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KAPITELWAHL

I COME WITH THE RAIN (Frankreich/Großbritannien/Hong Kong 2009)

von André Becker

Original Titel. I COME WITH THE RAIN
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. TRAN ANH HUNG
Drehbuch. TRAN ANH HUNG
Musik. GUSTAVO SANTAOLALLA. RADIOHEAD
Kamera. JUAN RUIZ ANCHIA
Schnitt. MARIO BATTISTEL
Darsteller. JOSH HARTNETT . BYUNG-HUN LEE . SHAWN YUE . ELIAS KOTEAS u.a.

Review Datum. 2011-09-03
Erscheinungsdatum. 2011-08-19
Vertrieb. ASCOT ELITE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Mit I COME WITH THE RAIN wagt sich der Ausnahmeregisseur Tran Anh Hung (NAOKOS LÄCHELN) erstmalig ins Thriller- respektive Kriminalfilmgenre. Oder besser gesagt: Die verschachtelte Handlung weist zumindest im Ansatz Elemente und Motive eines klassischen Thrillers auf. Der vietnamesische Regisseur schert sich allerdings nur wenig um Genrekonventionen und setzt auf harte inhaltliche und filmästhetische Kontraste. Sein Film pendelt zwischen meditativer Ruhe und exzessiver Gewalt. Moralische Degeneration wird mit der Reinheit großer Gefühle kontrastiert und das pulsierende Leben der Metropole mit der Entschleunigung des asiatischen Dschungels. Tran Anh Hung spielt mit den Extremen und tobt sich dementsprechend aus, was sich natürlich logischerweise ebenso auf die Ebene der Rezeption auswirkt. Das ist alles wahrhaftig keine leichte Kost, aber nichtsdestotrotz verwirrt und fasziniert der Film ungemein.

Josh Hartnett spielt erstaunlich souverän die Rolle des amerikanischen Ex-Cops Kline der sich, nachdem er in die Hände eines Seriekillers (wie immer grandios: Elias Koteas) geraten ist, mit einem schweren Trauma herumschlagen muss. Um halbwegs über die Runden zu kommen arbeitet der emotional stark angeschlagene Kline als Privatdetektiv. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Südostasien und auf die dschungelartige philippinische Insel Mindanao, wo er einen jungen Mann namens Shitao, den verschwundenen Sohn eines mächtigen Pharmaunternehmers, suchen soll. Dort angekommen erfährt Kline von der angeblichen Ermordung Shitaos. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Shitao vermutlich noch am Leben ist und eine viel versprechende Spur in die Metropole Hong Kong führt. Kline setzt seine Suche mithilfe eines chinesischen Polizisten (Shawn Yue) fort und wird dabei in die Entführung der Freundin (Tran Nu Yên-Khê) des psychopathische Gangsters Su Dongpo (Byung-Hun Lee) verwickelt. Fortan überschlagen sich die Ereignisse und der Amerikaner findet sich in einem fieberhaften Alptraum aus Mord und Gewalt wider.

Ähnlich wie bereits in seiner hypnotischen und bisher besten Regiearbeit CYCLO lässt Tran Anh Hung vor allem die Bilder für sich sprechen. Die Handlung selbst ist undurchsichtig und man tappt nicht selten komplett im Dunkeln. Ein nicht unwesentlicher Part der Handlung dreht sich nämlich noch um das mysteriöse Geheimnis, dass Shitao in sich trägt und dass ihn fast schon auf die Stufe eines Heiligen stellt. Wer im Filmverlauf darauf hofft, dass die einzelnen Handlungsstränge am Ende noch sinnvoll zusammengeführt werden und sich alle Ungereimtheiten auflösen, wird allerdings enttäuscht und vielleicht sogar verärgert sein. I COME WITH THE RAIN setzt auf Symbolik und lässt in letzter Konsequenz ebenso die Handlungen seiner Hauptprotagonisten als Symbole und schlussendlich auch als Metaphern stehen. Dies wird besonders durch die Verwendung religiöser Zeichen und Verweise deutlich, auf die der Film insbesondere im letzen Drittel vermehrt zurückgreift.

Unklar bleibt dabei zum Teil, welche Intention Tran Anh Hung mit all den bedeutungsschwangeren Bildern tatsächlich verfolgt. Auch die Charaktere sind in ihrer Ambivalenz nur schwer zu fassen und dienen eher als abstrakte Projektionsflächen der verschiedenen Seiten und Pole der menschlichen Natur. Daraus resultiert einerseits, dass die Figuren wenig bis überhaupt kein Identifikationspotential besitzen und infolgedessen eine gewisse Grunddistanz aufgebaut und aufrechterhalten wird. Andererseits wird durch die ambivalent und vielschichtig angelegten Charaktere eine ungeheure Sogwirkung erzeugt, die den Film wie einen roten Faden durchzieht und auch nach dem Abspann noch anhält.

Als Gesamtkunstwerk funktioniert I COME WITH THE RAIN aber erst durch das perfekte Zusammenspiel von akustischer und optischer Ebene. Unterstützt durch die sphärischen Gitarrenklänge von RADIOHEAD werden Bilder und Soundtrack kongenial zusammengeführt und durch eine meisterhafte Kameraarbeit begleitet. Tran Anh Hung fokussiert sich in diesem Zusammenhang jedoch nicht auf visuellen Overkill und eine entfesselte Kamera, sondern stattdessen auf genau akzentuierte Bildkompositionen und ruhige Einstellungen.

Tran Anh Hungs Werk bleibt im Gedächtnis haften und zählt zu den interessantesten und ungewöhnlichsten Filmen des Regisseurs. Fernab massenkompatibler Mainstreamunterhaltung gelingt es I COME WITH THE RAIN das Publikum zu fesseln und in ein Wechselbad der Emotionen zu reißen. Dennoch erfordert es eine gewisse Grundaufgeschlossenheit und Affinität zum Arthouse-Kino, um sich auf die Inszenierung vollends einzulassen und die Bilder angemessen wirken zu lassen.

DVD.
Die Bild- und Tonqualität ist absolut einwandfrei und bietet eine konstant hohe Qualität über die gesamte Laufzeit des Films. Die Farben sind sehr klar, gestochen scharf und frei von Verschmutzungen. Ebenso phantastisch ist die Tonqualität, die ohne jegliche Mängel auskommt und einen dementsprechend positiven Eindruck hinterlässt.








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