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KAPITELWAHL

BEDEVILLED - ZEIT DER VERGELTUNG (Korea 2010)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. KIM BOK-NAM SALINSAGEONUI JEONMAL
Laufzeit in Minuten. 112

Regie. CHEOL-SOO JANG
Drehbuch. GWAN-YOUNG CHOI
Musik. TAE-SEONG KIM
Kamera. GI-TAE KIM
Schnitt. MI-JOO KIM
Darsteller. YOUNG-HEE SEO . SUNG-WON JI . MIN-HO HWANG. JEONG-HAK PARK u.a.

Review Datum. 2011-05-25
Erscheinungsdatum. 2011-03-25
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . KOREANISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Hae-won ist nicht gerade die Liebenswürdigkeit in Person. Erst verweigert sie einer misshandelten Frau die Zuflucht in ihr Auto. Als die Frau schließlich ermordet wird, identifiziert Hae-won bei einer Gegenüberstellung den Mörder nicht, obwohl sie ihn erkannt hat. Bei ihrer Arbeit in einem Kreditinstitut verweigert sie einer alten Frau Geld, das ihr zustünde. Eine Freundin und Kollegin ohrfeigt sie vor versammelter Belegschaft wegen eines simplen Missverständnisses. Schließlich verordnet ihr der Chef Urlaub. Sie reist von Seoul auf die Insel Moodo, wo nur neun Menschen leben, unter anderem ihre Kindheitsfreundin Bok-nam. Die nimmt Hae-won herzlich auf, aber bald wird deutlich, dass auf der Insel alles andere als paradiesische Zustände herrschen. Bok-nam wird von den Männern missbraucht und geschlagen, von den Frauen wie eine Sklavin behandelt. Ihrer kleinen Tochter geht es nicht viel besser. Als das Mädchen bei einem Fluchtversuch ums Leben kommt, packt Bok-nam die frisch gewetzte Sichel.

Noch mehr Devil, noch mehr blutige Rache in und aus Korea. Der Vergleich drängt sich zu sehr auf, als dass man ihn vornehm übergehen könnte. Dennoch hat BEDEVILLED - ZEIT DER VERGELTUNG nur hauchzarte Ähnlichkeit mit I SAW THE DEVIL. Dramaturgisch könnten beide Affären nicht unterschiedlicher sein. Ist I SAW THE DEVIL ein saftiger, operettenhafter Reißer von vorne bis hinten, funktioniert BEDEVILLED - ZEIT DER VERGELTUNG in erster Linie als menschliche Tragödie und setzt erst im letzten Akt auf ein paar größere Thriller-Gesten. Gemein haben beide Filme, dass sie ihre Racheakte nicht glorifizieren. Das erreichen sie aber wiederum auf ganz unterschiedliche Art. I SAW THE DEVIL wählt einfach einen unsympathischen Rächer mit einer unakzeptablen Methodik. In BEDEVILLED - ZEIT DER VERGELTUNG hingegen könnte die Rächerin nicht sympathischer und die Rache nicht verdienter sein. Bok-nams potentielle Opfer haben ihr Schicksal sowas von verdient, dass man geradezu danach lechzt, dass die arme, geschundene Frau endlich zur Sichel greift. Als sie das dann aber tatsächlich tut, ist sie seelisch und geistig bereits derart zerstört, dass jedem klar sein muss, dass es für sie kein normales Leben nach der Rache geben wird. Und wenn es für einen sympathischen Rächer kein Happy End geben kann, dann macht auch die Rache keinen Spaß mehr.

Und das ist gut so. Vieles andere ist ebenfalls gut an BEDEVILLED - ZEIT DER VERGELTUNG. Die Inszenierung von Debütant Cheol-soo Jang, die mit sonnendurchfluteter Inselromantik das unerträgliche Leid der Hauptfigur kontrastiert. Das Ensemble, in dem jeder seine Rolle gut spielt, allen voran Young-hee Seo als mal überdreht fröhliche, mal verzweifelte, mal völlig weggetretene Bok-nam. Keinen Gefallen tut sich der Film derweil mit dem Verschieben des Fokus zwischen den Hauptfiguren. Gehört der Hauptteil der Handlung Bok-nam, so wird anfangs der Eindruck vermittelt, es gehe vornehmlich um ihre städtische Freundin Hae-won, die aber bald in die Peripherie der Erzählung verbannt wird. Hätte man Hae-won als reinen MacGuffin verwendet, um von außen in die Story hineinzukommen, wäre das nicht verkehrt gewesen. Allerdings schiebt sich ganz zum Schluss der Fokus erneut auf sie und präsentiert auf die Schnelle eine Charakterwandlung, die psychologisch und moralisch allzu plump und bequem daherkommt. Man könnte am Ende direkt den Eindruck bekommen, der Film habe Bok-mans Leidensgeschichte nur benutzt, um Hae-wons Geschichte zu erzählen. Das hat aber Bok-man nicht verdient. Da ist der Film selbst nicht viel sympathischer als die egoistische und feige Hae-won.
Dabei macht es sich BEDEVILLED - ZEIT DER VERGELTUNG nicht so einfach, seine Protagonistin komplett zu verteufeln. Frühe Szenen der einsam trinkenden Hae-won in ihrer dunklen, anonymen Stadtwohnung deuten an, dass sie es auch nicht leicht hat. Möglicherweise ist sogar etwas Traumatisierendes vorgefallen, das sie hat werden lassen, wie sie ist. Es ist löblich und mutig, dass der Film das nicht ausbuchstabiert, sondern seinem mündigen Zuschauer Raum für eigene Schlüsse lässt. Hätte dieser Mut den Film zum Schluss nicht verlassen, wäre ein beeindruckender Film noch beeindruckender geworden.

DVD.
Die technisch makellose DVD hat keine Extras, aber eine überdurchschnittlich gelungene Synchronisation und ein ins Cover eingearbeitetes Booklet mit einem kurzen Essay, Bildern und ein paar Statements des Regisseurs. Unspektakulär, aber hübsch.








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