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KAPITELWAHL

BAD BLOOD - FIGHT WITHOUT MERCY (Hong Kong 2009)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. MIT MOON
Laufzeit in Minuten. 91

Regie. DENNIS LAW
Drehbuch. DENNIS LAW
Musik. TOMMY WAI
Kamera. HERMAN YAU
Schnitt. WAI CHIU CHUNG
Darsteller. SIMON YAM . ANDY ON . LUXIA JIANG . BERNICE LIU u.a.

Review Datum. 2011-03-09
Erscheinungsdatum. 2010-11-26
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . KANTONESISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
FATAL MOVE von Dennis Law war ein Paradebeispiel für das, was man im englischen Sprachgebrauch als "guilty pleasure" bezeichnet. Konfuser Plot, miserable Spezialeffekte, unmögliche Action. Aber, Mann, der Film hatte Wucht, Energie, Stil, Charme und eine Traumbesetzung, die an der Sache sichtlich Spaß hatte. In der Theorie sieht Laws Neuer, BAD BLOOD - FIGHT WITHOUT MERCY, ganz ähnlich aus. In der Praxis ist aber beim "guilty pleasure" nicht mehr viel "pleasure" übrig geblieben.

Nachdem ein Hongkonger Triaden-Patriarch in China hingerichtet wurde, reagiert seine Familie auf der Insel entsprechend kopflos. Während sich die eh schon zerstrittenen Mitglieder über Erbschaftsangelegenheiten und Autoritätsfragen noch mehr in die Haare bekommen, wird ihre Anzahl von einem gedungenen Mörder dezimiert. Steckt etwa der ungeliebte Calf (Andy On) dahinter, Sohn einer Hure und eines Gangsters? Oder sein seltsamer Zögling, die stumme Schlägerin Dumby (Luxia Jiang)?

Wie in FATAL MOVE versucht Regisseur und Autor Law ein Gangster-Epos voller Intrigen und Kung-Fu zu erzählen. Wie bei FATAL MOVE interessiert das Kung-Fu dabei mehr, diesmal sogar noch deutlicher. Immerhin geht es diesmal nicht um Bandenkriege, und die Polizei spielt auch keine Rolle. Hier haben wir nur eine einzige, überschaubare Bande, die sich intern bekriegt. In FATAL MOVE konnte man schon mal den Überblick verlieren. Aber: Dort bemühte man sich gerne, ihn trotz allem zu behalten. In BAD BLOOD wartet man nach einer Kampfszene bloß auf die nächste. Jene Kampfszenen sind hier, wie alles andere, eine Nummer kleiner. Im Gegensatz zu allem anderen kommt das ihnen aber zugute. Das Making-of der DVD enthüllt, dass mehr Drähte im Einsatz waren, als der entspannte Betrachter im Film wahrnehmen wird, aber zumindest wird auf die allzu offensichtlichen Computer-Tricksereien des vorangegangenen Films verzichtet. Blutspritzer kommen zwar auch diesmal digital auf die Linse. Jetzt allerdings eindeutig als Comic-Stilmittel, nicht als vermurkster Realitätsersatz. Angesichts der Stilisierung der Gewalt ist fraglich, ob die 18er-Freigabe gerechtfertigt ist. Nicht, dass die zwei Jahre zwischen 16 und 18 einen riesigen Unterschied machen. Aber so ein leuchtend roter Aufkleber weckt bei einer bestimmten Klientel ja auch gewisse Begehrlichkeiten, die hier unter Umständen nicht befriedigt werden.

Noch mehr Vergleiche mit FATAL MOVE gefällig? Es wird kaum anders gehen, da BAD BLOOD zu wenige Alleinstellungsmerkmale hat, und FATAL MOVE zu vieles richtig machte, was BAD BLOOD falsch macht. Vor allem fehlen starke zentrale Figuren, wie sie im Vorgänger von Sammo Hung und Simon Yam gegeben wurden. Yam hat es zwar auch in diesen Film verschlagen, aber seine Rolle hat schlicht nicht das Gewicht, das einem Darsteller seines Kalibers gerecht würde. Es ist, als würde Robert DeNiro plötzlich anfangen, den strengen Vater in harmlosen Familienkomödien zu spielen. Und überhaupt: Sind Yam und Knuddelschnurbart Suet Lam jetzt verpflichtet, in ausnahmslos jedem Hongkong-Film mitzuspielen, ob Johnnie-To-Produktion oder nicht? Damit keine Missverständnisse aufkommen: Sie sind stets gern gesehen, der Backlash kann warten. Es tut einem nur manchmal weh, sie so nutzlos wie hier zu sehen.

Ohne zu viel verraten zu wollen: die Frauen spielen hier eh wichtigere Rollen als die Männer. Das ist prinzipiell gut so. Aber da sich der Film in seiner Geheimniskrämerei bezüglich Täterfrage und sonstigen Motivationen gefällt, investiert man weder in Frauen noch Männer viel Empathie. Einzige Ausnahme ist Dumby, die mit ihrer Behinderung ohnehin den Beschützerinstinkt auf ihrer Seite hat. Den hat die forsche Fighterin freilich am wenigsten nötig. Die filmische Newcomerin und erfahrene Spitzensportlerin Luxia Jiang ist der Lichtblick in BAD BLOOD - FIGHT WITHOUT MERCY. Sie ist keine der üblichen glattgebügelten und langgestreckten Hongkong-Barbies, sondern eine kompakte kleine Springmaus mit burschikosem Charme. Davon bekommt man hoffentlich in Zukunft noch mehr zu sehen. Möglichst in (viel) besseren Filmen.

DVD.
Audiovisuell tipptopp, aber die deutsche Synchronisation ist ein hölzern aufgesagter Graus. Das einzige Extra ist ein kurzes und kurzweiliges Making-of.








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