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SUBMERGED (USA 2005)

von Hasko Baumann

Original Titel. SUBMERGED
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. ANTHONY HICKOX
Drehbuch. PAUL DE SOUZA . ANTHONY HICKOX
Musik. GUY FARLEY
Kamera. DAVID BRIDGES
Schnitt. MICHAEL JOHN BATEMAN . ALAIN JAKUBOWICZ
Darsteller. STEVEN SEAGAL . CHRISTINE ADAMS . VINNIE JONES . GARY DANIELS u.a.

Review Datum. 2005-06-09
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Ach ja, Seagal. Dreht eine Gurke nach der anderen, zehn Stück in vier Jahren oder so. Bei einem solchen Output muß man sich schon fragen, warum er sich das überhaupt zumutet, so lustlos wie er durch all diese Streifen latscht. Meistens sitzt er rum, möglichst im Halbdunkel, um die immense Fettleibigkeit zu kaschieren, wedelt in den Kampfszenen allenfalls mit den Unterarmen (die Oberarme scheinen angeklebt zu sein) und wird zu allem Überfluß auch noch in weiten Teilen nachsynchronisiert. Wie mies muß da eigentlich seine eigene Leistung sein, wenn das nötig wird? Die Dialogszenen in SUBMERGED, ganz einfache Schuß-Gegenschuß-Nummern, sind so unfaßbar mies geschnitten, daß einem die Augen bluten. Seagal liefert offensichtlich so wenig brauchbare Takes ab, wenn er denn mal am Set erscheint (mehr gedoublet wird wohl derzeit kein anderer Darsteller), daß der bemitleidenswerte Regisseur verzweifelt um die gröbsten Patzer herum schneiden muß. Und dabei hat Seagal dieses Mal mit Anthony Hickox wenigstens einen rangelassen, der grundsätzlich was kann, zumindest mehr als Totalversager Marke Oblovitz (THE FOREIGNER, OUT FOR A KILL).

Leider leistet auch Hickox mit SUBMERGED den Offenbarungseid. Die Hose hängt schon in den Kniekehlen, als nach einem völlig unpassenden Vorspann (für "An Anthony Hickox Flick" sollte es was auf die Schnauze geben), der wohl zu einem ursprünglich angedachten Horrorfilm gehört, ein herzallerliebstes Modellflugzeug durchs Bild wackelt. Schon nach zehn Minuten weiß man, daß man sich hier zusammenhangloses Stückwerk reintun muß. Einen einheitlichen Look oder gar Inszenierungsstil gibt's vielleicht nebenan beim Bäcker, aber nicht in diesem Durcheinander. Gary Daniels sitzt vor einer Rückprojektion, die man in den 40ern schon als zu schlecht abgelehnt hätte, und für Aufnahmen eines Flugzeugträgers wird auf Archivmaterial zurückgegriffen. Dabei ist es Hickox völlig Wurst, daß es sich dabei um verschiedene Schiffe handelt. Als man ahnt, daß es hier gegen einen Mad Scientist geht, der durch Gehirnwäsche Leute sozusagen auf Knopfdruck für seine Zwecke umpolen kann, tritt auch schon Seagal auf. Zu Schweinerock, den wahrscheinlich 80jährige für brettig und modern halten, stampft der frühere Handkantenmeister - nach dem schmaleren Äußeren in INTO THE SUN dann doch lieber wieder doppelt Käse auf die Pizza gelegt - das Licht verdunkelnd auf die Kamera zu. Mit seinem Spezialteam soll Stevie den bösen Jungs den Garaus machen. Seagal murmelt im Halbdunkel vor sich hin und spricht mit vielen Stimmen. Zu seiner Crew gehört auch ein ca. 22jähriges Model im Exploited-T-Shirt, die uns als Spezialagentin verkauft wird und doch gerade mal ihrer Funktion als Wichsvorlage gerecht wird. Sie sagt über Seagal "I've known Cody for a long time", womit dann wohl die Zeit im Laufstall gemeint ist.

Nach unübersichtlichem Geballer, in dem Seagal sich mühsam durchs Gefecht wuchtet, befindet man sich plötzlich auf einem U-Boot. Warum wir da sind und wo wir hin wollen, das möge Basis zukünftiger Diskurse rund um die Rätsel dieser Erde sein. Wer gut war, wird jetzt böse, und schon geht das Gekloppe los. Da wird es dann auch Zeit für das ersehnte Aufeinandertreffen von Daniels und Seagal, aber das geht Ruckzuck und wird in der Ausführung von Doubles erledigt, miteinander gekämpft wird nicht. Plötzlich ruft Seagal völlig unmotiviert und ungewohnt leidenschaftlich die Worte "Cocksucker Motherfucker!" Ich bin mir 100% sicher, daß Hickox bei einem der üblichen Wutausbrüche Seagals - wahrscheinlich hat das falsche Callgirl den Tee in seinen Wohnwagen gebracht - die Kamera hat laufen lassen und nachher dankbar war, überhaupt was halbwegs Bewegtes zu haben. Nämlich "Cocksucker Motherfucker!"

Wer sich auf eine zünftige Gruselrunde im U-Boot gefreut hat - schließlich heißt der Film ja auch SUBMERGED - guckt in die Röhre, das Ding fliegt nämlich in die Luft (wer CRIMSON TIDE gesehen hat, kennt auch die Explosion schon). Das wars mit "Sub". Weiter geht's in Uruguay, und was vorher schon an Frechheiten geboten wurde, wird jetzt getoppt. Gedreht wurde nämlich in Bulgarien, und Bulgarien spielt die Rolle von Uruguay so überzeugend wie es Seagal als Bulimiker tun würde. Ein Gebäude wird mit einem lausigen Papierschild als "Nationaloper von Montevideo" deklariert, was ja nun auch totaler Schwachsinn ist, denn wenn schon national, dann doch wohl Uruguay! Na was soll's, Seagal besucht die Oper in seinem üblichen weit geschnittenen Kaftan und geht auch ohne Smoking glaubhaft als neuer US-Botschafter durch, ist doch gar keine Frage. Währenddessen rast der Rest seines Teams in einer teils ganz ordentlichen Autojagd, bei der sich die Geschwindigkeit der Wagen allerdings ruckartig ändert, durch Sofia, Verzeihung, Montevideo. Der abstoßende Vinnie Jones haut einen Typen zu Klump, und Seagal vereitelt ein Attentat in der Oper. Danach rutscht Hickox' Fuß plötzlich aufs Gaspedal, und auch Seagal kommt in Bewegung! Ein Hubschrauber kreist am Boden, Seagal ballert sich in einer MATRIX-Gedächtnissequenz durch ein Foyer, springt mit der Waffe durch den Detektor und es macht "piep", und dann kommt auch noch ein Fight: Zwar ist der Bildausschnitt so klein, daß hier jeder rumfuchteln könnte, aber es geht hart und zackig zu, und dann ist die Sause durch.

Ich kann nur vermuten, wie schwierig es für einen Regisseur sein muß, mit Seagal zu arbeiten. Wahrscheinlich macht er nicht viel, kommt selten und wenn, dann nicht pünktlich, und dann nuschelt er auch noch so, daß es Synchronbedarf gibt, und wenn jemand Kritik übt, setzt es ein "Cocksucker Motherfucker". Das ist allerdings keine Entschuldigung für den hektischen Mist, den sich Hickox hier erlaubt. Affige speed changes, jump cuts und Rumgestrobe zeugen vom kreativen Supergau. SUBMERGED wirkt in manchen Teilen ganz zünftig, gleitet dann aber sofort wieder in übelsten Billigschrott ab. Man hat hinterher das Gefühl, man hätte was falsches gegessen.

Der kurzzeitige relative Auftrieb mit BELLY OF THE BEAST und INTO THE SUN ist wieder vorbei, alle zurück auf Los. Von vergangenen Großtaten Stevies sind wir immer noch Lichtjahre entfernt. Aber es kommen ja in den nächsten zwei Jahren mindestens sechs weitere Highlights auf uns zu. Ich freu mich schon. Cocksucher Motherfucker!











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