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ALIEN: COVENANT (USA/Australien/Großbritannien 2017)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. ALIEN: COVENANT
Laufzeit in Minuten. 122

Regie. RIDLEY SCOTT
Drehbuch. MICHAEL GREEN . JACK PAGLEN . JOHN LOGAN . DANTER HARPER
Musik. JED KURZEL
Kamera. DARIUSZ WOLSKI
Schnitt. PIETRO SCALIA
Darsteller. MICHAEL FASSBENDER . KATHERINE WATERSTON . BILLY CRUDUP . DANNY MCBRIDE u.a.

Review Datum. 2017-05-17
Kinostart Deutschland. 2017-05-18

Durchhänger mit Ansage!

Als 2012 Ridley Scott mit PROMETHEUS - DUNKLE ZEICHEN erstmals zur von ihm initiierten ALIEN-Franchise zurückkehrte, hatte das weltweite Fandom schon lang im Vorfeld einen kollektiven Megaständer - Papa kommt nach Hause! Die Erwartungen waren dermaßen hoch, dass Scott wohl selbst mit Hilfe des Allmächtigen nicht für rundum glückliche Gesichter hätte sorgen können.

Der Fall war aber noch komplizierter, denn der Regisseur wollte nicht einfach nur den nächsten Monsterklopper abliefern, sondern einen auf Blockbuster-Tarkovsky machen und sein Baby rückwirkend zum großen, ultrasmarten Epos ausbauen. Zu diesem Zweck wurde der sträflich unterschätzte Mythenbauer Damon Lindelof ans Drehbuch gesetzt, dessen Portraitfoto spätestens seit dem LOST-Finale in zahlreichen Wohnstuben dieser Welt als Dartscheibe dient. Lindelof - und das muss mal ganz klar gesagt werden - hat sicherlich seine Macken, er ist aber eben auch ein Künstler, der, wenn man ihn lässt, den Zuschauern auf Augenhöhe begegnet und in einer so ausbuchstabierwütigen Zeit Mut zur Leerstelle hat: Es ist eben kein, wie so unendlich oft behauptet, Taschenspielertrick, dass es keine Erklärungen für das Rauchmonster und "die Zahlen" oder andere Dinge im Lindelofschen Universum gibt; dass einen das stört, liegt nur an der eigenen Fantasielosigkeit.

Der Autor tat jedenfalls wie ihm geheißen, sperrte die Xenomorphen in den Schrank, stellte dafür die "Konstrukteure" ins Alien-Universum und packte das ganz große existenzphilosophische Brett ("Wo kommen wir her?") aus, wobei im besten Lindelof-Style wieder reihenweise Fragen offen blieben, die dann vielleicht, zumindestens teilweise, ein Sequel beantwortet oder zumindestens vertieft hätte.

Über die Notwendigkeit dieses Unterfangens kann man sich sicherlich streiten, weniger ist sicherlich ziemlich oft mehr und gerade die ersten beiden Filme der Reihe lebten von ihrer knackigen Reduziertheit. Anderseits sind neue Ansätze bei einer langlebigen Serie trotzdem nie verkehrt und es wäre sicherlich interessant gewesen, was dem fabulierlustigen Drehbuch-Magier noch so alles eingefallen wäre, allerdings ging das Unternehmen PROMETHEUS auf zwei Ebenen schief, einmal weniger, einmal mehr: Zum einen war Scott trotz aller Ambitionen immer noch den ökonomischen Zwängen ausgesetzt, die ein 130 Millionen Dollar teurer Film nun mal so mit sich bringt, sprich: PROMETHEUS - DUNKLE ZEICHEN sollte zwar neue Wege gehen, aber natürlich dennoch nicht allzu viel Zuschauer vergraulen. Dieser Umstand manifestierte sich in der etwas uneinheitlichen, allerdings auch nicht unbedingt genickbrechenden, Linie des Films, auf der einen Seite wird philosophisch unterfütterte Science-Fiction aufgefahren, auf der anderen Seite - vor allem zum Finale hin - krachende Action. Zu einem großen, runden Ganzen findet das nie wirklich.

Und dann sind da noch die Fans: Fans reagieren grundsätzlich extrem allergisch auf Neuerungen jeglicher Art (ein Umstand, dem Disney mit der STAR-WARS-Reaktivierung von 2015 nahezu teuflisch perfekt Rechung getragen hat): Man will immer und immer und immer wieder den gleichen Film und wenn's das nicht gibt, gibt's Haue und die gab's in diesem Fall gleich zweimal: Scotts Film war sicherlich kein Kassenflop, blieb aber deutlich hinter den Erwartungen zurück; Damon Lindelof wurde von geifernden Nerds quer durchs Internetdorf geprügelt und verabschiedete sich dann wenig überraschend von bisher gemachten Fortsetzungsplänen.

Nun also ALIEN: COVENANT, der sechste Teil und zu diesem gibt's eigentlich gar nicht soviel zu sagen, denn der ist genau so, aber auch wirklich genau so geworden, wie man ihn sich nach dem Feedback auf PROMETHEUS - DUNKLE ZEICHEN vorgestellt hat: Scotts einstige Ambitionen sickern nur noch in zwei-drei, vom erneut zur Höchstform aufspielenden Michael Fassbender dominierten Sequenzen auf, die einzigen, in denen der gut gefertigte und sehr schick anzuschauende Film dann auch tatsächliches Interesse generiert. Der große Rest wirkt, als ob lediglich die Vorgaben der Marktforschungsabteilung der Twentieth Century Fox adaptiert wurden, denn er besteht nur aus einem: Eine nahezu komplett profillose Crew wird von fiesen Xenomorphen, die alle naselang möglichst postertauglich ins Bild hüpfen, blutig dezimiert. Im Finale wird mit einem "Twist" versucht rückwirkend dieser Inhaltslosigkeit noch eine tiefere Daseinsberechtigung zu verleihen, man wird allerdings trotzdem den Eindruck nicht los, hier soeben eine auf 122 Minuten gestreckte Serienepisode gesehen zu haben.

ALIEN: COVENANT könnte auch gut und gerne ALIEN: KAPITULATION heißen - Scott knurrt und murrt zwar noch ein bisschen, aber das Publikum hat gewonnen. Eine weitere Franchise also, die sich zukünftig nur noch auf das Abhaken von Wunschlisten beschränken wird. Schade.











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