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KAPITELWAHL

THE TREASURE HUNTER (Taiwan 2009)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. CI LING
Laufzeit in Minuten. 101

Regie. CHU YEN-PING
Drehbuch. IVY HO SAI-HONG
Musik. RICKY HO
Kamera. XIAO-DING ZHAO
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. JAY CHOU . CHILING LIN . ERIC TSANG . DAOMING CHEN u.a.

Review Datum. 2010-12-10
Erscheinungsdatum. 2010-08-27
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . MANDARIN (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Eine Schatzkarte erzählt von einem Schatz in einer Gruft unter chinesischem Wüstenboden, beschützt von einer Armee mysteriöser schwarzer Reiter. Der rechtschaffene Abenteurer Ciao Fei (der taiwanische Popstar Jay Chou) ist im Besitz der Karte, muss sie aber einer Gaunerbande überlassen, um seine entführte Kindheitsfreundin, die Abenteuerschriftstellerin Lan Ting (Chiling Lin aus RED CLIFF), freizupressen. Gemeinsam machen sie sich auf, den Gaunern zuvorzukommen, bisweilen unterstützt und bekämpft von den mysteriösen Wüstenreitern und einem noch mysteriöseren Wüstenkämpfer.

Ist THE TREASURE HUNTER ein panasiatischer Event-Kino-Filmfilm mit jungen und älteren Top-Stars aus mindestens drei Ländern, oder ist THE TREASURE HUNTER eine von vielen deutschen DVD-Premieren, die helfen, die Zeit zwischen Abendbrot und Einschlafen ohne weitere Vorkommnisse zu überbrücken? Ist man der ersten, richtigen Auffassung, dann ist der Film tatsächlich die Frechheit, die internationale Kritiker und asiatische Kinogänger hier selten einhellig sehen. Vertritt man die zweite, ebenfalls richtige Meinung, könnte man sich fragen: Woher all der Hass? Als High-Concept-Blockbuster versagt THE TREASURE HUNTER. Die Story verdient keinerlei Aufmerksamkeit. Die Darsteller haben wenig Chemie. Das Drehbuch lässt sie aber auch nicht, denn es hält seine Charaktere seltsam auf Distanz zueinander. Halbwegs interessante Nebenfiguren wie Ciao Feis kampfeslustige Schwester werden zu spät eingeführt und zu früh verabschiedet oder kommen anderweitig zu kurz. Mit den anderen Elementen der Geschichte kann das Skript ebenso wenig anfangen. Es wirkt, als hätte man die erste Rohfassung direkt nach dem Brainstorming verfilmt: "Wir hätten gerne: Ritter; Cowboys; gruselige Reiter mit Totenkopfmasken; einen Mumien-Typen, der irgendwas Cooles mit Bandagen macht; einen Sandsturm, oder mehrere; ach ja, und Zombies. Und das alles als Western. Nein, Eastern. Nein, doch Western. Am besten einfach einen Abenteuerfilm. Oder Fantasy. Aber mit Horror. Und Hauptsache lustig." Die Elemente kommen nicht zusammen, insbesondere die humoristischen Einlagen funktionieren exakt nie. Ein Hongkong-Schlachtross wie Eric Tsang als lustigen Dicken zu besetzen, weil er ein lustiger Dicker ist, zeugt zwar von einem gewissen Traditionsbewusstsein, aber spätestens seit den INFERNAL AFFAIRS-Filmen sollte auch der Letzte begriffen haben, dass Tsang mehr kann als dick und lustig. Hier zeigt er leider noch weniger.

So ist der Film immer dann, wenn gerade keine Akrobatik geboten ist, komplett langweilig. Gottlob ist aber Akrobatik in wohldosierten Mengen geboten. Ein Action-Feuerwerk ist THE TREASURE HUNTER nicht, und kreativ hat sich Choreograf Ching Siu-Tung (HERO, DORORO) auch nicht gerade selbst übertroffen. Aber die Kampfszenen und sonstigen Stunts sind flott und pfiffig und kommen immer rechtzeitig, wenn der Film Gefahr läuft, gar nicht mehr zu interessieren. Die Kamera von Xiao-Ding Zhao (HOUSE OF FLYING DAGGERS) holt aus den wüsten Schauplätzen ein befriedigendes Mindestmaß an Atmosphäre heraus. Auch da wäre sicherlich mehr drin gewesen, aber ansehnlich ist seine Arbeit allemal. Genauso sind die Spezialeffekt zeitgemäßer Standard, weder weniger noch mehr. Möglicherweise hat das Pantoffelkino ihnen gegenüber mehr Gnade als der Imax-Zirkus.

THE TREASURE HUNTER fährt komplett auf Autopilot. Das ist nicht die aufregendste Art zu reisen, aber man kommt ans Ziel. Der Film vertreibt die Zeit, und zwar - wenn auch knapp - eher recht als schlecht. Er hätte nicht sein müssen. Aber es ist nicht weiter schlimm, dass es ihn gibt.

DVD.
Bild und Ton sind vom Feinsten, die deutsche Synchronisation ist wie der Film: grenzwertig, aber noch akzeptabel. Das einzige nennenswerte Extra ist ein nicht weiter nennenswertes Making-of mit immerhin schönen Gesangseinlagen. Ein Musikvideo entpuppt sich nach alter asiatischer Tradition als Aneinanderreihung von Filmausschnitten in Zeitlupe.








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