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KAPITELWAHL

HANSEL & GRETEL (Korea 2007)

von Jenny Jecke

Original Titel. HANSEL & GRETEL
Laufzeit in Minuten. 112

Regie. YIM PHIL-SUNG
Drehbuch. KIM MIN-SOOK . YIM PHIL-SUNG
Musik. LEE BYUNG-WOO
Kamera. KIM YI-YONG
Schnitt. KIM SUN-MIN
Darsteller. CHEON JEONG-MYEONG . EUN KYUNG-SHIM . YANG YEONG-NAM . JI-HEE JIN u.a.

Review Datum. 2009-12-15
Erscheinungsdatum. 2009-10-22
Vertrieb. MFA+/ASCOT ELITE

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Filme, in denen die Hauptfigur zu Beginn bewusstlos wird und sich danach mirakulös in einem Abenteuer wieder findet, sind ja immer so eine Sache. Oft genug fühlt man sich als Zuschauer betrogen, denn "es war alles nur ein Traum" ist am Ende leicht mit "es war alles nur ein Witz" zu verwechseln. Das Mitfiebern mit dem Helden stellt sich im Nachhinein als sinnlos heraus, wenn er nie in reeller Gefahr geschwebt hat. Regisseur Yim Pil-sung löst dieses Problem in HANSEL & GRETEL jedoch auf gekonnte, weil nicht eindeutige Weise. Seine Hauptfigur Lee Eun-soo (Cheon Jeong-myeong) wacht nach einem Autounfall im Wald auf und landet auf der Suche nach Hilfe bei einer Familie, deren übermäßige Freundlichkeit sofort jeden Filmkenner stutzig machen sollte. Am nächsten Tag sucht Eun-soo das verwunschene Haus zu verlassen, doch der undurchdringliche Wald erweist sich als Sackgasse.

Yim Pil-sung führt den Märchenstoff nun auf seine moralischen Wurzeln zurück. Dabei besitzt die Handlung nur entfernt Parallelen zum gleichnamigen Werk der Gebrüder Grimm, denn sie stellt die Figurenkonstellation oberflächlich gesehen auf den Kopf. Nicht die Hexe lockt kleine Kinder in ihr Lebkuchenhaus, sondern die Erwachsenen, die ihren Weg in die Villa Kunterbunt des Grauens finden, bleiben dort und das nicht freiwillig. Die Geschwister Man-bok, Young-hee und Jung-soon sind die Herren im Haus, das bekommt auch Eun-soo zu spüren. Doch HANSEL & GRETEL entgeht dem OMEN-Klischee mit seinem Teufelsbalg, auch wenn der Fantasy-Film mit bekannten Horror-Elementen spielt. Stattdessen deutet sich der moralische Kern des farbenfrohen Albtraums in der vielschichtigen Zeichnung der Kinder an. Ständig schwankend zwischen Mitleid mit und Abscheu vor den mörderischen kleinen Seelen durchläuft Eun-soo gewissermaßen eine Coming of Age-Story der etwas anderen Art. Der Film entpuppt sich daher als ungewöhnliche Allegorie auf die Grausamkeit der Erwachsenenwelt und die Wunden, mit denen die Kinder für den Rest ihres Lebens auskommen müssen. Die Frage, vor welcher Eun-soo steht, ist daher, ob er ein Peter Pan bleibt oder die trügerische Unschuld Nimmerlands verlässt.

So didaktisch wie diese Logik klingen mag, geht der Film glücklicherweise nicht vor. HANSEL & GRETEL ist sicher kein leeres Spektakel, lebt aber insbesondere von den Schauwerten. Zuckersüß sehen die Kinder aus und genauso wirkt das Innere ihres Hauses, nämlich wie ein überladener Puppenladen aus den 50er Jahren, der Tim Burton sicher gefallen würde. Nicht von ungefähr ruft die schaurige Musik die besten Zeiten Danny Elfmans in Erinnerung. Kitschig wirkt das atemberaubende Set, doch so erdrückend ist die übertriebene Kindlichkeit des Ganzen, dass der süßliche Geruch der Verwesung sich in den Zimmern festgebissen zu haben scheint. Es ist die Kindheit in einer sich ewig steigernden Endlosschleife, in der Eun-soo nun sprichwörtlich festsitzt. Ebenso überfrachtet wie das Haus, ist in der zweiten Hälfte dann leider auch der Plot, der das Leitthema im Auge behält, aber von etwas mehr Stringenz und weniger Melodram profitiert hätte. Zu viele Hintergrundinformationen und ein bemüht wirkender Klimax schaden dem Fluss des Films, bleiben allerdings nach dem Abspann keine sonderlich gravierenden Mängel. Trotz allem eröffnet HANSEL & GRETEL ein anregendes Assoziations- und Interpretationsfeld, dessen berauschende Bilder man so schnell nicht vergisst.

DVD.
Größtes Manko der ansonsten zufriedenstellenden DVD ist der fehlende Originalton, der leider auch durch die – zugegeben gute – Synchronisation nicht wettgemacht werden kann. Ansonsten bietet die Veröffentlichung neben Trailern und dem löblichen Wendecover ein zweieinhalbminütiges Interview mit dem Regisseur, sowie Set-Impressionen und ein Making of. Beide legen besonderen Wert auf die Arbeit mit den Kindern und den Aufbau des Sets. 13 Minuten B-Roll-Aufnahmen sind leider nicht untertitelt, geben dafür aber einen episodischen Einblick in den Drehalltag.








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