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KAPITELWAHL

LOUIS DE FUNÈS-COLLECTION 1 (Frankreich/Großbritannien 1962/1963/1966)

von Hasko Baumann

Original Titel. LOUIS DE FUNÈS-COLLECTION 1
Laufzeit in Minuten. 83/96/120

Regie. GÉRARD OURY . PHILIPE DE BROCA . JEAN GIRAULT . JACQUES PINOTEAU
Drehbuch. diverse
Musik. GEORGES AURIC . JEAN-MICHEL DEFAYE
Kamera. ANDRÈ DOMAGE . ALAIN DOUARINOU . CLAUDE RENOIR . MARC FOSSARD
Schnitt. ALBERT JURGENSON . JEAN-MICHEL GAUTIER
Darsteller. LOUIS DE FUNÈS . BOURVIL . MIREILLE DARC . ROGER DUMAS u.a.

Review Datum. 2011-01-11
Erscheinungsdatum. 2010-08-19
Vertrieb. KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. diverse
Tonformat. DEUTSCH (DD 1.0) . FRANZÖSISCH (DD 1.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Die in Deutschland nicht wenigen Louis De Funès-Fans dürfen sich auch weiterhin Hoffnungen machen, die Lücken in ihrer DVD-Sammlung schließen zu können. Kinowelt erfreut die Anhänger des großen französischen Komikers mit zwei Boxen, die einige seiner bisher sträflich vermissten Filme beinhalten. Kernstück der ersten Box und wohl auch der größte Grund zur Freude ist die lang erwartete Veröffentlichung des Klassikers DREI BRUCHPILOTEN IN PARIS / DIE GROSSE SAUSE. Die auch in Deutschland nicht zuletzt dank seiner Wiederaufführung Mitte der 70er Jahre sehr populäre Komödie (über 3 Millionen Zuschauer) hat eine'zentrale Bedeutung in De Funès' Jahrzehnte überdauernder Karriere. LA GRANDE VADROUILLE eroberte 1967 nicht nur sofort die Kinosäle Frankreichs, der Film wollte auch gar nicht mehr wieder gehen. Am Ende seiner Lauftzeit standen sagenhafte 17 Millionen Zuschauer zu Buche, ein Zuschauerrekord, der bis zu James Camerons Siegeszug mit TITANIC nicht gebrochen werden sollte.

In Deutschland hatte es DREI BRUCHPILOTEN IN PARIS schwerer, spielt er doch im besetzten Paris der 40er Jahre und hat somit die Nazis als Zielscheibe unzähliger Scherze. Die deutsche Vergangenheit war Ende der Sechziger noch alles andere als verarbeitet und somit ein heikles Thema. Kein Wunder also, daß LA GRANDE VADROUILLE ordentlich Federn lassen musste: Ganze 22 Minuten fielen in der deutschen Fassung der Schere zum Opfer. Hinzu kam das Spiel mit den verschiedenen Sprachen, das sich aufgrund der Begegnung der in Paris notlandenden englischen Soldaten mit den Franzosen und den Nazis aufdrängte. Selbst De Funès spricht in einer kurzen Szene deutsch. Für die Franzosen wurden alle fremdsprachigen Szenen untertitelt. Insofern kann LA GRANDE VADROUILLE als mindestens ebenso gültiger Vorläufer von Tarantinos INGLORIOUS BASTERDS gewertet werden wie Enzo Castellaris (quasi) gleichnamiger Söldnerknaller. Die deutsche Synchronisation kapitulierte allerdings komplett vor diesem Sprachgewirr. Auch die vom damaligen Synchronking Rainer Brandt verantwortet Wiederaufführungsfassung stellte das Original nur bedingt nach, verzichtete aber immerhin nur noch auf sieben Minuten Film.

Kinowelt bietet nun eine neue deutsche Synchronfassung, die 2008 angefertigt wurde und die integrale Fassung des Films darstellt. Die Gerd Martienzen-Puristen müssen jedoch nicht auf die liebgewonnene Stimme des langjährigen De Funès-Sprechers verzichten: Die DVD beinhaltet alle drei Versionen. DREI BRUCHPILOTEN IN PARIS zeigt sich, egal in welcher Version, als immer noch erstaunlich sonnige Klamotte, die beherzt die Nazis als Opfer von Slapstick-Gags benutzt. Bemerkenswert ist auch der Aufwand, der hier betrieben wurde, vom grandiosen Beginn, der die unfreiwillige Landung der englischen Fallschirmspringer auf den Dächern von Paris zeigt, über die Jagd quer durch Frankreich bis zum großen Fliegerfinish. De Funès selbst fegt wie ein Tornado durch seinen großen Auftritt, er zieht die beliebten Register seines Könnens, als Schelm wie als Wüterich, und degradiert den sympathischen Bourvil in ihrer dritten Zusammenarbeit endgültig zum zuverlässigen Stichwortgeber. Der Riesenerfolg des Films beruht wohl nicht zuletzt auf der Vielfältigkeit der Komik, die vom Absurden bis zum Albernen reicht und sich sogar viel Zeit für eine Sequenz nimmt, in der wie im klassischen Boulevardtheater die Zimmertüren und Betten eines Bauernhauses verwechselt werden. Der versierte Komödienregisseur Gérard Oury, der viele Klassiker mit Louis De'Funès schuf, hat den ausladenden Abenteuerulk fest im Griff, wenn dem Film auch die gewisse Wildheit späterer De Funès-Filme abgeht. Highlight für Bewunderer des großen Meisters dürfte sein Auftritt als Dirigent sein, den De Funès drei Monate probte und dementsprechend bei den Dreharbeiten vom Orchester mit begeistertem Applaus bedacht wurde.

Neben DREI BRUCHPILOTEN IN PARIS finden sich in der Box noch zwei Filme, die eher zum Nebenwerk des Komikers gehören. QUIETSCH... QUIETSCH... WER BOHRT DENN DA NACH ÖL ist eine frühe Zusammenarbeit mit Jean Girault, dem anderen Stammregisseur von De Funès. Bei dem Film handelt es sich um eine typische Farce, wie es sie in den frühen 60er Jahren in Europa häufig zu sehen gab, und in der De Funès als Börsenhai auf sehr begrenztem, ja theaterhaften Raum (seinem Haus) eine vorläufige Version des später verfeinerten arrivierten Cholerikers geben darf. Der Film ist nicht unsympathisch, aber etwas verstaubt (wenn es frivol werden soll, tritt eine Sambatänzerin auf) und läßt De Funès geradezu ältlich wirken (insbesondere im Vergleich zu den besonders virilen 70ern). Sehenswert ist vor allem eine sehr junge Mireille Darc.

Der dritte Film, FÜNF GLÜCKSPILZE, stammt wie QUIETSCH... QUIETSCH... aus dem Jahr 1963. Es handelt sich um einen Vertreter des eher glücklosen Subgenres "Episodenfilm", und auch dieser ist keine Ausnahme. Obwohl u.a. von Philippe De Broca inszeniert, sind die fünf Geschichten rund um Fortunas Wirren alles andere als aufregend. Die Episode mit Louis De Funès ist noch die unterhaltsamste (auch hier saß Jean Girault am Ruder), aber an sich ist der Film eher verzichtbar.

DVD.
Böse Zungen könnten Kinowelt Geldschneiderei unterstellen, da sich das Gros der Käufer wohl auf DIE GROSSE SAUSE freut, der außerhalb der Box nicht erhältlich ist. Doch muß man Kinowelt zugute halten, daß es sich um eine sehr liebevolle Veröffentlichung des Films handelt, die auch die Anschaffung der gesamten Box rechtfertigt. Das Bild sieht grandios aus, und auch der Ton kommt klar und knackig. Die Synchronfassungen sind allesamt hörenswert, die Neufassung mit Michael Pan als De Funès nimmt die Vorlage deutlich ernster als die alten Versionen. Die Rainer Brandt-Fassung kommt gewohnt lässig daher, allerdings wirkt ausgerechnet Gerd Martienzen im Vergleich zur ersten Fassung etwas gebremst. Arnold Marquis macht als Bourvil in beiden Versionen Freude. Mit dabei noch ein Trailer, eine Fotogalerie, der damalige Werberatschlag als PDF und ein Aushangsatz. QUIETSCH... QUIETSCH kann man sich auch als Farbfassung ansehen. Ich weiß nicht, warum man das tun sollte, muß doch die schön kontrastreiche Schwarzweißfotografie damit geradezu psychedelischen Farben weichen. Ein Trailer ist auch dabei, wie auch bei FÜNF GLÜCKSPILZE, der darüber hinaus noch eine Fotogalerie zu bieten hat.

Die Verpackung ist Geschmackssache. Mir gefällt das sehr gediegene Design nicht, hat man doch eher den Eindruck, einer Heinz Erhardt-Box aufgesessen zu sein oder das Teil neben Holzelefanten und Beethoven-Büste positionieren zu müssen.








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