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ALL EYEZ ON ME (USA 2017)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. ALL EYEZ ON ME
Laufzeit in Minuten. 140

Regie. BENNY BOOM
Drehbuch. JEREMY HAFT . EDDIE GONZALEZ . STEVEN BAGATOURIAN
Musik. JOHN PAESANO
Kamera. PETER MENZIES JR.
Schnitt. JOEL COX
Darsteller. DEMETRIUS SHIPP JR. . DANAI GURIRA . KAT GRAHAM . HILL HARPER u.a.

Review Datum. 2017-06-14
Kinostart Deutschland. 2017-06-15

Manchmal ist es schon verblüffend wie sehr einen die eigenen Texte wieder einholen, so bemängelte ich vor vielen, vielen Jahren in der Kritik zu NOTORIOUS B.I.G., dass der Film es nicht mal ansatzweise schafft, die Faszination am titelgebenden Rapper zu vermitteln; ich fragte, wieso dieses antriebslose Walross eine "Legende" sein soll und verglich mit einem in etwa zeitgleich aktiven Konkurrenten: "[...] der völlige Gegenpol zum durchtrainierten, charismatischen und in etwa zeitgleich aktiven Tupac Shakur. Mag sein, dass das Polemik ist, aber allein der Blick auf das Gesamtwerk der beiden spricht Bände: Während der drahtige Pac schon zu Lebzeiten ungeheuer fleißig war (und mehr zu erzählen hatte als B.I.G.) und eine ganze Reihe an Platten aufnahm, was dank hunderter unveröffentlichter Bänder auch nach seinem Tod mit bisher sieben weiteren Alben fortgeführt wurde und darüber hinaus in zahlreichen Filmen mitwirkte, war Wallace zu Lebzeiten gerade mal an drei Werken beteiligt. Und mit den posthumen Veröffentlichungen war nach zwei eher zweifelhaften Alben auch schon wieder Schluss.".

Die Tupac-Shakur-Biografie ALL EYEZ ON ME liefert nun die Bilder zum Text (und endet tatsächlich auch mit einen Hinweis auf das umfangreiche Werk dieses gerade mal 25 Jahre andauernden Lebens), denn der Film, der, wie so viele, vielleicht sogar alle, Biopics, ebenfalls nicht gerade unproblematisch ist, schafft zumindestens eins: Zu vermitteln, was für eine charismatische, energiegeladene Persönlichkeit die Hauptfigur war. Man kauft, dank der tollen Vorstellung von Newcomer Demetrius Shipp Jr., der der realen Version fast schon gruselig ähnlich sieht, diesem sexy Energiebündel die Starqualitäten jederzeit ab; selbst typische Hip-Hop-Klischees vom coolen Rapper, der morgens mit gleich drei Chicks im Bett aufwacht, wirken plötzlich plausibel - dieser Shakespeare zitierende Energiedrink auf zwei Beinen mag vielleicht die ein oder andere dunklere Seite haben, aber hey, was für ein Kerl! Noch mal eine Schippe drauf gelegt wird, wenn der berüchtigte B.I.G. ins Bild kommt, der hier erneut wie ein undeutlich rumnuschelnder, völlig farbloser Tanzbär wirkt - kaum zu glauben, dass es tatsächlich mal eine ernsthafte Rivalität zwischen den beiden gab!

Schwierig zu schlucken ist das auch weil der Film von Benny Boom (S.W.A.T.: FIREFIGHT) ansonsten mit ähnlichen Problemen kämpft wie die Kollegen: Es ist zwar löblich, dass man im Gegensatz zum übervollen STRAIGHT OUTTA COMPTON einen etwas deutlicheren Akzent setzt (die Musik wird zu Gunsten der Person leicht an den Rand geschoben) und zum Finale auch die große Sülzwurst im Kühlschrank lässt, allerdings stolpert man ebenfalls beim Versuch ein, in diesem Fall zwar nicht besonders lang andauerndes, aber halt ebenso extrem ereignisreiches Leben in gerade mal 140 Minuten zu packen. So rumpelt die Geschichte von einer Station zur Nächsten, der künstlerische Erfolg ist ziemlich schnell und verhältnismäßig mühelos da, zentrale Konflikte (wie eben gerade der mit Biggie) bleiben komplett unterentwickelt und einige Randfiguren verschwommen, zudem wird ein (allerdings tatsächlich auch nicht so ganz geklärter) Vorfall in der turbulenten Biografie des "Che Guevara des Hip-Hop" - die Anklage und Verurteilung wegen sexuellem Missbrauch - zweifelsfrei zu dessen Gunsten ausgelegt, was sicherlich nicht jeden schmecken wird, anderseits aber durchaus funktioniert, da die Drehbuchautoren mit der allein erziehende Mutter Afeni Shakur einer starken Frauenfigur Raum geben, beziehungsweise überdeutlich machen, dass Tupac nicht gerade in einen prolligen Männerpulk mit Hormonüberschuss aufgewachsen ist (STRAIGHT OUTTA COMPTON spart die unschönen Seiten seiner Helden nahezu komplett aus). Anderseits wird der Heiligenschein von Tupac aber auch nicht übertrieben zum Leuchten gebracht, andere Vorfälle (wie die Auseinandersetzung in Marin City, die einem kleinen Jungen das Leben kostete) werden akkurat geschildert und gegen Ende ist es Mal wieder eine Frau, die Vernunft beweist, allerdings von ihrem Liebsten nicht erhört wird, denn auch wenn der Musiker ein smarter Kopf war: Von schlechten Einflüssen konnte er sich trotzdem nicht freimachen.

Fakten hin- oder her: Wie Eingangs bereits angedeutet, Booms solide inszenierter Film hat die gleichen Schwächen wie alle anderen Biopics (nicht nur im Hip-Hop-Bereich), schafft es aber mit einem etwas deutlicheren Fokus, seinem mitreisenden Darsteller und dem - logo! - exzellenten Soundtrack das Besondere seines Protagonisten zumindestens spürbar zu machen. Immerhin.











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