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HANNIBAL RISING (Frankreich/Großbritannien/USA 2006)

von Martin Eberle

Original Titel. HANNIBAL RISING
Laufzeit in Minuten. 121

Regie. PETER WEBBER
Drehbuch. THOMAS HARRIS
Musik. ILAN ESKERI . SHIGER UMEBAYASCHI
Kamera. BEN DAVIS
Schnitt. PIETRO SCALIA
Darsteller. GASPARD ULLIEL . GONG LI . RHYS IFANS . DOMINIC WEST u.a.

Review Datum. 2007-02-05
Kinostart Deutschland. 2007-02-15

Irgendwas läuft gerade falsch in der Filmwelt. Als ob alle Drehbuchautoren streikten, entführt worden seien oder plötzlich Gicht in den Fingern hätten: keine guten Ideen weit und breit, Remakes, Sequels und Prequels ohne Ende.

Auch Produzent Dino de Laurentiis hatte wohl keine neuen Ideen parat und überredete Bestsellerautor Thomas Harris, dessen Romanzyklus um den wohlerzogenen aber blutrünstigen Dr. Hannibal Lecter um ein Kleinepos zu erweitern: Kindheit und Jugend des Edelkannibalen und damit die Erklärung der Monsterwerdung des charmanten Psychos.

Dieser Versuch ist traurig gescheitert. Harris hat sich, sowohl beim Roman als auch beim Drehbuch, keine Mühe gegeben. Die Vulgärpsychologie um das Kindheitstrauma des jungen Lecters - Hannibals kleine Schwester wird von fiesen Wehrmachtssöldnern verspeist - ist so plump zusammenfantasiert, dass eine triste TV-Trine vom Kaliber Kallwass vielleicht damit ihre Sendeminuten füllen könnte. Als Erklärungsversuch für eine der interessantesten Figuren der Geschichte des populären Psychopatenfilms ist das Ergebnis allerdings unangemessen.

Nicht nur, weil es sowieso komplett idiotisch ist, eine Figur, die von ihrer Mysteriosität lebt, erklären und damit entzaubern zu wollen, noch dazu so trivial und fantasielos wie hier. Auch, weil der Spagat zwischen Psychogramm und Rachemovie (die Söldner werden nach und nach angeknabbert) ganz schön im Schritt spannt: die Charaktere sind in ihrer Simplizität so außerordentlich holzschnittartig geraten, dass man sich wünschen würde, die Augsburger Puppenkiste hätte sich an diesem Sujet versucht.

Dass der Film hübsch fotografiert und das Setdesign stimmungsvoll ist, dass der Cast gut ausgesucht und die Blutspur des jungen Lecters liebevoll bemaskenbildert wurde, das nützt natürlich alles nix, wenn die raren Momente, die der Geschichte eine neue Wendung geben könnten, die einen Twist oder einen Konflikt hergeben würden, zwar im Film kurz angedeutet aber dann einfach nicht weiter verfolgt werden. Zweifel an seiner Mission, weil Lecter vielleicht sogar selbst an seiner Schwester geschmaust hat? Hin- und hergerissen sein zwischen dem mau motivierten Mordtrieb und der dezent inszenierten Liebe zur schönen Tante? Im Ansatz da, aber durch den groben Pinsel, mit dem hier alleweil gemalt wird, schon im Moment des Erscheinens wieder grob übermalt.

Deshalb will man es auch dem vielversprechenden Lecter-Darsteller Gaspard Ulliel gar nicht verübeln, gerade mal einen Gesichtsausdruck, ein schiefes diabolisches Grinsen, an passenden und unpassenden Momenten aufzusetzen. Er hat keine andere Chance, es passt zum Plot. Den anderen Schauspielern geht's nicht besser. Sie dürfen nur Knallchargen sein in einem Film, der so recht eigentlich nur eines leistet: ein weiteres deutliches Beispiel für die aktuelle Fantasielosigkeit der zeitgenössischen Filmindustrie abzuliefern.

Man wünscht sich den Hannibal Lecter aus dem Jahre 1991 zurück, das Jahr, in dem er in DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER seinen Weg in den Blockbusterfilm fand. Damals faszinierte er das Publikum genau so wie er es verstörte. Und keiner hätte sich getraut, ihn so zu verhohnepiepeln. Wenigstens nicht, so lange man noch an seiner Leber hing.











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