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KAPITELWAHL

DER FANTASTISCHE MR. FOX (USA 2009)

von Robert Zetzsche

Original Titel. FANTASTIC MR. FOX
Laufzeit in Minuten. 87

Regie. WES ANDERSON
Drehbuch. WES ANDERSON . NOAH BAUMBACH
Musik. ALEXANDRE DESPLAT
Kamera. TRISTAN OLIVER
Schnitt. RALPH FOSTER . STEPHEN PERKINS . ANDREW WEISBLUM
Darsteller. GEORGE CLOONEY . MERYL STREEP . JASON SCHWARTZMAN . BILL MURRAY u.a.

Review Datum. 2010-10-15
Erscheinungsdatum. 2010-09-17
Vertrieb. 20TH CENTURY FOX

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . ITALIENISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . ITALIENISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Das eigentlich Geniale an DER FANTASTISCHE MR. FOX ist ja, dass Wes Anderson sich in einer Zeit, in der kinderfixierte Filme - die guten wie die blöden - mittlerweile komplett auf computergenerierte Plaste-Grafiken und Vollanimation setzen, eben für eine Trickfilmmachart entschieden hat, die der CGI-Technik nahezu diametral gegenübersteht. Während handgezeichnete Animationsfilme zwar ebenfalls einen patina-warmen, handgemachten Charme mit sich bringen, wirkt die Stop-Motion-Technik dank der inherent leicht hölzernen - egal, wie man sich auch anstrengt - Bewegungen der Charaktere sogar noch ein wenig vergangenheitlicher. In DER FANTASTISCHE MR. FOX wirkt das weder störend noch deplatziert. Eher im Gegenteil - zusammen mit der warmen, herbstlichen Farbwahl entsteht eine Anderson-Filmen eigene, sentimentale Grundstimmung.

Aus seinem Schaffenskatalog bringt Anderson außerdem seine Vorliebe für trockenen, geistreichen Humor und etwas schwierige Familienverhältnisse (siehe DIE ROYAL TENENBAUMS, DIE TIEFSEETAUCHER) in den Film ein: Nicht nur, dass Mr. Fox (gesprochen von George Clooney) die naiven Bemühungen seines Sohnes Ash (Jason Schwartzman)- dessen inadäquates Selbstbild durch den Besuch seines in jedem Belang überlegenen Cousins Kristofferson (Eric Anderson) sowieso schon leidet - um Anerkennung völlig ignoriert, mit dem Einbruch bei den Großbauern Boggis, Bunce und Bean bricht er zudem das zwölf Jahre währende Versprechen gegenüber seiner Frau (Meryl Streep), mit dem gefährlichen Leben als Hühnerdieb abzuschließen.
Die so um Hintergrundgeschichten und Nebenschauplätze erweiterte Originalvorlage gewinnt dadurch um einiges an Tiefe, was die die fabelhafte aussehende Welt aus Watte-Rauch und Stoffbäumen noch ein Stück weit echter und glaubhafter wirken lässt. Die Modifizierungen - ein neues, über das Original hinausgehende Ende eingeschlossen - ändern aber nichts an Charme und Aussage von Dahls Geschichte über Natürlichkeit und das Meistern von Lebensumständen.

Gleichzeitig haben Mr. Fox und Familie durch diese Freiheiten den nötigen Raum, ihre Probleme auf etwas hippere Art und Weise zu lösen. Wenn Mr. Fox mit seinem Kumpel Opossum zu seinen Raubzügen aufbricht, erinnert das zum Beispiel nicht nur dank George Clooneys Synchronstimme an OCEAN'S ELEVEN. Glücklicherweise verdampft der Film aber nicht zu einem Stakkato von Popkulturreferenzen und Zitaten - ein oft gewählter Weg, in Kinderfilme auch etwas für die begleitenden Erwachsenen einzubauen. So ein Manöver wird hier aber gar nicht benötigt, schließlich ist der Film so erwachsen wie Andersons bisherige Werke. Sowohl Ashs Probleme als auch die seiner Eltern (Mr. Fox verliert - Freud lässt grüßen - recht früh im Film seinen buschigen Schwanz, der fortan einem der Bauern als Trophäe dient) werden durchaus ernst genommen - wenn auch stets mit einem distanzierendem Augenzwinkern, das FANTASTIC MR. FOX so sympathisch und zugänglich macht.

Sympathie ist sowieso ein Wort, das die Anziehungskraft des Films ganz gut beschreibt. Neben dem liebenswerten, nicht enden wollenden Optimusmus selbst in den auswegloseren Situationen verdankt er das zum Großteil der Kreativität und der Detailliebe in der Animation. Dazu zählen auch viele kleine, visuelle Gags, die kaum länger als eine Sekunde dauern und oft am Rande des Geschehens stattfinden. Dieses hohe Tempo ist es aber auch, das DER FANTASTISCHE MR. FOX ein bisschen zur Last fällt. Bei der Laufzeit von unter 85 Minuten blieb kaum Zeit, um mehr als einen schemenhaften Umriß um die Charaktere zu ziehen. Anderson macht das mit seinem Repertoire an cineastischen Raffinessen ein wenig wett, abgesehen von einer brillianten Wolfsbegegnung setzt er aber letztendlich eher darauf, Situationen schaffen, die man mit Emotionen assoziiert, als diese Emotionen tatsächlich selbst hervorzurufen. Immerhin wirkt er dabei nicht offen manipulativ.

Das Urteil "fantastisch", das angesichts des Titels und einem persönlichem Hang zu offensichtlichen Wortwitzchen wunderbar passen würde, wäre unter diesen Gesichtspunkten deswegen nicht gerechtfertigt. Dafür macht es sich der Film im Schlussteil zu einfach, zaubert den lange verweigerten Familien- und Lebensfrieden zu plötzlich her und kollidiert so mit dem Rest des Films, der deutlich nachvollziehbarer abläuft. DER FANTASTISCHE MR. FOX wäre aber selbst ohne Handlung sehenswert, schließlich fungiert die Entscheidung für Stop-Motion-Animation nicht nur als Konträrprogramm zum Digitaltrend, sie sorgt vor allen Dingen für wunderschöne, selten gesehene Bilder.

DVD.
Weder Bild noch Ton lassen Wünsche offen (zumindest keine, die nicht vom Griff zur Bluray-Fassung gestillt werden könnten), im Bereich der DVD-Extras wäre aber mehr möglich gewesen. Zwar liefert man mit "Das Design des Films" eine über siebenminütige Making-Of-Dokumentation, die die Entstehung des Films vom Schreibprozess bis zum Basteln von Bäumen im Hintergrund abdeckt, angesichts des ungewohnten Entstehungsprozesses wäre ein größerer Fokus auf die Stop-Motion-Animation (gerne mit Fotos vom Set) aber sicher interessanter gewesen als die zweite Dokumentation, die sich mit den Synchronsprechern befasst. Der dritte Menüpunkt des Extra-Unterbereichs ("Schmetterkrachen für Anfänger") spult lediglich eine kurze (wenn auch amüsante) Szene des Films ab.








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