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KAPITELWAHL

ROMY (Deutschland 2009)

von Hasko Baumann

Original Titel. ROMY
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. THORSTEN C. FISCHER
Drehbuch. BENEDIKT RÖSKAU
Musik. ANNETTE FOCKS
Kamera. HOLLY FINK
Schnitt. BENJAMIN HEMBUS
Darsteller. JESSICA SCHWARZ . THOMAS KRETSCHMANN . GUILLAUME DELORME . HEINZ HOENIG u.a.

Review Datum. 2010-06-29
Erscheinungsdatum. 2009-11-12
Vertrieb. KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Romy Schneider. Irgendwie war ihr immer das Leid ins Gesicht geschrieben. Als Kind hielt ich sie für eine verspannte, spröde und - soweit ich das einordnen konnte - neurotische Person. Mir war sie nie besonders sympathisch, das Entrückte an ihr ängstigte mich eher. Natürlich hat Romy Schneider gelitten unter dem ewigen Label als "Sissi", das die Deutschen und die Österreicher sie einfach nicht ablegen lassen wollten. Und das ist auch verständlich. Genauso verständlich ist es umgekehrt, daß sie sich mit ihrer trotzigen, offen arroganten Haltung dazu fast sämtliche Sympathien verspielte. Daß sie sich Alain Delon an den Hals warf (oder er ihr), daß sie sich im französischen Film einen Anspruch erspielte, der schon zwangsweise ein verächtliches Spucken auf die "Sissi" von einst erforderte, das alles sorgte in der Heimat für das Rümpfen einiger Nasen. Romy Schneider und ihre Heimat haben sich gegenseitig nichts geschenkt.

Dennoch war Romy Schneider auch das Sinnbild einer starken, eigenständigen und eigensinnigen Frau, wozu sicherlich auch Bekenntnisse wie der berühmte Stern-Titel "Wir haben abgetrieben" beitrugen. Doch auch dies schien mir nie schlüssig, für mich war Schneider immer sehr abhängig von ihren Männern und weder diesen noch zumindest den Beziehungen mit ihnen gewachsen. Und so haben es offenbar auch die Köpfe hinter dem schon im Vorfeld aufsehenerregenden Projekt ROMY gesehen, denn diese konventionelle Chronologie des Lebens von Romy Schneider finden die entscheidenden Eckpunkte in vier Männern: ihrem Manager und Stiefvater Hans-Herbert Blatzheim, in Alain Delon, in ihrem ersten Ehemann Harry Meyen und dem zweiten und letzten Ehemann Daniel Biasini. Das mag eine konsequente Entscheidung gewesen sein, der Erklärung oder Deutung des Mythos Schneider ist es jedoch kaum zuträglich. Man fühlt sich spontan an die verunglückte Knef-Biografie HILDE erinnert, der nur Heike Makatsch etwas Glanz verleihen konnte. Anders als Makatsch erhält Jessica Schwarz in der Titelrolle als Romy Schneider jedoch nur wenig Gelegenheit zum Glänzen. Schwarz ist fraglos eine der besten Schauspielerinnen Deutschlands, und sie bringt hier auch Ausstrahlung und Star-Appeal an den Tisch, wie es wohl keine andere so ideal hätte machen können. Ihre Verkörperung Romy Schneiders ist erstklassig - nur limitieren sie Buch und Regie unglücklicherweise auf genau das: Verkörpern. Schwarz wird kein Raum zum Schauspiel gegeben, sie darf eher Posen und Ereignisse nachstellen. Es ist eine Schande, wie hier eine grandiose Darstellerin förmlich angekettet wird.

Daß ROMY dennoch besser abschneidet als die Knef-Bio, liegt zum einen an der kinotauglicheren Umsetzung, obwohl es sich um einen Fernsehfilm handelt. Dennoch kommt es auch hier zu unschönen Auffälligkeiten: Es passiert mitunter, daß ein Bild nach Kino aussieht, das nächste aber wieder nach Fernsehen. In einer Dialogszene mit Blatzheim, Romy und Magda Schneider zeigt die Kamera ein wunderbar streng ausgeleuchtetes Bild von Romy im Halbdunkel, im Umschnitt aber ein handelsübliches Nachmittagsserienambiente. In Nebenrollen wissen jedoch einige Darsteller zu gefallen, etwa Heinz Hoenig, der sich endlich mal wieder einer Rolle unterordnet, oder ein überraschend souveräner Thomas Kretschmann als von Selbstzweifeln zerfressener Harry Meyen.

Leider weiß auch Thorsten C. Fischers Film, ähnlich wie HILDE, seine berühmte Figur nicht recht zu verorten und einzubinden und verpaßt dabei die interessantesten Konflikte: Schneiders vergeblicher Versuch, im "Neuen Deutschen Film" der 70er dabei zu sein, scheitert an der Ablehung durch Filmemacher wie Fassbinder, die in ihr immer noch die "Sissi" sehen. Die unvorstellbare Tragik in den letzten Lebensjahren - ihr Sohn stirbt, als er auf einem Zaun aufgespießt wird; ihr Ex-Mann Harry Meyen bringt sich um - touchiert der Film nur, und die Tatsache, daß Alain Delon wohl bis heute bitter bereut, Schneider sitzengelassen zu haben, wird auch nicht verhandelt. ROMY ist ein durchaus ambitioniertes, aber letztlich zu kleinkariertes Unterfangen, das weder seine grandiose Hauptdarstellerin zu nutzen weiß noch sich so recht an Romy Schneider rantraut.

DVD.
Bild und Ton sind ansprechend. Extras: Das Presseheft als PDF, naja. Ein Trailer, eine Bildergalerie. Aber ein sehr sympathisches Making Of, in dem man den Beteiligten durchaus anmerkt, wie ernst sie das Projekt nahmen. Entspannter gibt sich ein gewinnender Thomas Kretschmann, der im Ramones-T-Shirt in der Sonne sitzt und sagt, er habe sich zwar ein bißchen erkundigt, am Ende aber den Meyen eben so gespielt. Toll!








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