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KAPITELWAHL

FRANKLYN - DIE WAHRHEIT TRÄGT VIELE MASKEN (Großbritannien 2008)

von Christian Hellwig

Original Titel. FRANKLYN
Laufzeit in Minuten. 94

Regie. GERALD MCMORROW
Drehbuch. GERALD MCMORROW
Musik. JOBY TALBOT
Kamera. BEN DAVIS
Schnitt. PETER CHRISTELIS
Darsteller. EVA GREEN . RYAN PHILIPPE .SAM RILEY . BERNARD HILL u.a.

Review Datum. 2009-09-08
Erscheinungsdatum. 2009-08-20
Vertrieb. ASCOT ELITE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
"My name is Jonathan Preest and tonight I'm gonna kill a man" - dumpf hallen diese Worte durch die dunkle Nacht. Die Worte des maskierten Rächers, denn nichts Anderes ist Jonathan Preest, durchdringen das heruntergekommene Gebäude, das – wie auch die Stadt - schon bessere Tage gesehen hat. Wir befinden uns in Meanwhile City irgendwann in der Zukunft. Die Säkularisierung der westlichen Welt, also der Bedeutungsverlust der Religionen, ist gestoppt. Und mehr noch: Glauben ist oberste Bürgerpflicht. Wer sich keiner Religion zugehörig fühlt, wird von den Machthabern unerbittlich verfolgt und inhaftiert. Jonathan Preest glaubt an keinen Gott, nur an sich selbst und an seine Rache. Gleichzeitig Jäger und Gejagter, hastet er ohne Unterlass durch die pseudoreligiöse Metropole.

Wer einen Blick auf den Trailer von FRANKLYN – DIE WAHRHEIT HAT VIELE MASKEN geworfen hat und sich in seiner Kaufentscheidung davon leiten lässt, sollte durchaus gewarnt sein. Nicht, daß FRANKLYN ein schlechter Film wäre. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Doch suggeriert der Trailer, wie auch das hiesige Cover der DVD, mehr Sci-Fi Fantasy als der Film letztendlich zu bieten hat. Dabei sind jene verhältnismäßig wenigen Szenen, die in jener dystopischen Zukunftsversion spielen, absolut gelungen umgesetzt. Die Dominanz der Religion, von der diese Metropole durchdrungen ist, äußert sich sowohl im alltäglichen Auftreten der Menschen als auch im sakralen Erscheinungsbild der Bauten. Erinnert die Rolle, die Jonathan Preest in diesem Film augenscheinlich zu spielen hat, unweigerlich an V – WIE VENDETTA, ähnelt sein Aussehen unverkennbar dem Antlitz Rorschachs aus WATCHMEN. Doch FRANKLYN ist weder das Eine noch das Andere, sondern viel mehr ein kleines episodenhaftes Drama, welches die Schicksale von vier beschädigten Seelen thematisiert und letztendlich miteinander verknüpft.

Glaube, Existenz, Einbildung, Identität und Realität. Der Verstand des Menschen muss an seine Grenzen stoßen, möchte er diese Begriffe eindeutig definieren. Letztlich geht es in FRANKLYN auch und vor allem um diese existentiellen Grundfragen des menschlichen Wesens. Fragen, mit denen die vier Protagonisten des Film ständig konfrontiert werden. Einer von ihnen ist Jonathan Preest, der in Meanwhile City auf der Jagd ist. Die anderen drei leben im heutigen London: Der junge und idealistische Milo (Sam Riley), dessen Hochzeit geplatzt ist und der nun Trost bei seiner Jugendfreundin Sally sucht. Die junge Kunststudentin Emilia (Eva Green), die von den Dämonen ihrer Kindheit verfolgt wird und diese düsteren Geister mit Hilfe selbstzerstörisch-expressionistischer Kunstperformances zu besiegen sucht. Und schließlich Peter Esser (Bernard Hill), ein Kirchenwächter aus Cambridge, der auf der Suche nach seinem verschollenen Sohn ist.

Regisseur Gerald McMorrow, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, ist es gelungen, mit FRANKLYN einen gleichsam interessanten wie verschachtelten Mix aus Fantasy und Drama zu entwerfen. Gleichzeitig ist es jedoch auch so, dass es der fantastischen Elemente innerhalb des Films, obschon wunderschön anzusehen, für die Narration nicht wirklich bedurft hätte. Oder vielleicht doch? Kann nicht auch die fantastische Imagination zur Realität werden, wenn man nur daran glaubt? Man sieht, der Film dreht sich um diese zentralen Elemente, und jedes weitere Wort wäre schon eines zu viel, um von des Rätsels Lösung nicht bereits zu viel zu verraten. Dem geübten Seher dämmert dann aber doch recht, schnell woher der Wind weht, dies tut dem filmischen Vergnügen aber keinen Abbruch. Denn auch wenn sich McMorrow manchmal in den von ihm gesponnenen Fäden verheddert und nicht alles sauber aufgelöst wird, bleibt FRANKLYN ein interessanter Film, der sich von der Masse abzuheben vermag.

Dazu trägt vor allem eine Darstellerin des Ensembles bei: Eva Green. Das ehemalige Bond-Girl adelt den Film geradezu mit ihrer ausdrucksstarken, zerrissenen und emotionalen Performance, so dass quasi jede ihrer Szenen zu den Highlights von FRANKLYN gezählt werden darf. Wer sich also darüber im Klaren ist, dass er mit FRANKLYN zu einem Film greift, bei der die auf dem Cover und im Trailer versprochene Fantasy nur Mittel zum Zweck ist und nicht das zentrale Element des Films darstellt, der darf und sollte bedenkenlos zugreifen und diesem durchaus gelungenen Vertreter des britischen Films eine Chance einräumen.

DVD.
Die DVD bietet neben den einblendbaren deutschen Untertiteln die obligatorischen drei Tonspuren. DD 5.1 auf Englisch und Deutsch, sowie eine weitere deutsche DTS 5.1-Tonspur. Das Bild ist, wie auch die deutsche Synchronisation, zufriedenstellend. Extras finden sich abseits der Trailershow keine, dafür weiß die deutsche DVD-Veröffentlichung mit einem Wendecover zu gefallen, mit dem man das überdimensionierte und störende FSK-Logo aus dem Blickfeld verschwinden lassen kann.








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