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KAPITELWAHL

POM POKO (Japan 1994)

von Martin Eberle

Original Titel. HEISEI TANUKI GASSEN POM POKO
Laufzeit in Minuten. 119

Regie. ISAO TAKAHATA
Drehbuch. ISAO TAKAHATA . HAYAO MIYAZAKI
Musik. SHANG SHANG TYPHOON
Kamera. -
Schnitt. TAKESHI SEYAMA
Darsteller. NIJIKO KIYOKAWA . MAKOTO NONOMURA . SHIGERU IZUMIYA . AKIRA KAMIYA u.a.

Review Datum. 2016-03-14
Erscheinungsdatum. 2016-02-19
Vertrieb. UNIVERSUM FILM

Bildformat. 1.85:1 (1080p)
Tonformat. DEUTSCH (DTS-HD 2.0) . JAPANISCH (DTS-HD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. B

FILM.
"Tan-tan-tanuki no kintama wa, kaze mo nai no ni, bu-ra bura!" - "Tanukis Hodensack - es weht kein Wind und er schwingt, schwingt, schwingt..." (japanisches Kinderlied)

Tanukis sind eigentlich ganz possierliche Tiere. Sie ähneln einer Kreuzung zwischen Waschbär und Hund und sind vornehmlich in Japan zuhause.
Seit dem 16. Jahrhundert treiben sie sich in unzähligen Märchen und Mythen herum. Tanukis gelten als leicht unverantwortliche Gesellen: Sie sind vergnügungssüchtig, lebensfroh und leicht abzulenken.
Die nächstbeste Gelegenheit zu Gesang oder Feier wird sofort genutzt. Und sie haben besondere Gaben, die Kunst der Illusionserzeugung und der Verwandlung in Menschen und Dinge. Die männlichen Tanukis haben ausserdem ein ganz besonders interessantes Extra-Feature: einen äusserst form- und dehnbaren Hodensack, der vielseitig einsetzbar ist: als Sitzgelegenheit, Transportmittel oder auch als Waffe. Und in POM POKO kommen sie oft zum Einsatz.

Isao Takahata, Mitbegründer der glorreichen Ghibli-Studios, hat als Drehbuchautor und Regisseur POM POKO den umtriebigen Tanukis gewidmet. Sie leben glücklich und zufrieden in den Tama-Bergen in der Nähe Tokyos, bis sich die wachsende Stadt in den Lebensraum der putzigen Tierchen gräbt.

Diese raufen sich zusammen, um ihre Heimat gegen die Menschen zu verteidigen. Zwei Fraktionen bilden sich, die verschiedene Strategien verfolgen. Die einen um Jung-Tanuki Shokichi wollen es mit Subversion und Sabotage versuchen, die anderen unter Führung des deutlich robusteren Gonta möchten alle Menschen töten. Alle.
Bzw. vielleicht doch nicht alle, wie sollen denn die genusssüchtigen Tanukis zukünftig an die köstlichen Hamburger und Tempuras kommen!
Tanukis, diese liebenswerten Racker, dann doch so urmenschliche Eigenschaften und Erwartungen: vor allem Spass an der Freude.
Dass es ausgerechnet die Menschen sind, die sich auf ein möglichst produktives Arbeitsleben konzentrieren und damit ihr Leben anstrengender, aufreibender, also auch einfach mal spassfreier gestalten, ein Leben, an das sich die Tanukis über kurz oder lang anpassen müssen, ist eine der vielen feinen Beobachtungen, die POM POKO nicht nur so unterhaltsam sondern auch sehr klug machen.

POM POKO ist einer der letzten Film aus den Ghibli-Studios, der vor allem in Japan wahrgenommen wurde, bevor die Animationsschmiede ihre großartigen Filme auch in westliche Länder erfolgreich exportieren konnte.
Verständlich, POM POKO ist - obgleich er wie so ziemlich alle Ghibli-Filme eine deutlich ökologisch-nachhaltige Botschaft in sich trägt - weitaus schräger, rauher und abgedrehter als Filme wie CHIHIROS REISE oder PRINZESSIN MONONOKE. Allein der - übrigens komplett entsexualisierte - Einsatz des Tanuki-Skrotums ist erstmal eine ziemliche Überraschung.

Aber das ist natürlich nur ein Detail von vielen. POM POKO variiert ganz frech und virtuos Stimmungen und Stil, meistens lustig albern, auch mal richtig traurig und dann auch wieder voller Poesie und Schönheit.

POM POKO mag manchem als unstrukturiert und unentschlossen vorkommen, weil nicht eine geradlinige Geschichte mit einem geradlinigen Stil erzählt wird. Genau das macht aber den Charme des Films aus. Ungestüm, ausgelassen und lebensfroh werden die Tanukis und ihre Geschichten und Geschichtchen aufgefächert, und die sind auch in ihrer Anekdotenhaftigkeit einfach mitreissend. Der Erzählstil ist auch sehr angemessen, scheint auch einem Hauptcharakterzug der Tanukis zu entsprechen: nicht zu lang und zu konzentriert an einer Sache sitzen können. Immer und immer wieder kommt den hehren Ansprüchen der ständige Drang nach Ausgelassenheit und Lebensfreude dazwischen. Da kann es auch schon mal passieren, dass die Schweigeminute zu Ehren der bei einer ersten erfolgreichen Attacke getöteten Menschenwesen es noch nicht in die Halbzeit schafft, weil die Freude über diesen Sieg einfach zu sehr nach einer grossen Sause schreit! Wiewohl den Tanukis der Anlass zu einer Feier eigentlich herzlich egal ist. Würden die Tiere erfolgreich ihren Müll trennen, sie würden selbst das in einer Party enden lassen.
Eine Eigenschaft, die wir Menschen uns von den Tanukis vielleicht abschauen sollten. Auch eine Botschaft, die in diesem Spitzenanime leichtfüssig und unterhaltsam viel Freude bereitet.

BLU-RAY.
Schönes, schlichtes Coverbild, ein unaufgeregtes, lustiges Menü, tolles Bild, toller Ton (schöner ist natürlich die japanische Originalsprache), alles, was das Herz begehrt.
Ausser Extras, da hat es für Hardcorefans das POM POKO-Storyboard in ganzer Filmlänge und einige Trailer.
Naja, guckt man sich den Hauptfilm halt einfach noch einmal an. Das geht tatsächlich, ohne dass Langeweile aufkommt!








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