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KAPITELWAHL

HANNIBAL - DIE KOMPLETTE 1. STAFFEL (USA 2013)

von Benjamin Hahn

Original Titel. HANNIBAL
Laufzeit in Minuten. 538

Regie. MICHAEL RYMER
Drehbuch. BRYAN FULLER . THOMAS HARRIS
Musik. BRIAN REITZELL
Kamera. JAMES HAWKINSON . KARIM HUSSAIN
Schnitt. MICHAEL DOHERTY . STEPHEN PHILIPSON
Darsteller. HUGH DANCY . MADS MIKKELSEN . CAROLINE DHAVERNAS . LAURENCE FISHBURNE u.a.

Review Datum. 2016-03-28
Erscheinungsdatum. 2013-12-20
Vertrieb. STUDIO CANAL

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wenn Hollywood nichts mehr einfällt, dann dreht man Remakes. Die Zeit scheint nun auch im US-amerikanischen Fernsehen angekommen zu sein. Dort durften sich die Zuschauer zu Beginn der Serien-Saison 2013 nicht nur mit einer Vorgeschichte zu Alfred Hitchcocks PSYCHO beschäftigen, sondern auch mit dem bekanntesten Kannibalen der Welt, Dr. Hannibal Lecter, auf Mörderjagd gehen.

Es gibt einige Dinge, die man HANNIBAL sehr schnell vorwerfen kann. So wie das Bedürfnis der Serie, wie eine Geisterbahn auf dem Jahrmarkt sein zu müssen: Laut polternd und voller gruseliger Effekte. Deshalb türmt sich die Musik zuweilen zum unheilvollen Donnern auf und deshalb sind die Bilder der Tatorte auch auf einen maximalen Schauder-Faktor hin ausgelegt. Auch die permanente Wahnsinnspirale mit der HANNIBAL eine keineswegs realistische, sondern psychopathisch idealisierte Welt zeichnet, ist nicht gerade eine dramaturgische Meisterleistung.

Denn trotz des alltäglichen Grauens und Wahnsinns der Realität ist die Wirklichkeit eben keine Anhäufung maximal irritierender Verbrechen. Wir sind gerade deshalb von manchen Verbrechen so schockiert, weil sie "abnorm" sind. In HANNIBAL aber wird das abnorme Verhalten zur Norm und damit gewöhnlich. Die Folge ist, dass der Wahnsinn, der eigentlich spannungsfördernd sein soll, nicht immer wirklich mitreißend ist. Dennoch muss man die Serie für die Entscheidung loben, das Publikum überhaupt einer solchen Spirale auszusetzen. Zwar hat bereits AMERICAN HORROR STORY bewiesen, dass die aktuelle TV-Landschaft durchaus bereit ist für solche sehr unangenehmen, sperrigen Produktionen, trotzdem gehört seitens des Studios viel Mut dazu, ein solches Projekt auch wirklich umzusetzen.

Doch Respekt alleine macht noch lange keine gute Serie. Dass die Serie trotz Holzhammer-Horror eben doch mehr ist als nur eine billige Jahrmarktsattraktion, verdankt sie im Wesentlichen zwei Menschen: Mads Mikkelsen und Hugh Dancy. Für ein deutsches Publikum mag die Art, wie Hugh Dancy seinen FBI-Profiler Will Graham darstellt, zunächst irritierend sein, denn sie erinnert stark an Jörg Hartmanns Dortmunder TATORT-Kommissar. Das beginnt beim Äußerlichen, geht über die psychischen Eigenheiten und endet bei der Tat-Rekonstruktion, bei der sich beide Ermittler in den Täter hineindenken und die Fälle nachspielen. Doch die Ähnlichkeit dürfte purer Zufall sein, auch wenn beide Schauspieler, Hartmann und Dancy, ihre Rollen äußerst intensiv und glaubwürdig spielen. Eine Feststellung, die auch auf Mads Mikkelsen zutrifft - was angesichts seiner Rolle ein keineswegs leichtes Unterfangen ist. Denn der Däne darf mit der Rolle des Hannibal Lecter eine Figur verkörpern, die inzwischen eigentlich unauslöschlich mit Anthony Hopkins verbunden ist.

Dass die Neuinterpretation gelingt, liegt vor allem an Mikkelsen Zurückhaltung. Wo Hopkins Darstellung des Kannibalen Dr. Lecter etwas spielerisches, zuweilen gar frivoles hatte, legt Mikkelsen eine unterkühlte Sachlichkeit an den Tag. Sein Hannibal ist nicht weniger Spieler als der von Hopkins, aber ihm sieht man die Berechnung und das Taktische an, womit er sich klar und deutlich vom Vorbild abhebt. Genau das macht auch HANNIBAL äußerst stark. Nachdem Thomas Harris selbst mit seinem Roman HANNIBAL RISING (und der späteren, gleichnamigen Verfilmung) die Figur des Hannibal Lecter massiv demontiert hat, gelingt es der lose auf dem Roman RED DRAGON basierenden TV-Serie diese Schäden wieder zu richten. Zwar hätte man sich zuweilen einen etwas subtileren Horror gewünscht, aber das gelungene Katz-und-Maus-Spiel seiner Protagonisten macht viele schlechte Eindrücke wieder wett. Klare Empfehlung!

DVD.
Bild und Ton sind für DVD-Verhältnisse sehr gut. Die deutschen DVDs sind ungekürzt, beinhalten allerdings nur die TV-Fassungen. In den USA erschienen für den Heimkino-Markt auch längere "Director's Cut"-Fassungen. Kürzere Making-ofs runden die DVD ab.








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