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DIE TIEFSEETAUCHER (USA 2005)

von Hasko Baumann

Original Titel. THE LIFE AQUATIC
Laufzeit in Minuten. 118

Regie. WES ANDERSON
Drehbuch. WES ANDERSON . NOAH BAUMBACH
Musik. MARK MOTHERSBAUGH
Kamera. ROBERT D. YEOMAN
Schnitt. DAVID MORITZ
Darsteller. BILL MURRAY . ANJELICA HUSTON . WILLEM DAFOE . JEFF GOLDBLUM u.a.

Review Datum. 2005-02-17
Kinostart Deutschland. 2005-03-17

Steve Zissou ist eine nur wenig verklausulierte Jacques Cousteau-Parodie, gespielt von Bill Murray in einer schon eher verklausulierten Jacques Tati-Manier. Zissou gibt sich als Meeresbiologie, ist aber vielleicht nichts weiter als ein Filmer von Fischen. Ein Jaguarhai hat seinen besten Freund gefressen, und Zissou macht sich auf die Jagd nach dem sagenhaften Tier. Dabei wird er von einem Team von Pudelmützenträgern begleitet, die ihn allesamt weit mehr respektieren als sein aktuelles Umfeld, das sich zu weiten Teilen aus einer angestrengt schrägen Bestzung rekrutiert: Anjelica Huston gibt die unsympathische Ehefrau, Jeff Goldblum deren Ex-Mann, Cate Blanchett eine schwangere Journalistin und Owen Wilson den doofen Sohn. Willem Dafoe darf einen Deutschen mit den Namen Klaus Daimler spielen; ein Gag, als ob man in einem deutschen Film einen Ami "Henry Burgerking" nennen würde. Außerdem läuft noch Bud Cort durchs Bild, womit sich sein Auftritt in der Rubrik "Was macht eigentlich..." vorerst erübrigt. Als wäre diese Zusammenstellung nicht schon seltsam genug, gibt der Sänger und Schauspieler Seu Jorge ständig Bowie-Songs zum Besten, selbstverständlich auf portugiesisch, zur Gitarre; inhaltlich völlig unbegründet, aber das mußte wohl irgendwie noch mit rein.

Wes Anderson, sicherlich nicht zuletzt durch seine Ausstattungseinfälle oder aber die Kostüme in THE ROYAL TENEBAUMS zum Helden des bewußt verqueren Independentfilms geworden, hat erstmals Charaktere und auch Plot aus den Augen verloren. Die Tiefseewelt, die Zissou und Konsorten bereisen, ist gewollt künstlich und erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Realismus, was uns vielleicht sagen soll, daß Zissou selbst ein Fake ist, aber sein Schaffensbereich eben auch, was ihn dann wieder "echt" macht oder so ähnlich. Das Innere des U-Boots, klar als seitlich abfilmbarer 1:1-Aufbau erkennbar, wird wie ein besonders niedliches Puppenhaus abgefeiert. Anderson ist so begeistert von seiner Kulisse, daß er sich für seine Figuren über deren Exzentrizität hinaus gar nicht interessiert. Auch der Tonfall ist in höchstem Maße uneben, insbesondere der Piratenangriff liegt viel zu weit im Mollbereich. Die Konsequenz dieser Unverhältnismäßigkeiten: Langeweile macht sich breit.

Bill Murray, den ja plötzlich alle schon immer toll fanden (wo wart Ihr eigentlich zu Zeiten von THE RAZOR'S EDGE und MAD DOG AND GLORY?), trottet durch den Film in einer Rolle, die gänzlich ohne die Tiefe eines Bob Harris auskommen muß, und erzeugt seine Komik durch das Leid, das er darin empfindet, von all diesen Irren behelligt zu werden. Man wird allerdings den Eindruck nicht los, daß dieses Leid nicht nur in der Figur Zissou liegt. Anjelica Huston hat in Berlin verraten, sie habe THE LIFE AQUATIC beim ersten Sehen "nicht verstanden". Das ist sicherlich ein Problem mit den jungen und alten Regiestars des vermeintlich unabhängigen Kinos: Schauspieler sollten auch die Bücher von Anderson-, Altman- und Allen-Filmen erst einmal lesen, bevor sie aufgrund der Reputation der Regisseure blind zusagen. Unterm Strich bleibt THE LIFE AQUATIC ein weiterer Beweis dafür, daß "exzentrisch" nicht mit "lustig" gleichzusetzen ist.











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