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KAPITELWAHL

TEKKEN (USA/Japan 2009)

von André Becker

Original Titel. TEKKEN
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. DWIGHT H. LITTLE
Drehbuch. ALAN B. MC ELROY
Musik. JOHN HUNTER
Kamera. BRIAN J. REYNOLDS
Schnitt. DAVID CHECEL
Darsteller. JOHN FOO . CARY-HIROYUKI TAGAWA . LUKE GOSS . GARY DANIELS u.a.

Review Datum. 2010-12-25
Erscheinungsdatum. 2010-09-24
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Abgesehen von Mortal Kombat und Streetfighter waren, retrospektiv betrachtet, nur wenige Beat'em-up Videospiele derartig erfolgreich wie Tekken. Während die Erstgenannten relativ fix verfilmt wurden und jeweils eine Fortsetzung nach sich zogen, ließ eine detailgetreue Verfilmung der millionenfach verkauften Prügelorgie lange Zeit auf sich warten. In Hong Kong versuchte Regisseur Andrew Lau (INFERNAL AFFAIRS), gemeinsam mit Action-Director Yuen Kwai (THE TRANSPORTER) zwar schon den Stoff mit AVENGING FIST für die große Leinwand umzusetzen, aber einerseits wurden dabei nur wenige Elemente der Originalstory aufgegriffen und andererseits fiel das Endergebnis dermaßen miserabel aus, dass der Film an dieser Stelle nicht weiter erwähnt werden soll.

TEKKEN von Dwight H. Little kann daher mit gutem Gewissen als die erste richtige Videospielverfilmung des Namco Games bezeichnet werden. Und unerwarteter Weise entpuppt sich die amerikanisch-japanische Co-Produktion sogar als ziemlich unterhaltsamer Actionstreifen mit sauber choreographierten Fights und einer erstaunlich fokussierten inszenatorischen Herangehensweise.

In der nahen Zukunft kontrollieren nicht mehr souveräne Staaten die gesellschaftliche Ordnung, sondern mächtige Großkonzerne. Um die revolutionsanfälligen Massen im Zaum zu halten veranstaltet der Mishima Zaibatsu Konzern, an dessen Spitze der despotische Heihachi Mishima (Cary-Hiroyuki Tagawa) steht, ein groß angelegtes Kampfsportturnier mit Namen Tekken. Mehr oder minder durch Zufall gerät der junge Kämpfer Jin Kazama (John Foo) ebenfalls in das Turnier und wird fortan zum Publikumsliebling sämtlicher sozialen Schichten. Im Verlauf des Wettbewerbs muss er allerdings nicht nur erkennen, dass der Konzern die gesamte Bevölkerung unterjocht und die soziale Ungerechtigkeit weiter vorantreiben wird, sondern auch dass Mishima seine Mutter auf dem Gewissen hat. Ein unerbittlicher Kampf auf Leben und Tod beginnt.

Regisseur Dwight H. Little (MARKED FOR DEATH, RAPID FIRE) wusste anscheinend ziemlich genau, was die Fans des Videospiels von einer Verfilmung erwarten. TEKKEN greift eine Vielzahl der Originalcharaktere des Spiels auf und hetzt sie in einem düsteren Zukunftsszenario irgendwo zwischen ESCAPE FROM L.A und RUNNING MAN in zahlreichen rasant inszenierten kämpferischen Auseinandersetzungen aufeinander. Ohne große Umschweife jagt der Regieveteran die Protagonisten fast schon im Minutentakt von einer Actionszene in die Nächste. Die Martial-arts Choreographie verzichtet dabei glücklicherweise auf allzu ausufernde technische Spielereien und bleibt auf angenehme Weise auf dem Boden der Tatsachen. Die Kämpfe sind stets übersichtlich gefilmt und die Kamera hält die nötige Distanz, um die flüssigen Bewegungen adäquat einzufangen. Die Energie und Dynamik aktueller thailändischer Martial-arts Reißer wird zwar in keiner Sekunde erreicht, aber für einen mit westlichen Geldern produzierten Film sind die Kampfszenen mehr als ordentlich. Auch das Setting kann sich sehen lassen. In einigen Szenen wird zwar deutlich, dass kein zweistelliges Millionenbudget zur Verfügung stand, aber alles in allem wurde das Budget äußerst effizient eingesetzt.

Der perfekte B-Film ist TEKKEN allerdings doch nicht geworden, denn das größte Manko ist ausgerechnet der unglücklich besetzte Hauptdarsteller. John Foo kann zwar rein kämpferisch überzeugen und auch seine athletischen Fähigkeiten lassen wahrlich nichts zu wünschen übrig, aber als Hauptfigur taugt er nun mal herzlich wenig. Leider fehlt dem Film dadurch das Zeug zu einem richtigen Knaller. John Foo sieht aus wie der nette Junge von Nebenan und wäre rein äußerlich besser in einer Soap-Opera aufgehoben, als in einem harten Actionfilm. Da sich zudem seine schauspielerischen Leistungen stark in Grenzen halten schafft es der Film nur selten das nötige Mindestmaß an Interesse für seine Hauptfigur zu erzeugen. Man fiebert einfach nicht mit ihm mit und gerade der Mangel an Identifikationspotential führt dazu, dass der Ausgang der Kämpfe zur Nebensächlichkeit verkommt. TEKKEN überzeugt durch gelungene Choreographien, wirklich spannend sind die Kämpfe aber nie.

Es muss dem Film allerdings zugute gehalten werden, dass die Fights durchaus abwechslungsreich inszeniert wurden und somit keine Langeweile aufkommt. Es wird sowohl mit, als auch ohne Waffen gekämpft und um das Ganze aufzulockern werden vereinzelt Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen eingestreut. Weiterhin macht der Film in den Kampfszenen stets deutlich mit welchem Stil gekämpft wird und welche unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander antreten. Insbesondere die Vielzahl unterschiedlicher Stile dürfte daher die Martial-arts Fangemeinde zufrieden stellen und für glückliche Zuschauer sorgen. Für Freude sorgen auch die fulminanten Auftritte von Gary Daniels als, im wahrsten Sinne des Wortes stahlharter, Cyborgkämpfer. Obwohl es Mitte der Neunziger kurzzeitig danach aussah, blieb Daniels der große Durchbruch im Actionsektor verwehrt und zuletzt sah man ihn nur noch in unbedeutenden Nebenrollen wie in der Steven Seagal Gurke SUBMERGED. In TEKKEN kann der Brite aber noch einmal zeigen, dass er nicht zum alten Eisen gehört und man auch in Zukunft auf ihn zählen kann.

Insgesamt gesehen reiht sich TEKKEN in die Reihe gelungener Videospielverfilmungen wie MORTAL KOMBAT und STREETFIGHTER ein. Die Story passt natürlich auf einen Bierdeckel und manche Dialoge sind wirklich haarsträubend dämlich, aber Dwight H. Little wollte höchstwahrscheinlich nur einen unterhaltsamen Actionstreifen für die Fans des Videospiels und das Videothekenpublikum drehen. Das hat er eindeutig geschafft und trotz kleiner Mankos kann dementsprechend durchaus eine Empfehlung ausgesprochen werden.

DVD.
Bild und Tonqualität bieten den, gewohnt hochwertigen, Standard aktueller DVD Veröffentlichungen. Die Farben sind schön kontrastreich und hoch aufgelöst und die erstklassigen Soundeffekte kommen vor allem in den unzähligen Actionszenen voll zur Geltung. Bei einem Kauf der DVD bzw. Blu-ray sollte allerdings aufgepasst werden, denn neben der ungekürzten KJ Fassung wurde auch noch eine jugendfreie Version vom Verleiher veröffentlicht.








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