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KAPITELWAHL

AUSGEQUETSCHT (USA 2009)

von Florian Lieb

Original Titel. EXTRACT
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. MIKE JUDGE
Drehbuch. MIKE JUDGE
Musik. GEORGE S. CLINTON
Kamera. TIM SUHRSTEDT
Schnitt. JULIA WONG
Darsteller. JASON BATEMAN . KRISTEN WIIG . MILA KUNIS . BEN AFFLECK u.a.

Review Datum. 2010-07-13
Erscheinungsdatum. 2010-07-15
Vertrieb. KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1/DD 2.0) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
In Kevin Smiths CLERKS. gibt es den unsterblichen Dialog zwischen Dante ("My girlfriend sucked 37 dicks!") und einem seiner Kunden ("In a row?"). Ähnlich, aber nicht ganz so rühmlich, baut BEAVIS AND BUTT-HEAD-Erfinder Mike Judge eine Szene in seine aktuelle Komödie AUSGEQUETSCHT ein. Hier gibt Jason Bateman das Arbeitstier, das von den Aktivitäten seiner Partnerin schockiert ist, als er erfährt, dass diese 15 Mal in wenigen Tagen mit dem vermeintlichen Pool-Jungen gevögelt hat. Die Szene wirkt nicht ansatzweise so lustig, wie die aus Smiths Feder, was zuvorderst daran liegt, dass es Judge nicht gelingt, dass dem Zuschauer seine Figuren, beziehungsweise singulär Bateman, ans Herz wachsen. Die Tatsache, dass dieser einen Gigolo bezahlt hat, sich als Pool-Jungen auszugeben, um die Treue seiner Ehefrau zu testen, ist dabei sekundär. Wo Judges in den USA kultig verehrte Bürokomödie ALLES ROUTINE noch von seinen Figuren lebte (allein John C. McGinley war Gold wert) und sein Nachfolger IDIOCRACY von demaskierender Brillanz ob des amerikanischen Bildungsstandes war, ist AUSGEQUETSCHT eine Bruchlandung, der man mit einer DVD-Auswertung fast noch zuviel der Ehre erweist.

Hier haben wir Joel (Jason Bateman), der einst Barkeeper war, was seine Freundschaft mit dem Junkie-Bartender Dean (Ben Affleck) erklärt, nicht aber, wie er es anschließend geschafft hat, seine eigene Fruchtsaftabfüllfirma zu gründen. Ein kurzer Dialog schiebt es später auf Fragezeichen beim Backen und Arbeiten im Chemie-Leistungskurs, doch wie so viele Charakterhintergründe in AUSGEQUETSCHT bleibt das Meiste im Dunkeln. Nun schlägt sich Joel mit seiner Firma und deren Arbeitern herum, dabei will er es doch eigentlich Abends nur vor 20 Uhr nach Hause schaffen, weil seine Frau Suzie (Kristen Wiig) dann in ihre Jogginghose schlüpft und Sex zum Tabuthema wird. Wie gerufen kommt daher ein Übernahmeangebot und die neue Aushilfe Cindy (Mila Kunis), die ein wenig versaut aussieht, wie Joel später gestehen wird - mit einigen Konsequenzen. Im Grunde unerhebliche Ergänzungen finden sich dann in der Tatsache, dass Cindy eine Trickbetrügerin ist, Joel und Suzie mit Nathan (David Koechner) einen ultranervigen Nachbarn haben und Gene Simmons rumlaufen darf wie...Gene Simmons.

Im Folgenden heißt das Todesurteil des Filmes dann: viele Köche verderben den Brei. Nach weniger als anderthalb Stunden hat der Zuschauer kaum etwas über eine der zahlreichen Figuren erfahren. Klar, "Step" (Clifton Collins Jr.) ist ein bisschen ein Hillbilly, aber warum er nie Floor Manager wurde oder weshalb er sich von Cindy so reinreden lässt, als diese ihn dazu animiert, Joels Firma zu verklagen, als er bei einem Unfall einen Hoden verliert, geschieht stets off screen. Genauso das Auseinanderleben von Joel und Suzie, von denen er gerne Sex haben würde, sie jedoch nicht will - zumindest bis der schwergeistige Pool-Gigolo Brad am Start ist, der aber nur so lange angesagt ist, bis Suzie merkt, dass sie Joel doch liebt. Von gänzlich überflüssigen Figuren wie J.K. Simmons Brian oder Ben Afflecks Dean ganz zu Schweigen. Letztere Charaktere zeigen lediglich, dass Simmons inzwischen alle seine Rollen mit derselben Mimik beherrscht und dass es nicht ausreicht ein Slacker zu sein, um einen solchen zu spielen (Brad Pitts Floyd aus TRUE ROMANCE bleibt unerreichbar).

Bateman, der außerhalb der Kult-Serie ARRESTED DEVELOPMENT in Filmproduktionen wie DEIN EX - MEIN ALBTRAUM oder UP IN THE AIR stets auf Nebenrollen beschränkt wird, darf sich hier als leading man austoben - mit geringem Erfolg. Speziell seine Chemie mit SMOKING ACES-Kumpan Ben Affleck überzeugt nicht, eher schon - wenn auch nur bedingt - das Spiel mit seinem JUNO-Kollegen Simmons. SNL-Veteranin Wiig darf ihr komödiantisches Potential sowieso nicht ausschöpfen und Kunis wirkt gänzlich verschenkt, was gerade in Bezug auf Judges narrativ-strukturellen Aufbau seines Filmes überrascht. Insofern verwundert es am Ende auch nicht, wie Judge versucht seine Geschichte Richtung Happy End zu lenken, was lediglich das letzte krude Manöver einer planlosen Fahrt ins Nirgendwo darstellt. Letztlich scheint hier der gute Ruf von Mike Judge ausgereicht zu haben, um Bateman mit einer Hauptrolle zu ködern, während dieser seine früheren Arbeitskollegen wie Kunis, Simmons und Affleck mit ins Boot holte. Das Resultat ist trotz seiner Kurzweiligkeit selten lustig (lediglich ein knapper Bateman-Affleck-Dialog erzeugt einen knappen Lacher) und verstörend orientierungslos. Weshalb allen Beteiligten gewünscht sei, dass sie demnächst wieder in etwas Überzeugendem mitspielen.

DVD.
Bild und Ton fallen überzeugend aus, speziell das Bild gefällt, wenn vom Blu-Ray-Spieler hochskaliert. Großartige Extras sucht man auf der DVD vergeblich. Es findet sich lediglich eine geschnittene Szene (Länge unter einer Minute) und ein paar erweiterte Szenen, in denen aber nur ein paar Sätze mehr auftauchen als in der Filmversion. Von Audiokommentaren oder Interviews hat Judge eh noch nie etwas gehalten, mit den hier vorhandenen Extras übertrumpft er jedoch immerhin das noch spärlichere Bonus-Material seiner vergangenen Filme.








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