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KAPITELWAHL

HAUNTERS (Korea 2010)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. CHONEUNGRYEOKJA
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. KIM MIN-SUK
Drehbuch. KIM MIN-SUK
Musik. LEE JAE-JIN
Kamera. ALEX HONG
Schnitt. KIM SANG-BUM
Darsteller. KANG DONG-WON . KO SOO . JEONG EUN-CHAE . YOON DA-kYEONG u.a.

Review Datum. 2011-10-30
Erscheinungsdatum. 2011-06-24
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . KOREANISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Stell dir vor, einer ist Superheld, und keiner sagt dir warum. Unvorstellbar eigentlich, deshalb müssen auch die Flegeljahre von Super-, Bat- und Spiderman alle paar Jahre neu erzählt werden. Kann sich schließlich auf Dauer keiner merken, wie das noch mal war mit dem zerstörten Planeten, den ermordeten Eltern und der giftigen Spinne.

In HAUNTERS gibt es keine langwierige Space Opera, keine Milchmädchenpsychologie und keinen pseudowissenschaftlichen Humbug zur Erklärung, warum die beiden Hauptfiguren sind, wie sie sind. Sie sind halt so. Cho-in (Kang Dong-Won) kann anderen Menschen seinen Willen aufzwingen. Er nutzt dieses Talent zur Bildung von Eigenkapital, also zum Bösen. Der gutmütige aber glücklose Gelegenheitsarbeiter Kyu-nam (Ko Soo) muss bei einem Zusammentreffen erfahren, dass er gegen Cho-ins Kräfte immun ist. Außerdem entdeckt er zu seiner Überraschung weitere abnormale Fähigkeiten in sich schlummern. Er beschließt, gemeinsam mit seinen Freunden vom Rande der Gesellschaft dem Finsterling das Handwerk zu legen.

HAUNTERS ist die erste Regiearbeit von Kim Min-suk, Ko-Autor von THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD. Wie jener als koreanischer Western vermarktet wurde, obwohl er nur ein paar optische Oberflächlichkeiten mit herkömmlichen Western gemein hat, ist auch HAUNTERS nur kurz gedacht ein Superhelden- bzw. Superschurkenfilm. Die Figuren tragen weder Strampelanzüge noch Ritterrüstungen, ihre Kräfte sind bloß grob umrissen und deren Ursprünge komplett im Dunkeln, und sie haben weder das Wohlergehen noch die Unterjochung der gesamten Menschheit auf der Liste. Cho-in hat keineswegs das Geltungsbedürfnis eines Lex Luthors. Er möchte nur komfortabel leben und ansonsten in Ruhe gelassen werden. Kyu-nam kommt ihm eher zufällig auf die Schliche; und nicht etwa, weil in seiner Kyu-nam-Höhle der Verbrecheralarm läutete. Diese übernatürlich begabten Zivilisten haben größere Ähnlichkeiten mit den Telekinetikerinnen und Zukunftsguckern bei Stephen King als mit den X-Männern, -Frauen und -Kindern aus den Comicheften. Das macht sie sympathisch, das macht den Film sympathisch. Nicht geringen Anteil hat daran die Besetzung. Ko Soo ist ein überzeugender liebenswerter Verlierer, der über sich selbst hinauswächst. Kang Dong-Won (WAR OF THE WIZARDS) könnte ein böser Wiedergänger des exzentrischen Super-Detektivs L aus den DEATHNOTE-Filmen sein. Zusätzlicher Sympathie-Punkt: Zwei ausländische Nebenfiguren sind zwar lustig, aber nicht lächerlich. Leider eine Rarität im asiatischen Unterhaltungskino.

Kim Min-suk inszeniert die Geschichte in atmosphärischen Großstadtbildern und subtilen Spannungsmomenten. Die ganz großen Superkräfteentladungen lassen lange auf sich warten. Anfangs haben die Konfrontationen der Hauptfiguren etwas von (Achtung: Klischee, aber stimmt halt) einem Schachspiel. Einer macht einen Zug, dann denkt der andere über seinen nach. Bisweilen ist das vielleicht etwas zu subtil; so reizvoll dieser Ansatz ist, hier und da wünscht man sich doch etwas mehr Körper-Keilerei als Kopf-Keilerei, zumal man beim gedrosselten Tempo die vorhandenen, kleineren Unwahrscheinlichkeiten im Plot deutlicher wahrnimmt, als das inmitten eines Reiz-Bombardements der Fall wäre. Umso wirkungsvoller ist es so allerdings, wenn dann zum Finale doch noch in großen Gesten erzählt wird, sowohl was die Spezialeffekte wie auch das Melodram angeht.

Ein interessanter Film von einem vielversprechenden Regisseur. Vielleicht kann beim nächsten Mal "interessant" und "vielversprechend" zu "richtig toll" ausgebaut werden. Stattfinden sollte dieses nächste Mal unbedingt.

DVD.
Ein Trailer und ein Musikvideo sind Augenwischerei; im Klartext muss man sagen: Echte Extras gibt es keine. Dafür ist technisch nichts zu meckern, auch die überraschend kreative deutsche Synchro ist gut gelungen.








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