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CADILLAC RECORDS (USA 2008)

von Christian Hellwig

Original Titel. CADILLAC RECORDS
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. DARNELL MARTIN
Drehbuch. DARNELL MARTIN
Musik. TERENCE BLANCHARD
Kamera. ANASTAS MICHOS
Schnitt. PETER C. FRANK
Darsteller. ADRIEN BRODY . JEFFERY WRIGHT . COLUMBUS SHORT . BEYONCÉ KNOWLES u.a.

Review Datum. 2009-03-24
Kinostart Deutschland. 2009-04-23

Hollywood scheint in den letzten Jahren die amerikanische Musikgeschichte für sich entdeckt zu haben. 2004 gewann Jamie Foxx für seine Darstellung der Soul-Legende Ray Charles in RAY den Oscar für die besten Hauptrolle. Ein Jahr später brillierte Joaquin Phoenix als Johnny Cash, dem Man in Black, in WALK THE LINE. 2007 erschien schließlich I'M NOT THERE, in dem sich unter der Regie von Todd Haynes gleich fünf Darsteller (unter anderem Heath Ledger, Christian Bale und Cate Blanchett) an der Verfilmung des Lebens von Bob Dylan versuchten. Steht in diesen drei Filmen stets ein einzelner legendärer Protagonist der Musikgeschichte im Mittelpunkt des Films, richtet CADILLAC RECORDS den Blick auf den Werdegang des in den USA in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts berühmt gewordenen Musik-Labels Chess Records und den dort unter Vertrag stehenden Musikern.

Chess Records wurde Anfang der fünfziger Jahre von Leonard Chess (Adrien Brody) und seinem Bruder, der in dem Film allerdings zu Gunsten der Fokussierung auf Leonard Chess außen vor gelassen wird, gegründet. Von jenem Mann also, der seine Musiker gerne bei Erfolg mit nagelneuen Cadillacs beschenkte. CADILLAC RECORDS widmet sich dabei nicht nur dem Aufstieg von Chess Records und dem Erfolg von schwarzem Blues, der letztendlich auch den Weg für den Rock 'n' Roll ebnete, sondern versucht sich daneben auch an einer Beschäftigung mit den Biographien jener Musiker, die das Label seinerzeit groß gemacht hatten. Und so stehen neben Leonard Chess als Chef des Labels eben auch "seine" Musiker im Vordergrund des Films, so unter anderem Muddy Waters (Jeffrey Wright), Little Walter (Columbus Short), Howlin' Wolf (Eamonn Walker), Etta James ( Beyoncé Knowles), sowie Chuck Berry (Mos Def). Das diese inhaltliche Dichte, in gerade einmal 109 Minuten Spielzeit abgehandelt, zu Problemen führen muss, ist offensichtlich. Die Konsequenz: CADILLAC RECORDS kann der musik-historischen Bedeutung seiner Charaktere, aber auch deren biographischen Brüchen zwischen Erfolg und Abstieg, nicht in Gänze gerecht werden.

Aber wie so oft, auch im Fall von CADILLAC RECORDS ist alles eine Frage der Perspektive. Wer sich in dieser Ära der amerikanischen Musikgeschichte auskennt, wird mit dem Film (und den zahlreichen kleinen Anspielungen) weitaus weniger Probleme haben, als der relativ unwissende Zuschauer. Für den ist CADILLAC RECORDS eine kleine und erste Einführung in eine aufregende Ära, in der sich schwarze Musik in einem Land, in dem Farbige noch staatlich legitimiert diskriminiert wurden, seinen Siegeszug antrat. Eine äußerst musikalische Einführung ist es noch dazu, wird der Film doch auch und vor allem von seinen zahlreichen gesungenen Stücken getragen. Und so ist man in diesen Momenten, in denen man im Kinosessel imaginär im Takt der Musik mitgeht, geneigt die inhaltlichen Schwächen des Films zu ignorieren. Außerhalb jeglicher Kritik steht deshalb die Riege der Darsteller: Ob nun Jeffrey Wright, Columbus Short , der charismatische Eamonn Walker, oder aber natürlich auch Beyoncé Knowles, sie alle zeigen mit sichtbarem Spaß an der Freude gerade in den musikalischen Szenen eine beeindruckende Performance.

CADILLAC RECORDS ist somit in der Summe ein zweischneidiges Schwert. Vermag der Film auf der musikalischen Ebene mehr als nur zu überzeugen, krankt er in seiner Narration an der Vielfalt der Themen, die er sich selbst auferlegt hat. Die Protagonisten bleiben so gezwungenermaßen im Spannungsfeld von beruflichem Erfolg und persönlichen Problemen ebenso an der Oberfläche, wie auch die gesellschaftlichen Konflikte im Zuge der Rassendiskrimierung. Diese werden zwar immer wieder angedeutet, aber nicht ernsthaft thematisiert. Das führt dazu, dass CADILLAC RECORDS in seiner Anlage doch ein wenig redundant daherkommt, denn abgesehen von seinem in Deutschland wahrscheinlich relativ unbekanntem Thema, ist er dann doch eben auch sehr beliebig. Mit anderen Worten: Abseits der wunderbaren musikalischen Nummern ist CADILLAC RECORDS zu sehr Routine, um längerfristig im Gedächtnis zu bleiben. 109 Minuten äußerst melodische Kino-Unterhaltung sind jedoch garantiert.











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