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GESPRÄCHE

Björn Eichstädt und Thorsten Hanisch im Gespräch mit Toshiaki Toyoda

Toshiaki Toyoda Er gehört zu den jungen Wilden des japanischen Kinos: Toshiaki Toyoda, der 1969 in Osaka geboren wurde, konnte bereits mit seiner ersten Regiearbeit PORNOSTAR aus dem Jahr 1998 auch bei einem internationalen Publikum punkten. Die Milieustudie der Tristesse der Jugend Tokyos bildete den Ausgangspunkt und die Basis für weitere Filme wie BLUE SPRING, 9 SOULS oder sein aktuelles Werk HANGING GARDEN.

Wegen Drogenbesitz geriet der 38-jährige Toyoda am 25. August 2005 in die japanischen Schlagzeilen. Im drauffolgenden Oktober wurde dann eine Gefängnisstrafe auf Bewährung gegen ihn ausgesprochen, was ihn aber nicht dran hinderte im April 2006 zur Nippon Connection nach Deutschland einzureisen, wo er seinen Film HANGING GARDEN vorstellte und uns gutgelaunt ein Interview gab.

Das Gespräch.

Herr Toyoda, wie war das eigentlich: Wie sind Sie zum Film gekommen?
    Oh schwierig, ich war beschäftigungslos, hatte nichts zu tun. Und da habe ich mich bei einer Produktionsfirma beworben. Da wurde ich gefragt, was ich in Zukunft gerne machen würde – und mir ist Regisseur eingefallen. Den Einstieg habe ich über Drehbücher genommen, drei Stück waren erstmal der Anfang. Das erste, das realisiert wurde, war CHECKMATE. Bei dem Film war ich auch der Regieassistent, mit 21 Jahren, und da das gut geklappt hat, durfte ich dann später auch Regisseur sein...

...mit PORNOSTAR. Das war ein eher negativer Film, der die Metropole Tokyo in einem recht düsteren Licht zeigt. Hat das etwas mit Ihnen selber zu tun gehabt?
    Zu dieser Zeit habe ich mich tatsächlich so gefühlt wie der Hauptdarsteller. Das war als junger Mann schon eine Bürde in Tokyo zu Leben.

Dann kam UNCHAIN, eine Boxerdokumentation. Der Sportler im Film beendet seine Karriere Ende 20 muss etwas Neues machen. Gab es da eine ähnliche Verbundenheit?
    Ich war genauso alt und ja: Ich hab mich auch so gefühlt.

BLUE SPRING, Ihr nächster Spielfilm, spielte dann an einer Schule und zeigte Gewalt in einer japanischen großstädtischen Bildungsanstalt recht eindrücklich. Entsprach dieses Szenario Ihren eigenen Schulerfahrungen oder hatte das eher mit Beobachtungen von außen zu tun, die Sie zu der Zeit gemacht haben, als Sie den Film in Angriff genommen haben?
    Beides eigentlich. Der Film spielt in einer Jungenschule – ich bin auch in eine Jungeschule gegangen. Und vieles was in dem Film vorkommt, habe ich auch selber gesehen in meiner eigenen Schulzeit. Der Junge, der sich am Ende umbringt, der war genau wie ein guter Schulfreund von mir, der gegen Ende der Schulzeit ebenfalls Selbstmord begangen hat. Aber als ich BLUE SPRING gemacht habe war ich ja schon über 30, da waren viele dieser Erlebnisse schon recht weit weg.

9 Souls Hatten Sie das Projekt denn schon länger geplant? Denn diese Erlebnisse haben Sie wohl eine ganze Zeit mit sich herumgetragen.
    Stimmt. Ich wollte das schon lange machen. Aber ich hatte nie einen Anlass, bist sich ein Freund von mir – kurz bevor ich mit dem Film begann – das Leben genommen hat. Das erinnerte mich an meine Schulzeit, den Selbstmord, den ich damals mitbekommen habe. So kam es zu einer Verknüpfung von zwei thematischen Strängen in meinem Leben.

Viele Stränge kommen ja bei 9 SOULS zusammen. Neun Sträflinge brechen aus dem Gefängnis aus und suchen den Weg zurück in die Gesellschaft. Das Thema kennt man ja aus anderen Filmen. Hatten Sie Vorbilder für die Geschichte?
    Ja, ich mag THE GREAT ESCAPE sehr. Aber das Vorbild war nicht der Film sondern ein realer Ausbruch in Texas, der zwei Jahre vor Drehbeginn stattfand. Da sind die Sträflinge, das waren fünf oder sechs, lange Zeit nach dem Ausbruch immer noch miteinander herumgezogen. Das fand ich sehr, sehr interessant.

Ich muss gerade ein bisschen an DOWN BY LAW denken.
    Den mag ich zwar, aber ich kann mich nicht so genau an die Handlung erinnern.

Hanging Garden Na dann lag ich wohl daneben. Worum geht es denn in Ihrem neuen Film - HANGING GARDEN?
    Nachdem ich bei PORNOSTAR, UNCHAIN oder auch 9 SOULS immer nur von Männern oder Männergruppen erzählt habe, die im Laufe der Geschichte familiäre Bande entwickelt haben, wollte ich einmal von einer richtigen Familie erzählen. Einer der Gründe war bestimmt, dass ich mittlerweile auch zwei Kinder habe. Es ist im gegenwärtigen Japan nicht einfach eine Familie zu sein. Das ist mir klar geworden, seit ich selber Kinder habe. Dieses neue Verständnis wollte ich in einen Film hinein bringen. Der Titel HANGING GARDEN leitet sich von den hängenden Gärten von Babylon ab. Ich bin gespannt, wie der Film und die Schwierigkeiten der Familien in Japan, auf ein europäisches Publikum wirken werden.

Wo genau sehen Sie die Schwierigkeiten japanischer Familien?
    Das weiß ich auch nicht so genau, deshalb habe ich diesen Film gemacht. Was aber auffällt ist, dass, obwohl es um eine Familie geht, dieser Film mit Abstand am meisten Blut beinhaltet.

Dann verstehe ich das Problem der japanischen Familie.
    (Lacht)

Was planen Sie denn als nächstes?
    Wie Sie vielleicht wissen, bin ich vor einiger Zeit mit Drogen erwischt worden. Deshalb hat mich der japanische Filmverband für drei Jahre gesperrt. Ich bin in dieser Zeit zur Untätigkeit verurteilt. Aber ich beginne im nächsten Jahr mit den Arbeiten am nächsten Film. Derzeit arbeite ich mit einer japanischen Rockband an einem Film- und Musikprojekt, da werden wir im Sommer auf mehreren Festivals auftreten.

Sie sind derzeit in Deutschland – welcher deutsche Filmemacher gefällt Ihnen denn?
    Vor allem Werner Herzog. Wobei ich da keinen speziellen Film nennen kann, eigentlich gefallen mir alle, die ich kenne.




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