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KAPITELWAHL

THE GOOD, THE BAD, THE WEIRD (Korea 2008)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. JOHEUNNOM NABBEUNNOM ISANGHANNOM
Laufzeit in Minuten. 125

Regie. KIM JEE-WOON
Drehbuch. KIM JEE-WOON . KIM MIN-SUK
Musik. DALPARAN . JANG YOUNG-GYU
Kamera. LEE MOGAE
Schnitt. NAM NA-YOUNG
Darsteller. JUNG WOO-SUNG . LEE BYUNG-HUN . SONG KANG-HO u.a.

Review Datum. 2010-02-25
Erscheinungsdatum. 2010-01-29
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.40:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . KOREANISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Die Mandschurei in den 1930ern: Ein Zugräuber (The Weird: Song Kang-ho) stiehlt eine mysteriöse Schatzkarte. Ein Gangster (The Bad: Lee Byung-hun) soll sie zurückholen. Ein Kopfgeldjäger (The Good: Jung Woo-Sung) hat es auf die beiden Ganoven bzw. das Kopfgeld abgesehen.

"All das, was der letzte Indiana Jones hätte sein sollen!", fand MTV laut DVD-Hülle. Da mag etwas dran sein, was Action, Atmosphäre und Abenteuerlichkeit angeht. Für einen guten Indiana-Jones-Film fehlt THE GOOD THE BAD THE WEIRD aber etwas Wesentliches: Indiana Jones. Man könnte auch sagen: menschliche Wärme. Keine der drei Hauptfiguren lädt zur Identifikation ein. Der Gute ist blass und unbemerkenswert – als wolle man partout das müde Klischee bedienen, dass Helden per Definition langweilig sein müssen. Der Böse ist halt böse, und mit Bösen identifizieren sich allenfalls geltungssüchtige Halbstarke. Der Wunderliche agiert zwar mitunter wie ein bauernschlauer Sympath, ist aber auch von Anfang an allzu kaltblütiger Killer unschuldiger Passanten. Wer wirklich wie gut, böse oder wunderlich ist, wird schlussendlich eh noch einmal in Frage gestellt mit einer tatsächlich überraschenden Wendung, die zwar Auswirkung auf die Wahrnehmung der Charaktere hat, aber nicht unbedingt auf die Entwicklung der Ereignisse. Losgelöst davon bekommt die Story in den letzten Sekunden vor Abspann noch eine pfiffige Pointe, wenn man endlich erfährt, was es mit dem begehrten Schatz auf sich hat. Das ist clever und witzig, kommt aber deutlich zu spät um noch den Eindruck zu revidieren, dass es sich bei THE GOOD THE BAD THE WEIRD um einen bewundernswerten, aber nicht um einen liebenswerten Film handelt.

Eher als an Indiana Jones denkt man hier an den Film, den Robert Rodriguez immer versucht hat zu machen. Rodriguez schien es bei seinen Mariachi-Filmen stets mehr auf das handwerkliche, leicht bis stark ironische Spiel mit Genrekonventionen anzukommen als auf schlüssige Figuren oder Plots. In dieser Hinsicht ist Kim Je-Woons Film haushoch überlegen. Die Schießereien, Keilereien und Messerstechereien sind rasant inszeniert und originell fotografiert, die Atmosphäre ist in Stadt, Dorf und Steppe gleichermaßen dicht, und die Musik ist ein gleichzeitig nostalgischer und moderner Traum aus Morricone-Gepfeife, mongolischem Hu!Ha!, Western- und Flamenco-Gitarren und funky Disco-Bläsern. Alles zusammen ergibt eine irre Show. Aber keine runde Filmerzählung.

DVD.
So maßlos wie der Film ist auch die Ausstattung der vorliegenden Limited-Edition-DVD, wenn auch mit überzeugenderem Ergebnis. Die geschnittenen Szenen sind nicht von der Sorte "Babsi geht die Treppe runter und macht die Tür auf", sondern hätten das Zeug gehabt, die Hauptschwächen des Films auszubügeln, verleihen sie doch den Figuren mehr Tiefe und machen die politischen Verhältnisse von Zeit und Ort transparenter, ohne dabei auf Action und dramatische Gesten zu verzichten. Andererseits ist der Film auch ohne sie schon eher zu lang als zu kurz. Möglicherweise wurde aber das Falsche geschnitten. Die vier (!) alternativen Enden erhärten den Verdacht, dass Kim Je-Woon mehr Interesse an der Spielerei mit den erzählerischen Möglichkeiten als an der Erzählung als solche hatte.
Ein Gespräch zwischen Regisseur und den Hauptdarstellern ist recht amüsant, weil es sich selbst nicht zu ernst nimmt, Ähnliches gilt für den Audiokommentar.
Das sog. "Making-of" ist nicht die erwartete PR-Doku, sondern eine unkommentierte Montage von Aufnahmen der Dreharbeiten. Man erfährt, wie einige der extravaganteren Bildkompositionen realisiert wurden, was das Ganze sehenswerter macht als die übliche B-Roll-Speicherplatzverschwendung.

Neben der Bonus-DVD hat die limitierte Edition noch eine dritte Disc: Eine randvolle Audio-CD mit dem wunderbaren Soundtrack. Außerdem ins Cover eingebunden: Ein schön gestaltetes Booklet mit einer soliden Mischung aus Information und Blabla. Technisch sind alle Aspekte dieser Veröffentlichung tiptop.








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