsrenner sind, aber von den Kritikern als Schwachsinn angesehen werden. Weshalb Schweiger bei seinem Erfolg KEINOHRHASEN einfach die Presse aussperrte. Und als er bei den Filmpreisen auch nicht berücksichtigt wurde, wollte er glatt seinen eigenen Filmpreis aus den Angeln heben. Weder Smith noch Schweiger scheinen dabei den Sinn der Filmkritik vollends zu verstehen. Es geht nicht darum, zu sagen, ob ein Film gut oder schlecht ist. Sondern für den Leser aus der Kritik Anhaltspunkte über den Film herauszufiltern.

Was, also, ist COP OUT? Eine Komödie, genauer gesagt: eine Buddy-Cop-Komödie. Zwei Polizeipartner erleben ein Abenteuer, gewürzt mit vielen lustigen Szenen. Klassiker des Genres sind LETHAL WEAPON oder BEVERLY HILLS COP. Und COP OUT will sich als Hommage an das Genre und deren Filme verstanden wissen. Bruce Willis gibt den weißen New Yorker Polizisten Jimmy Monroe, Vater einer Tochter, dessen 50.000-Dollar-Hochzeit es zu bezahlen gilt. Sein Partner ist Paul Hodges, gespielt von SNL- und 30 ROCK-Star Tracy Morgan. Eine komplizierte Paarung, die den Auftrag hat, den Film zu tragen und somit essentiell für dessen Gelingen oder Versagen ist. Auf der einen Seite also Willis, der seinen letzten großen Hit vor über zehn Jahren mit THE SIXTH SENSE hatte und sich wie so mancher anderer 80er Star (Stallone, Ford) in seine Paraderolle (hier: John McClane in STIRB LANGSAM 4.0) zu retten versuchte. Dem gegenüber steht auf der anderen Seite der Comedian Morgan, bekannt für seinen Part des durchgeknallten Stars von durchgeknallten Filmen in der in den USA primär bei Kritikern beliebten - die Quoten sind bescheiden - Sitcom 30 ROCK. Zwei Männer, die nicht viel gemeinsam haben, was man ihnen im Film entsprechend ansieht.

Die Geschichte beginnt mit einer Verhörszene, die quasi den gesamten Film repräsentiert. Man erfährt, dass Willis und Morgan seit neun Jahren Polizeipartner sind. Weshalb Letzterer seinem Kollegen auch eine Glückwunschkarte gekauft hat und diese mit Morgans typischem Grinsen einem Willis mit typisch mürrischem Blick überreicht. Beide Schauspieler wirken weder hier, noch in irgendeiner anderen Szene so, als wären sie seit fast einem Jahrzehnt miteinander bekannt, geschweige denn befreundet. Weshalb der Film vermutlich besser gefahren wäre, wenn man die Beiden einfach als neue Partner miteinander kombiniert hätte. Die Verhörszene gibt dann zwei weitere Philosophien von COP OUT preis. Der Film stützt sich sehr auf Morgans komödiantisches Talent, welches dieser hier als Good Cop/Bad Cop in einer Person versucht wiederzugeben, wenn er unzählige Filme in einer Montage referiert. Die Montage wiederum gibt die zweite fehlgeleitete Philosophie vor: Smith verliert sich in der Tracy-Morgan-Show. Mehrere Minuten dauert diese Verhörszene, die im Grunde nur einen guten Gag produziert, der bezeichnenderweise von Willis und nicht von Morgan stammt. Hinzu kommt, dass Smith derart viele Filmreferenzen derart schnell aneinanderreiht, dass außer den Beteiligten wohl kaum jemand wirklich jede Hommage mitbekommt.

Auch bei späteren "Gags" verliert Smith die Zeit aus den Augen. So darf Seann William Scott einen beim ersten Sehen durchaus amüsanten Spaß 1. viel zu lange ausführen, 2. später erneut in derselben Form wiederholen und 3. auch beim zweiten Mal diesen viel zu lange durchziehen. Ohnehin zählt Scott zu den Nebenfiguren und Nebenplots, derer es im Film nicht unbedingt bedurft hätte. Er gibt den drogenabhängigen Slacker, der mittels - dümmlich aussehendem - Parkour Einbrüche verübt, während Kevin Pollack und Adam Brody als ebenso unüberzeugendes Ermittlergespann versuchen, eine Latino-Gang zu überführen. Der Sub-Plot um Jimmys 80.000-Dollar-Baseball-Karte, mit der die 50.000-Dollar-Hochzeit für seine Tochter Ava (Michelle Trachtenberg) bezahlt werden muss - damit deren reicher Stiefvater (Jason Lee) diese nicht bezahlt und Jimmy somit sein Gesicht verliert -, funktioniert auch nur leidlich als MacGuffin. Vielleicht aber auch nur, weil Sub- und Hauptplot eher schlecht als recht miteinander verknüpft werden. Dass Smith beziehungsweise das Drehbuch der Cullens dann mit Hodges' scheinbar untreuer Ehefrau (Rashida Jones) noch einen zweiten Sub-Plot integrieren, bringt das Fass dann zum Überlaufen.

Auf seiner Homepage postete Smith Anfang Februar noch einen Beitrag vor dem Filmstart, in dem er auf den Trailer hinwies und zufügte, "der Streifen ist viel, viel mehr als das". Eine Äußerung, die sich nicht bestätigen lässt, wirken die beiden Trailer zum Film doch sehr viel harmonischer und lustiger, als dieser selbst. Letztlich knabbert COP OUT an einem Problem, dass bereits bei ZACK AND MIRI MAKE A PORNO zu Grunde lag. Beide Filme stützten sich auf eine Paarung - Willis/Morgan hier, Rogen/Banks da -, die man als Zuschauer nur schwerlich nachvollziehen kann. Es sind angeheuerte Schauspieler und nicht wie in Smiths Askewniverse-Filmen seine (Jugend-)Freunde, die seinen Worten Leben einhauchen. Womit man am zweiten Punkt angelangt ist: COP OUT ist kein Kevin-Smith-Film, sondern eine Studio-Produktion, für deren Inszenierung man Smith anheuerte. Der untersetzte Amerikaner kann also nur bedingt etwas für die lahmen und ausufernden Dialoge, sowie die schlechte Figurenzeichnung. Nichtsdestotrotz wirft dieser Film auch einen dunklen Schatten auf Smiths Karriere – selbst wenn dies sein bisher erfolgreichster Film ist -, die in den letzten Jahren bereits zu Straucheln begann. Seine Regie ist solide, aber man merkt Smith an, dass er hier nicht seine Figuren ins Rennen schickt, sondern nur ein Mittelsmann für Hollywood ist.

COP OUT ist fraglos eine Hommage an das Genre, das merkt das geschulte Auge an verschiedenen Referenzen unter anderem an LETHAL WEAPON 4. Jene Filmzitate sind in ihrer Platzierung zum Schmunzeln, vermissen jedoch den Humor, den sie im Original mit sich brachten. Somit ist die gelungenste Hommage im Grunde Harold Faltermeyers Komposition. Faltermeyer, verantwortlich für die Musik in den ersten beiden BEVERLY HILLS COP-Filmen und TOP GUN, wartet mit einem nostalgischen Score auf, der sich fast als einziges Element dieses Filmes tatsächlich wie die Achtziger anfühlt. Im Nachhinein zu wenig, um Smiths neuen Film wirklich als "gut" erscheinen zu lassen, macht dieser doch viel zu selten etwas aus den hier zur Verfügung stehenden Genrekonventionen. Insofern stellt COP OUT - der eigentlich A COUPLE OF DICKS heißen sollte, was in den USA dann jedoch wegen seiner Zweideutigkeit (dicks, dt. Schnüffler/Schwänze) geändert wurde - Smiths ersten Ausflug in die Hollywood-Landschaft dar, die dieser vermutlich vorerst - seine nächsten Projekte wie RED STATE basieren wieder auf seinem eigenen Skript - nicht wieder betreten wird. Sicherlich nicht die schlechteste Idee und man wird dann sehen, ob zu RED STATE in der Tat statt der Presse ein paar Hundert Twitterer eingeladen werden.











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