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KAPITELWAHL

CHICAGO (USA 2002)

von Benjamin Hahn

Original Titel. CHICAGO
Laufzeit in Minuten. 110

Regie. ROB MARSHAL
Drehbuch. BILL CONDON . BOB FOSSE . FRED EBB
Musik. JOHN KANDER . DANNY ELFMAN
Kamera. DION BEEBE
Schnitt. MARTIN WALSH
Darsteller. CATHERINE ZETA-JONES . RENÉE ZELLWEGER . RICHARD GERE . QUEEN LATIFAH u.a.

Review Datum. 2012-09-28
Erscheinungsdatum. 2011-11-17
Vertrieb. STUDIO CANAL

Bildformat. 1.85:1 (1080p)
Tonformat. DEUTSCH (DTS 5.1) . ENGLISCH (DTS-HD 5.1) . FRANZÖSISCH (DTS 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. B

FILM.
Für die Generation SUCKER PUNCH dürfte es vertraut klingen: Eine junge Frau wird nach einem Mord eingesperrt und durchlebt daraufhin die Vermischung von Realität und Traum, in der Gesangs- und Tanznummern eine zentrale Rolle einnehmen. Doch halt, bevor jetzt jemand denkt, dass es sich tatsächlich um einen an Zack Snyders Phantasmagorie orientierten Film handeln könnte, sei zügig erwähnt, dass es sich wohl eher umgekehrt verhalten haben dürfte, stammt der Film CHICAGO doch bereits aus dem Jahr 2002 und ist die Verfilmung eines Musicals, das 1975 Premiere feierte und wiederum - wie das bei klassischen Musicals oftmals der der Fall ist - auf einem Theaterstück aus dem Jahr 1926 basierte. Ein ganz altes Dingen also, das Regisseur Rob Marshal da auf die Leinwand bringt.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob das nicht alles inzwischen antiquiert, ja geradezu vorgestrig wirkt. Immerhin ist der zentrale Stoff, die Geschichte zweier Frauen, die aus möglicher Notwehr heraus Männer töten, bereits in zahlreichen Varianten und in jedem Kulturkreis erzählt worden; das Musical selbst, das aus der Emanzipationsgeschichte zugleich eine Reflexion über das Vaudeville der 1920er macht, bereits auch an die 40 Jahre alt und selbst die vorliegende Verfilmung feiert gerade ihr 10-jähriges Jubiläum (und bekommt dafür von Studio Canal eine Auswertung auf Blu-ray spendiert). Ist man nicht also längst eines solchen Films wie CHICAGO überdrüssig geworden?

Nein, nicht im Geringsten. Zu verdanken hat der Film das einerseits dem Musical selbst, dessen von John Kander und Fred Ebb (auch CABARET) geschriebenen Lieder eingängig, aber nicht gefällig, erinnerbar und mitreißend sind (und deren Qualität sich wohl auch daran ablesen lässt, dass CHICAGO, also das Musical, nicht der Film, eines der meistgespielten Musicals der Welt ist); andererseits ist da die Regie von Rob Marshal, die aus der oftmals eher nüchtern inszenierten Vorlage einen wahren Bilderrausch macht. Nicht im Sinne einer Überwältigungsorgie wie MOULIN ROUGE, dennoch aber mit schnellen Schnitten, detailverliebten Sets und Kostümen und einer ausschweifenden Wollust an allem, was visuell auch nur im Ansatz fähig ist, irgendwie Eindruck zu schinden.

Das ist - und das sollte man gleichermaßen als Warnung und Empfehlung verstehen - nur wirklich etwas für Musicalliebhaber. Als gewöhnlicher Spielfilm mag das hier mehr schlecht als recht funktionieren, ist doch z.B. der Anteil des gesprochenen Librettos bereits von Beginn an eher gering (auch wenn er mit fortschreitender Laufzeit zunimmt, dominiert - logischerweise - das gesungene über das gesprochene Wort). Fast jede Szene geht in einer neuen Musicalnummer auf oder wird zumindest durch Musik rhythmisiert. Wer damit nichts anfangen kann, der wird bereits nach fünf Minuten entnervt den Fernseher ausschalten. Als opulente Verfilmung eines Bühnenstücks jedoch funktioniert der Film ganz wunderbar: Die vom Bühnenraum gesetzten Grenzen für Kulissen werden mühelos gesprengt, die Choreografie versteht sich ganz in der Tradition von Bob Fosse, das Chicago der 1920er wird hier und da gekonnt zum Leben wiedererweckt und die Stimmung und Atmosphäre des Vaudevilles überträgt sich schnell auf den Zuschauer, reißt mit und lässt einen verstehen, warum in den vergangenen Jahren, als die Welt bereits in die Metamoderne eingetreten war, das amerikanische Varietétheater der goldenen Zwanziger ein Revival erlebt hat.

Eine prominent besetzte, überragend gespielte und inszenierte Adaption eines wahren Musicalklassikers. Fantastisch!

BLU-RAY.
Bild und Ton der Blu-ray sind sehr gut. Mit 75 Minuten Gesamtlaufzeit (den Audiokommentar von Rob Marshal und Drehbuchautor Bill Condon nicht mitgerechnet) fällt das Bonusmaterial zwar recht ordentlich aus, jedoch wurden leider nicht alle Extras der bisherigen 2-Disc-DVD-Editionen übernommen (im Vergleich z.B. mit der deutschen SE von 2005 "fehlen" immerhin knackige 98 Minuten an Bonusmaterial). Von der Blu-ray-Auswertung hätte man sicherlich mehr erwarten können.








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