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KAPITELWAHL

BEFEHL AUS DEM DUNKEL (Japan 1965)

von Alexander Karenovics . Thorsten Hanisch

Original Titel. KAIJU DAISENSO
Laufzeit in Minuten. 94/81

Regie. ISHIRO HONDA
Drehbuch. SHINICHI SEKIZAWA
Musik. AKIRA IFUKUBE
Kamera. HAJIME KOIZUMI
Schnitt. RYOHEI FUJI
Darsteller. NICK ADAMS . AKIRA TAKARADA . KUMI MIZUNO . JUN TAZAKI u.a.

Review Datum. 2012-07-24
Erscheinungsdatum. 2012-06-21
Vertrieb. ANOLIS

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . JAPANISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Abgesehen von GODZILLA UND DIE URWELTRAUPEN waren internationale Fassungen bislang besprochenener Filme ausschließlich in drastisch veränderten Versionen verfügbar. Ob Umschnitte, klitternde Synchronisationen oder nachträglich eingefügte Identifikationsfiguren in geschwätzigen Reporter-Rollen: vom Handlungsfluß des Originals und einer ursprünglichen Vision blieb allgemein wenig übrig. KAIJU DAISENSO (jap. KRIEG DER MONSTER), der sechste offizielle Teil der Godzilla-Reihe, gibt sich kompromißbereit und findet eine für alle Fraktionen befriedigende Lösung: warum internationalem Begehr nach einheimischen Stars im Rampenlicht nicht entgegenkommen, und einen US-Darsteller von Anbeginn schlüssig in die Handlung einbeziehen? Nick Adams heißt der gute Mann, ein witziger und sympathischer Kerl, der neben seinen japanischen Kollegen nicht abfällt und ferner dazu beiträgt, daß einem die Menschen ans Herz wachsen und ihre Schicksale nicht egal bleiben. Nichtsdestoweniger mußte die englische Version Federn lassen, kurioserweise wurde die böse Schere fast ausschließlich bei Effect-Shots angesetzt: fliegende Untertassen, Close-ups von stampfenden Monsterpranken, und last but not least Rodan, wie er mit Flügelschlägen Panzer und Gesteinsbrocken durch die Luft wirbelt, als wären sie Konfetti.

Daß INVASION OF ASTRO-MONSTER (int. Titel) viele Ereignisse in Tim Burtons MARS ATTACKS! inspirierte, ist unübersehbar; fundamentale Ideen (Radio-Stationen, die schauderhafte Klänge durch den Äther schicken) und phantasievolle Imaginationen (am Himmel taumelnde UFOs) wurden hier zum ersten Mal gedacht. Der Film knüpft direkt an den Vorgänger an, sogar der Monster-Cast ist derselbe (minus Mothra). Daß quasi von Heute auf Morgen interstellare Trips zum Planeten X (gleich hinterm Jupiter links) möglich geworden sind, während der Rest der Welt sich im konsequent psychedelischen Yellow Submarine-Look der 60er weiter dreht, schluckt man halt oder erstickt daran. Nach seiner Niederlage in FRANKENSTEINS MONSTER IM KAMPF GEGEN GHIDORAH ist der dreiköpfige Drache weit hinaus ins Weltall geflohen, wo er fortan mit verheerenden Blitzgewittern die ohnehin unwirtliche Felslandschaft des Planeten X umgestaltet. Dessen Bewohner (die Hai-Männer aus FLASH GORDON, aber mit unendlich cooleren Sonnenbrillen) sind darüber wenig erbaut und möchten sich deshalb Godzilla und Rodan von den Menschen ausleihen; das monströse Tag-Team soll Ghidorah einen kräftigen Tritt in den goldenen Arsch verpassen. Im Gegenzug gibt's ein Wunderheilmittel gegen Krebs. Wer kann da schon Nein sagen?

Besonders in seinen Weltraum-Schauplätzen und atmosphärischen Studio-Impressionen fremder Welten versprüht der Film unperfekten Charme à la BARBARELLA und Co. Über behelfsmäßige Tricktechnik darf geschmunzelt werden, man muß jedoch eingestehen, daß in allem ein liebevoller Blick für Details mitgearbeitet hat. Auch wenn es selten perfekt aussieht, das Ziel war stets, eine Szenerie so überzeugend wie möglich zu gestalten; im krassen Gegensatz zu manch zeitgenössischem CGI-Kaninchen, welches nur gerade aus dem Hut gezogen wird, weil einem die Zeit im Nacken sitzt und man so am preiswertesten davonkommt. Und dieser Unterschied zählt. Berühmt geworden ist der Film vor allem dank einer reichlich skurrilen Szene, als Godzilla zur Feier seines Sieges über King Ghidorah ein kleines Tänzchen aufführt, und ihm bei seinen fidelen Sprüngen die geringe Gravitation des fremden Planeten entgegen kommt. Ishiro Honda protestierte zunächst, Special Effects Director Eiji Tsuburaya bestand jedoch auf die Szene, weil "Kinder sich darüber freuen würden".

Die Screentime der Monster fällt überraschend knapp aus, die Show gehört ganz dem Kampf der Menschen gegen böse außerirdische Invasoren. Die Monster bleiben ein Gimmick, eine kostenlose Dreingabe im Happy Meal für große Kinder, ohne weitreichende dramaturgische Konsequenz. Trotzdem lacht das Herz, wenn im Finale eine ganze Metropole zerstampft und Kriegsmaschinerie eingeschmolzen wird. Vor allem wird aber wieder wesentlich stringenter und aufwändiger zerstört als im vorherigen Teil (auch wenn einige Einstellungen Stock-Footage sind). Einer eingeschworenen Kaiju-Fangemeinde kann BEFEHL AUS DEM DUNKEL nicht allzuviel bieten, dafür kommen sich die Monster untereinander zu wenig in die Quere. Mit einer Prise Nostalgie im Kleinhirn dennoch als herrlich naives Science-Fiction Abenteuer erlebbar, welches dank charismatischer Darsteller und guter Portion larger than Life-Action zu keiner Sekunde langweilt. Übrigens der erste und letzte Film der Reihe, in dem sich ein Leinwand-Pärchen sichtbar für die Kamera küsst (Kumi Mizuno und Nick Adams; nicht Godzilla).

DVD.
BEFEHL AUS DEM DUNKEL erscheint innerhalb der "Kaiju Classics"-Reihe von Anolis, die sich mittlerweile zu einer Art Criterion für den japanischen Monsterfilm gemausert hat, sprich: Besser geht's kaum.

Beide DVDs liegen wie gewohnt in einem schick aufgemachten Metalpack, als Beigabe gibt's - ein Extra was leider langsam aber sicher Seltenheitswert bekommt - ein hoch informatives 20seitiges Booklet.
Das Bild ist im korrekten Format, farbenprächtig, scharf und eigentlich - wie Bodo Traber und Jörg Buttgereit im Audiokommentar anmerken - für diese Art Film fast schon wieder zu gut, so werden besonders an einer Stelle die Tricks besonders schamlos offengelegt.
Die Audiospuren (deutsch & japanisch) finden sich erwartungsgemäßig im Monoformat, das in der deutschen Version einen leichten Hang zum Blechernen hat, aber das ist Meckern auf turmhohen Niveau.
Da der Schreiber dieser Zeilen eine ausgesprochene Abneigung gegen Audiokommentare von Menschen hat, die mit der Produktion nichts zu tun hatten, war bei der Anwahl der betreffenden Spur erstmal Skepsis angesagt, die von Bodo Traber und Jörg Buttgereit aber schnell aufgedröselt wurde: Hört her, Labertaschen dieser Welt - sowas kommt dabei heraus, wenn man sich vor dem Einschalten des Mikrofons zwei-drei Gedanken macht. Jedenfalls werfen die beiden Monsterfilmexperten im angenehmen Sprechtempo auf höchst unterhaltsame, total unaufdringliche Art und Weise mit einer äußerst verblüffenden Fülle an Hintergrundinformationen zum Film um sich. Das macht mindestens genauso viel Spaß wie der Film selbst, Hut ab!
Als weiteres Extra findet sich ein Interview mit Monsterfilmdarsteller Ryu Hurrikane, der zwar erst seit den 90ern aktiv ist und somit nichts mit dem Film zu tun hat, aber interessante Einsichten in den Job eines hauptberuflichen Städtezertramplers gibt.
Eine feine Bildergalerie, der deutsche und der japanische Kinotrailer und die alte, geschnittene, deutsche Kinoversion des Films runden dieses feine Carepaket für treue Fans ab. Besser geht's kaum.








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