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KAPITELWAHL

THE TOURNAMENT (Großbritannien 2009)

von Marc Zeller

Original Titel. THE TOURNAMENT
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. SCOTT MANN
Drehbuch. GARY YOUNG . JONATHAN FRANK . NICK ROWNTREE
Musik. LAURA KARPMAN
Kamera. EMIL TOPUZOV
Schnitt. ROB HALL
Darsteller. VING RHAMES . ROBERT CARLYLE . KELLY HU . IAN SOMERHALDER u.a.

Review Datum. 2010-01-13
Erscheinungsdatum. 2010-01-07
Vertrieb. ASCOT ELITE

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Zum Abschuss freigegeben: Im prominent besetzten Actioner THE TOURNAMENT treffen sich dreißig Profikiller, um sich gegenseitig aus dem Leben zu befördern – vorzugsweise in Einzelteile zerlegt, damit das auch garantiert nicht schiefgeht.

Und warum das Ganze? Wieder mal, um den fiesen reichen Geldsäcken der Welt ein bisschen Nervenkitzel und eine Gelegenheit zum Wetten zu geben. Dafür werden Kamerasysteme angezapft und die Auftragsmörder (u.a. Kelly Hu und Sébastien Foucan) mit Peilsendern bestückt, damit man die Jungs und Mädels aus dem hochtechnisierten Wettbüro auch ja nicht aus den Augen verliert. Der letzte Überlebende sichert nicht nur den Spielern satte Gewinne, sondern streicht auch selbst 10 Millionen Dollar ein. Doch dies ist für einige der Killer nicht der einzige Beweggrund, das tödliche Spiel mitzuspielen: Zumindest Joshua Harlow (Ving Rhames), der Champion des letzten Tournaments vor sieben Jahren, hat noch eine sehr persönliche Rechnung offen. Was die Beteiligten zu Beginn noch nicht wissen: Ihr Peilsender funktioniert zugleich als Sprengladung, die alle ins Jenseits bläst, wenn mehr als ein Killer überlebt. Als ein unbeteiligter Priester (Robert Carlyle) zwischen die Fronten gerät, droht das Massaker vollends außer Kontrolle zu geraten ...

Wer angesichts der Szenerie BATTLE ROYALE schreien möchte, braucht das nicht allzu laut zu tun – die Parallelen sind nicht nur unübersehbar, sondern auch beabsichtigt. Doch statt Sozialkritik hat Scott Mann mit seinem Erstling anderes im Sinn: In übersteigerter Brutalität badende Action mit Typen Marke Comicfigur, Sprücheklopferei am laufenden Band, Provokationen hinter jeder Ecke. Filme dieser Machart müssen nicht prinzipiell schlecht sein, wenn sie denn etwas zu bieten haben, wofür sich die Reise lohnt – eine mächtige Portion Ironie, einen gewitzten Plot, subversive Untertöne, denkwürdige Charaktere, whatever. Pech nur, dass derartige Facetten in THE TOURNAMENT ebenso fehlen wie – in den allermeisten Fassungen – die schon jetzt berüchtigte Szene, in der ein Hund von einem der Killer grundlos erschossen wird. Die Abwesenheit der angesprochenen Sequenz kann wohl angesichts des ohnehin extremen Gemetzels verschmerzt werden, der Rest wird dagegen merklich vermisst: So ist der Film nämlich ein fragwürdiges, wenngleich unterhaltsames Schlamassel, bei dem man nie genau weiß, ob man vor lauter Zynismus reihern oder sich doch an den nett inszenierten Actionsequenzen erfreuen soll.

Letztgenannte sind zugegebenermaßen ordentlich gestylt und größtenteils sogar handgemacht, sodass die Shootouts und Blowups für sich genommen einem Film dieser Größenordnung zur Ehre gereichen. Die derb-saftigen Schießereien und die heftigen Prügelorgien werden mit Sébastien Foucans flotten Parkour-Einlagen veredelt, die neben der abschließenden Bus-Verfolgungsjagd die optischen Highlights des Films darstellen. Im Grunde aber, und das fällt nach spätestens einer halben Stunde überdeutlich auf, ist die Action nur Fassade, hinter der sich nichts, nicht das Geringste verbirgt. Weniger Tiefgang konnten nicht einmal die puristischen Actioner der 1980er Jahre verbuchen, von deren Geist THE TOURNAMENT in jeder Sekunde beseelt ist.

Klar, es muss nicht immer anspruchsvoll sein: Der geradlinige 96 STUNDEN oder der spaßige SHOOT 'EM UP haben schließlich auch auf ihre Weise funktioniert – und zwar deshalb, weil sich ersterer irgendwie noch halbwegs realistisch anfühlte und letzterer sich selbst gar nicht für voll nahm. Zwischen beiden Wegen steht THE TOURNAMENT, in dem ein alkoholkranker Pfarrer bierernst Lebensweisheiten vom Stapel lässt, während um ihn herum ein bizarrer Killerkrieg seinen Lauf nimmt, der seine Wurzeln in einem (nicht sonderlich guten) Comic haben könnte.

Actiongeladen, aber unsinnig und – schlimmer noch – unlustig brutal: Scott Manns Debüt ist nicht der anarchische Kultkracher, der er zweifellos gerne wäre. Ob die Präsenz von Ving "Marsellus Wallace" Rhames, der wenigstens zeitweise ein Quentchen Coolness im abstumpfenden Ballerbrei aublitzen lässt, einen Blick rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden.

DVD.
Qualitativ kann sich die DVD von Ascot Elite sehen lassen: Die Direct-to-Video-Produktion erstrahlt in scharfen Bildern und verschafft sich mit kraftvollem Ton Gehör. Die Extras kommen dagegen mit ein paar Interviews, einer unkommentierten B-Roll und Trailern höchstens auf Mittelmaß. Die SPIO/JK-Verleihscheibe, die für diese Rezension zur Verfügung stand, beinhaltet – wie alle deutschsprachigen Veröffentlichungen – eine gekürzte Version des Films. Für die Kauf-DVD mit 18er-Freigabe durfte THE TOURNAMENT noch mehr Federn lassen.








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