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ARRIVAL (USA 2016)

von André Becker

Original Titel. ARRIVAL
Laufzeit in Minuten. 116

Regie. DENIS VILLENEUVE
Drehbuch. ERIC HEISSERER . TED CHIANG
Musik. JOHANN JOHANNSSON
Kamera. BRADFORD YOUNG
Schnitt. JOE WALKER
Darsteller. AMY ADAMS . JEREMY RENNER . FOREST WHITAKER . TZI MA u.a.

Review Datum. 2016-11-14
Kinostart Deutschland. 2016-11-24

Es gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, einen millionenschweren SciFi-Film für das US-Kommerzkino zu drehen, der sich primär mit linguistischen Fragestellungen auseinandersetzt. Denis Villeneuve ist zweifellos ein mutiger Regisseur. Das sollte jedem Filmfreund spätestens seit dem großartigen Verwirrspiel ENEMY klar sein. Mit ARRIVAL bleibt Villeneuve zwar in den eher konventionellen Bahnen, die er mit dem düsteren Thriller SICARIO eingeschlagen hat, nichtsdestotrotz ist seine Science-Fiction-Vision über die Macht und Leerstellen von Sprache und Kommunikation ein erfrischend komplex angelegter Blockbuster, der Herz und Hirn gleichermaßen anspricht.

Es beginnt mit der titelgebenden Ankunft von zwölf Raumschiffen, die plötzlich an unterschiedlichen Orten, querbeet verteilt über den Globus, auftauchen. Was die Außerirdischen auf der Erde wollen, ob sie in friedlicher oder feindlicher Absicht gekommen sind, bereitet den jeweiligen Regierungen erwartungsgemäß arges Kopfweh. Um Licht ins Dunkel zu bringen stellt die US-Regierung ein Team renommierter Experten verschiedener Disziplinen zusammen, die den Kontakt mit den Neuankömmlingen herstellen und wissenschaftlich begleiten sollen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Linguistin Louise Banks (Amy Adams), die schnell zur zentralen Figur bei der Vermittlung zwischen Mensch und Außerirdischen wird. Nach anfänglichen Erfolgen rennt ihrem Team (u.a. Jeremy Renner) jedoch die Zeit davon. Einige Nationen und ihre Interessengruppen drängen auf eine baldige Lösung des, zwischenzeitlich als Problem eingestuften, Sachverhalts und drohen damit die Außerirdischen notfalls durch die Anwendung kriegerischer Mittel loszuwerden.

ARRIVAL ist ein betont langsam und unaufgeregt inszenierter Film. Villeneuve zelebriert hier erwartungsgemäß keine Effektorgie, sondern setzt stattdessen auf eine bedächtig aufgebaute Dramaturgie und dezente, aber nicht minder wirkungsvolle Spannungsspitzen. Wie ist eine Verständigung mit einer fremden Lebensform, auch vor dem Hintergrund der vermeintlichen Abwesenheit gemeinsamer Sprachcodes, möglich und umsetzbar? Wie können Missverständnisse ausgeschlossen werden und inwiefern konstituiert Sprache die Wirklichkeit, die uns umgibt? Dies sind die Hauptfragen, denen Villeneuve nachgeht und die er auf ausgesprochen intelligente Weise filmisch abbildet.

Trotz des gemächlichen Tempos, das der Film besonders in der ersten Hälfte nur selten spürbar erhöht, erzeugt ARRIVAL eine ungemeine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die zunächst vollkommene Unwissenheit der Protagonisten, das schrittweise Nähern an so etwas wie eine kommunikative Ausgangsbasis, das Aufpoppen immer neuer Rätsel. All dies wird hochspannend und absolut mitreißend erzählt. Ein großer Gewinn ist zudem Amy Adams, die den Film fast im Alleingang trägt. Jeremy Renner agiert in der zweiten Hauptrolle zwar ordentlich, verkommt angesichts der phantastischen Leistung von Adams allerdings beinahe zum Statist. Auf der ästhetischen Ebene ist die Produktion ebenfalls ein Hochgenuss. Die meisterhafte Kameraarbeit von Bradford Young (A MOST VIOLENT YEAR) schafft hier einnehmende Cinemascope-Bilder, die auf der Kinoleinwand eine geradezu erhabene Wirkung entfalten.

Ein wenig Kritik muss aber trotzdem sein. Das Villeneuve ausgerechnet das US-Militär als fast schon pazifistisch operierende Institution zeigt und diesbezüglich kritische Zwischentöne so gut wie gar nicht zugelassen werden, ist schon ein wenig schade. Das bei der Darstellung der anderen involvierten Regierungen aber zum Teil dermaßen platte Klischees bemüht werden und hier einzelne Länder als reichlich dämlich auftretende Aggressoren herhalten müssen, ist dann doch erstaunlich undifferenziert und steht im krassen Kontrast zu der Sorgfalt, die das Drehbuch in allen anderen Aspekten an den Tag legt.

Der Gesamteindruck ist dennoch positiv, ist Villeneuve von den obigen Punkten abgesehen doch ein Film von bestechender Perfektion gelungen. ARRIVAL ist faszinierendes Genre-Kino, das fernab von plumper Effekthascherei eine vielschichtige, jederzeit packende Lehrstunde in Sachen intelligenter Science-Fiction-Unterhaltung gibt. Denis Villeneuve erweist sich somit erneut für die Traumfabrik als immens wichtiger Filmemacher, der wie kaum ein anderer Regisseur eine mittlerweile fast verlorene Tradition aufrechterhält. Kunstvolles Kino für alle Sinne, dass intelligent erzählt und unterhaltsam zugleich ist. Hoffen wir nur das Villeneuve sein sorgsam aufgebautes Renommee nicht irgendwann mit irgendeinem Superheldenmurks nachhaltig aufs Spiel setzt.











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