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STIRB LANGSAM 4.0 (USA 2007)

von Matthias Mahr

Original Titel. LIVE FREE OR DIE HARD
Laufzeit in Minuten. 129

Regie. LEN WISEMAN
Drehbuch. MARK BOMBACK
Musik. MARCO BELTRAMI
Kamera. SIMON DUGGAN
Schnitt. NICOLAS DE TOTH
Darsteller. BRUCE WILLIS . JUSTIN LONG . TIMOTHY OLYPHANT . MAGGIE Q u.a.

Review Datum. 2007-06-16
Kinostart Deutschland. 2007-06-27

Praktisch von den ersten Minuten weg merkt man dem neuesten DIE HARD an, dass man sich ehrlich bemüht hat, den Ton der früheren Teile einzufangen. So kriselt es gleich zu Beginn einmal mehr in der Familie. Kein Streit mit der Ex, die kommt auch diesmal nur noch indirekt vor (ein Bild von Bonnie Bedelia aus alten Tagen flackert mal über einen Monitor), dafür mischt sich Papa John ins Privatleben von Tochter Lucy, die so gar nicht McClane genannt werden will. Dann die Order, mitten in der Nacht einen verdächtigen Hacker (Justin Long) einzukassieren, noch ahnungslos, dass auf ihn, wie auf andere arglos beteiligte PC-Freaks ein Killerkommando angesetzt ist. McClane ist wieder mal im Nullkommanichts zur falschen Zeit am falschen Ort, oder auch nicht: Liegt doch diesmal (man feiert bald den 4. Juli, nicht einfach nur Weihnachten) das Schicksal der gesamten USA in seinen Händen.

Leider reicht es nicht, diverse Versatzstücke der vorigen Teile zusammenzuschrauben um das originäre Feeling hinzukriegen. Ein DIE HARD kann sich schon mal Zeit für den Aufbau lassen, aber wenn er mal loslegt, soll der Adrenalinpegel nicht mehr fallen. Markige Oneliner sind willkommen, dürfen aber niemals wirklich Tempo rausnehmen, comic ohne relieve eben. Natürlich ist es verführerisch, in einem Hackerfilm einen nerdigen Couchpotato einzubauen, der bei Mama im Keller wohnt und so einen Part noch mit Kevin Smith zu besetzten. Er wird sich darüber freuen, dem Film tut aber vor allem sein erstes Auftauchen gar nicht gut. Überhaupt ist LIVE FREE zu sehr auf stop & go, Action gibt's reichlich aber auch wenn's eigentlich niemals wirklich langweilig wird, der konstante Thrillride stellt sich nie ein. Und auch die Qualität der Action schwankt zudem sehr.
Der erste Attentatsversuch, noch in der Wohnung des Hackers, gibt schon einiges her: eine knackige Belagerung, in der der verbarrikadierte McClane wegen chronisch leerer Magazine vorwiegend unbewaffnet gegen einen Schurken mit Automatikwaffen antreten muss, oder der irre Stunt eines anderen Übeltäters (Cyril Raffaelli aus BANLIEUE 13), der ohne Schnitt mit mehreren Sprüngen aus seinem hohen Sniper-Ausguck am Boden landet. Überkandidelt, aber genau das, was man hier noch sehen will: der abwegig perfekt getimte Einsatz eines Hydranten.
Es gereicht aber auch bei so einem Film schon zum Ärgernis, wenn McClane aus einem an sich verstopften Tunnel über eine plötzlich geleerte Spur rasen kann, um mit dem Wagen einen Hubschrauber abzuschießen; wenn die Vereinigten Staaten im Chaos zu versinken drohen, die Masse auf der Straße aber reichlich gelassen bleibt; wenn das Funkkommando an einen Militärpiloten, ein Truck mit McClane am Steuer sei als Terroristenvehikel auszuschalten, bewirkt, dass dieser unbekümmert in die stark befahrene Autobahn feuert unter der dieser durchfährt.
Aber selbst wenn man jegliche Logik außer Acht lässt, hätte man sich die gesamte Szene mit dem Jumpjet besser schenken sollen, einfach weil sie schlecht aussieht. Und wenn schon, hätte man diesen Trottelpiloten unwissentlich ins "Showdown" mit Obermotz Gabriel (Timothy Olyphant) reinpfuschen lassen können. Hier kommt zwar endlich das zweite "Yippee Ki Yay", das erste mit Ansätzen von "Motherfucker" – mehr ist ja, da man in USA diesmal kein R-Rating haben will, nicht drinnen. Trotzdem, und obwohl sich McClane einmal mehr als ganz harter Hund zeigen darf, ist Gabriels Abgang schon wirklich ein Witz. Da haben sich die Drehbuchschreiber für Maggie Q, in Ansätzen auch Raffaelli, doch deutlich mehr einfallen lassen. Erstere glänzt zwar nicht gerade in ihrer zu Tode geschnittenen Prügelei (relativ ungewohnt: ein Catfight mit Kater Bruce und dafür schon wieder recht ruppig), der Kampf in einem in der Luft hängendem Auto gehört aber doch zu den besser elaborierten Szenen.

Doch schließlich ist bei einem echten DIE HARD-Film ein leidender Willis immer noch wesentlich wichtiger als ein leidender Bösewicht. Und auch das haben die Verantwortlichen hier wohl beachtet, aber nur halbherzig umgesetzt, PG-13-kompatibel eben. Der Sturz aus einem Auto bringt erste gröbere Blessuren, McClane und sein Buddy stürzen auch immer mal wieder wo runter, kullern Treppen hinab oder müssen sich über vereistes Gestänge hangeln, richtiges Mitleiden wird dem Publikum aber nie abverlangt.

Summa summarum ist LIVE FREE dabei, wenn auch kein herausragender, so doch sicher kein schlechter Actionfilm geworden. Im DIE HARD-Kontext nimmt es aber doch klar noch hinter DIE HARDER (einem Schnellschuss, der möglichst gleich die Cashcow ein zweite Mal melken sollte) den letzten Rang ein. Nach 12 Jahren, die man sich dafür Zeit gelassen hat, schon eine Enttäuschung.











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