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KAPITELWAHL

UNTOTE WIE WIR - MAN IST SO TOT WIE MAN SICH FÜHLT (USA 2009)

von André Becker

Original Titel. THE REVENANT
Laufzeit in Minuten. 113

Regie. D. KERRY PRIOR
Drehbuch. D. KERRY PRIOR
Musik. WENDELL HOBBES
Kamera. PETER HAWKINS
Schnitt. D. KERRY PRIOR
Darsteller. DAVID ANDERS . CHRIS WYLDE . LOUISE GRIFFITHS . JACY KING u.a.

Review Datum. 2012-03-01
Erscheinungsdatum. 2012-01-19
Vertrieb. UNIVERSAL

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . FRANZÖSISCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Man ist so tot wie man sich fühlt lautet der Untertitel der hierzulande unter dem leicht gewöhnungsbedürftigen Titel UNTOTE WIE WIR veröffentlichten Horrorkomödie THE REVENANT. Und tatsächlich trifft der Untertitel ziemlich genau den Kern der Geschichte, denn obwohl Hauptprotagonist Bart (David Anders) im Irak tödlich von mehreren Kugeln getroffen wurde, fühlt sich der Exsoldat quicklebendig. Das Dasein als Untoter bringt jedoch das eine oder andere Ärgernis mit sich. Bart muss sich nicht nur mit seiner voranschreitenden Verwesung und dem damit einhergehenden Gestank auseinandersetzen, sondern auch mit dem zunehmenden Blutdurst, der ihm immer mehr zusetzt. Hilfe verspricht er sich von seinem besten Kumpel Joey (Chris Wylde), der mit der Situation relativ gelassen umgeht und schnell erkennt, dass das Leben als Untoter auch Vorteile mit sich bringt.

Bereits dieser kurze Abriss der Storyline sollte jedem klar machen, dass Regisseur D. Kerry Prior keinen bierernsten Schocker mit gesellschaftskritischem Subtext a la Romero im Sinn hatte und es sich bei UNTOTE WIE WIR eher um eine nicht ganz ernst gemeinte Horrorkomödie im Stil von SHAUN OF THE DEAD handelt. Der Vergleich mit Edgar Wrights Spaßbombe aus dem Jahr 2004 ist auch durchaus passend, denn in Priors Film geht es primär um eine Männerfreundschaft, die unter außergewöhnlichen Umständen auf die Probe gestellt wird. Letztlich hebt sich die Zombie-Comedy dadurch positiv von der üblichen Direct-to-DVD-Kost ab. Es sind vor allem die emotionalen Szenen, die nachwirken und dem Film eine besondere Note verleihen. Glücklicherweise harmonieren die beiden Hauptdarsteller auch gut miteinander, so dass UNTOTE WIE WIR auch auf der Darstellerebene punkten kann.

Während sich die erste Hälfte des Films vorwiegend mit den Tücken des Untotendaseins beschäftigt und der humoristische Aspekt der Story im Vordergrund steht, nimmt UNTOTE WIE WIR nach rund der Hälfte der Spielzeit eine entscheidende Wendung, die sich auch auf die Schwerpunktsetzung der Genremotive auswirkt. Bart und Joey begeben sich auf mitternächtliche Feldzüge gegen Kriminelle und räumen in der Unterwelt der Stadt kräftig auf. Die beiden Kumpels verhalten sich dabei aber nicht wie moderne Superhelden, sondern konsumieren die eingesackten Drogen der Dealer auch gerne mal selber. Daneben kann Bart seinen Blutdurst mit den angehäuften Leichen stillen und somit seiner Verwesung gezielt entgegenwirken. Prior erhöht in diesem Kontext in erster Linie die Actionelemente und baut zudem noch ein paar herbe Gewaltszenen ein. Darüber hinaus offenbart das Drehbuch die charakterlichen Unzulänglichkeiten der Protagonisten. Joey erweist sich zunehmend als geldgeiles Arschloch, das auch nicht davor zurückschreckt ehemalige Freundinnen kaltblütig aus dem Weg zu räumen. Bart schafft es wiederum nicht die Beziehung zu seiner Freundin vor dem Hintergrund seines Zustandes aufrechtzuerhalten und ACHTUNG SPOILER wird schließlich von seinem Blutdurst übermannt. Als sich die Situation zuspitzt und die Verbrechergangs zurückschlagen ist vor allem Bart schon längst ein gebrochener Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht, als sein Leben zu beenden. Sein Vorhaben erweist sich jedoch schwieriger als erwartet.

Prior wechselt insofern die Stoßrichtung und setzt auf dramatische und emotionale Szenen, wobei er nicht gänzlich vergisst den Comedy-Aspekt der Handlung auch weiterhin zu bedienen. Besonders eine Szene, die hier fairerweise nicht verraten werden soll, ist gleichzeitig witzig und traurig und sicherlich das heimliche Highlight des Films. Am Ende gibt es schließlich doch noch ein wenig Gesellschaftskritik, die sich speziell in den letzen Einstellungen recht deutlich manifestiert.

Insgesamt ist UNTOTE WIE WIR eine sehr solide Angelegenheit, die allerdings auch mit einigen Mängeln zu kämpfen hat. Aufgrund der Laufzeit von beinahe zwei Stunden sind ein paar Längen vorhanden, die den Unterhaltungswert des Films ein wenig trüben und hier nicht unter den Tisch fallen sollten. Ferner kommt auch die Spannung ein kleines bisschen zu kurz, so dass der Film in erster Linie mit den interessanten Figuren, den originellen Ideen und der erfrischenden Herangehensweise an die Story gefällt. Für einen richtigen Geheimtipp reicht es unterm Strich also nicht. Als abgedrehte Mischung aus Horror-Komödie und Buddy-Movie mit kleineren Schwächen funktioniert der Film aber ganz gut.

DVD.
Bild- und Tonqualität sind überdurchschnittlich gut und hinterlassen einen durchweg positiven Gesamteindruck. Auch bei der Synchronisation wurde sich Mühe gegeben, was sich ebenfalls vorteilhaft für die Qualität der deutschen Veröffentlichung auswirkt.








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