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KAPITELWAHL

ALLEIN GEGEN DIE MAFIA - DIE KOMPLETTE 2. STAFFEL (Italien/Frankreich/Großbritannien/Deutschland 1985)

von Björn Lahrmann

Original Titel. LA PIOVRA 2
Laufzeit in Minuten. 360

Regie. FLORESTANO VANCINI
Drehbuch. ODILE BARSKI . ENNIO DE CONCINI
Musik. ENNIO MORRICONE
Kamera. NINO CELESTE
Schnitt. ENZO MENICONI
Darsteller. MICHELE PLACIDO . FRANÇOIS PÉRIER . JACQUES DACQMINE . MARTIN BALSAM u.a.

Review Datum. 2010-12-27
Erscheinungsdatum. 2010-10-07
Vertrieb. KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 1.33:1
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der Krake greift aus. Von Sizilien aufs italienische Festland, nach Rom, in die Schweiz, bis Amerika. Ein Fangarm ist noch frei, den Erzählfaden aufzugreifen aus der ersten Staffel, wir erinnern uns: Commissario Corrado Cattanis donquichottischer Kampf gegen die Cosa Nostra war auf brutale Weise persönlich geworden, die Ehe in Scherben, die Tochter entführt und geschändet. Grund genug, nachtragend zu sein. Das Sequel bohrt weiter in den Wunden, die Eltern ihren Kindern zufügen, auch im übertragenen Sinne: Cattanis väterlicher Mentor Sebastiano Cannito (Jacques Dacqmine) - zuvor bloß undurchsichtige Randfigur, jetzt als Geheimdienstchef mit Mafia-Connections enthüllt - wird näher beleuchtet, wie überhaupt alles Schattig-Nebulöse des Vorgängers unangenehm hell und scharf in den Blick gerät.

Betrieben wird, anders gesagt, Präzisierungs- und Profanierungsarbeit am Mythos Mafia. Wer gehört dazu, was führen sie im Schilde? Die Gruppe um den echsenhaften Anwalt Terrasini (François Périer), der auch Cannito angehört, ist nach Rom übersiedelt, dort hält man konspirative Kaffeekränzchen und Dinner im schicken Ambiente. Über ihre Machenschaften erfährt man gerade genug, um zu wissen: das Übliche halt. Die Stichworte knurrt Martin Balsam als amerikanischer Investor dazwischen: "weapons", "business", "money". Je breiter aber der Fokus, desto einschätzbarer der tote Winkel; das Gefühl allgegenwärtiger Bedrohung im Nacken, das den ersten Durchgang von ALLEIN GEGEN DIE MAFIA prägte, ist weitgehend verpufft, das provinzielle Gewaltproletariat ersetzt durch mausgraue Anzugträger-Kriminalität. Ungehobeltes und also schillerndes Personal findet sich nur noch an der äußersten Peripherie: eine ephebenhafte Gespielin, ein Klatschreporter mit Zahnruine.

Andererseits: Man staunt nicht schlecht über die Zumutungen, die die Macher ihrem Publikum damals zu schlucken gaben. Ortswechsel, Perspektivverschiebung, dazu ein unerhört rücksichtsloser Figurenkahlschlag bereits in Folge 1: Der angeblich so seriell durchschulte Zuschauer von heute läge wimmernd in der Ecke. Wie hier bewährten Mustern ausgewichen, das etablierte Erzählgefüge gleichsam auf links gedreht wird, ist wahrlich nichts für aristotelische Gewohnheitstiere: Nachdem Cattani sich (geleitet von einem fühllosen Pragmatismus, der psychologische Drehbuch-Standards ziemlich hart auflaufen lässt) das Vertrauen der Gruppe erschlichen hat, nimmt er der Mafia gegenüber im Grunde selbst eine mafiöse Position ein: desjenigen nämlich, der, jenseits aller Gesetze stehend, mit falschem Lächeln das Messer in der Tasche aufgeklappt hat. Dass Michele Placido besser zürnt als liebkindtut und mit zerwühlten Haaren besser aussieht als mit gescheitelten, ist eine andere Sache.

Große Veränderungen auch hinter den Kulissen: Damiano Damiani hat den Regieposten geräumt, seine Stelle übernimmt Florestano Vancini, ein fähiger Ersatzmann aus der zweiten Reihe, der allerdings den Schatten und das Barocke nicht liebt und auch sonst einen etwas prosaischeren Ansatz verfolgt. (Sein rares Hauptwerk DER MORDFALL MATTEOTTI hat, nebenbei bemerkt, eine unfassbare Besetzung: Neben Franco Nero und dem dicken Gastone Moschin tritt Mario Adorf als Mussolini auf, dazu Vittorio De Sica und Damiani höchstpersönlich!) Schmerzhafter ist der Verlust von Riz Ortolanis magischem Soundtrack, den Ennio Morricone mit mondäner, oberflächlicher Geschäftigkeit zu kontern sucht. Die weite Welt tut dem Konzept nicht gut; als hätte man der Serie die Ventile geöffnet, entweicht der Druck des organisierten Verbrechens, schrumpft sein Terrorvolumen. Erst das fulminante Finale findet zu altem Killerinstinkt zurück und ebnet der dritten Staffel einen Weg auf unbekanntes, gefährliches Terrain. Hoffen wir das Schlimmste.

DVD.
Erneut geht die DVD allenfalls als getreue Reproduktion der Fernsehausstrahlung durch, inklusive Recaps, deutschen Titeleinblendungen, grob verrauschtem Bild - und leider auch diversen Schnitten, sobald es mal ein bisschen rabiater zugeht. Die Synchro kann sich mit Ausnahmen (der deutsche Balsam ist z.B. kein ebensolcher für die Ohren) hören lassen, nicht, dass man die Wahl hätte.
Als willkürliches Bonusmaterial fungiert wiederum ein Mix vom Pilotfilm-Wühltisch.








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