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KAPITELWAHL

IP MAN 2 (Hong Kong 2010)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. YIP MAN 2
Laufzeit in Minuten. 104

Regie. WILSON YIP
Drehbuch. EDMOND WONG
Musik. KENJI KAWAI
Kamera. HANG-SANG POON
Schnitt. CHEUNG KA-FAI
Darsteller. DONNIE YEN . SAMMO HUNG . DARREN SHALAVIA . XIAOMING HUANG u.a.

Review Datum. 2011-01-25
Erscheinungsdatum. 2010-10-22
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . KANTONESISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Das Enttäuschende: Anstatt einer Fortsetzung der Geschichte von IP MAN mit Weiterentwicklung von Ereignissen und Charakteren, ist IP MAN 2 lediglich derselbe Film noch mal geworden, diesmal in Hongkong statt Foshan und mit britischen statt japanischen Besatzern. Das Beruhigende: Hat einmal funktioniert, funktioniert noch mal. Mehr oder weniger.

Wing-Chun-Lehrer Ip Man (Donnie Yen) hat sich mittlerweile in Hongkong niedergelassen und dort die gleichen Probleme, die er hatte, bevor die Japaner in seine alte Heimat einmarschierten: Seine Kampfschule will nicht richtig laufen, und von seinen wenigen Schülern mag er zum Unmut seiner Frau kaum Geld nehmen. Als die anderen Schulen von ihm und seinen Talenten Wind kriegen, machen sie ihm das Leben noch schwerer: Meister Hung (Sammo Hung) und die anderen Kampflehrer der Stadt wollen ihn erst nach einem ausführlichen Probekampf in ihre Reihen aufnehmen. Das ist selbstverständlich kein Problem für den guten Ip. Schon eher ein Problem: Die Briten vor Ort prahlen mit ihrem Box-Genie Twister (Darren Shalavia), einem ungehobelten Brutalo, der auf die feine chinesische Art pfeift, wenn nicht spuckt. Als er einen der örtlichen Meister im Ring erschlägt, kann Ip Man die Schande nicht auf sich und seiner Kultur sitzen lassen und bereitet sich auf die völkisch stellvertretende Revanche vor.

Obgleich die britischen Kolonisten in Hongkong sicherlich nicht immer Musterknaben der Völkerverständigung waren, ist es ein ziemlicher Spagat, aus ihnen ähnlich akzeptable Finsterlinge wie die japanischen Invasoren im Zweiten Weltkrieg zu machen. So wurde dann Twister auch zu einem rechten Comic-Schurken und seine Landsleute, so sie überhaupt vorkommen, eher feige Claqueure als regelrechte Bösewichte. Und als die Ehre des chinesischen Volkes wiederhergestellt ist, gibt Ip Man am Ende des Rocky-haften Finales auch noch eine weltbesänftigende Ansprache, dass wir alle uns doch überall besser vertragen sollten. Ein durchsichtiger Trick um den auf der Hand liegenden Vorwurf des chinesischen Kulturchauvinismus zu entkräften. Klappt mit etwas gutem Willen und einem zugedrückten Auge einigermaßen, aber Eleganz sieht anders aus.

Mit der Realität nimmt IP MAN 2 es auch sportlich nicht so genau. Zweifelsohne ist Sammo Hung nach all den Jahren immer noch in bester Form, qualitativ wie quantitativ. Aber den Pfundskerl wie eine Feder durch die Luft schweben zu sehen, lässt doch den Verdacht aufkommen, dass hier und da filmtechnisch getrickst wurde. Bei seinem ersten Kampf gegen Donnie Yen auf einer engen, wackligen Tischplatte gibt es noch mehr physikalische Unwahrscheinlichkeiten als Hungs Anflug. Dennoch ist diese Szene eine der vergnüglichsten des Films. Wer akzeptiert, dass IP MAN 2 eher Fantasy-Biografie eines Volkshelden als Dokudrama über einen Kampfstil ist, kann vielleicht auch verkraften, dass kämpferische Freiheiten ebenso genommen wurden wie inhaltliche. Dramaturgisch wird hier alles außer Donnie Yen und seiner Körperkunst vernachlässigt. Die Geburt Ip Mans neuesten Sohnes, zunächst aufgebaut wie eine vollwertige Nebenhandlung, ist zum Schluss nur eine Fußnote zwischen zwei Boxrunden. Seine Frau ist somit keine Neben- sondern bloße Randfigur. Auch Simon Yam, zurück als Freund aus Foshan-Tagen, muss sich mit ein paar winzigen Gastauftritten begnügen. Die Figur des Wong Shun Leung (Xiaoming Huang) wird großspurig eingeführt als vielversprechender und hitzköpfiger neuer Meisterschüler Ip Mans, aber zum Schluss hört man gar nichts mehr von ihm.

Wo Ip Man draufsteht, ist halt Ip Man drin. Das ist angesichts der Kämpfe, der erst federleichten, dann wuchtig brutalen, auch gut so. Man hat nur diesmal wie damals das Gefühl, dass aus dem Stoff mehr rauszuholen gewesen wäre als tolle Schlägereien vor aufwändigen Kulissen.

Der Film endet übrigens mit genau der Szene, die sich jeder denken kann, der den Namen Ip Man schon mal gehört hat. Dass der kleine Schluss-Gag eine Überleitung zu kommenden Ereignissen ist, muss leider bezweifelt werden. Derzeit gilt es als unwahrscheinlich, dass Donnie Yen sich zu einem dritten Ip-Man-Film breitschlagen lässt.

DVD.
Das Bild und der Ton sind vom Feinsten, auch die Synchronisierung ist überdurchschnittlich hörbar. Ein kurzes Making-of auf der zweiten Scheibe der Special Edition hat zwar nicht viel Informationswert, aber es ist schön, die Darsteller auch mal lachen zu sehen, die im Film immer so staatstragend ernst dreinschauen müssen. Ansonsten gibt es zwei Mini-Dokus über die Kulissen, Aufnahmen von der Premiere und gut eine Stunde Interviews, bei denen das eine oder andere Wissenswerte gesagt wird.








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