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KAPITELWAHL

STRAW DOGS - WER GEWALT SÄT (USA/Großbritannien 1971)

von Björn Eichstädt

Original Titel. STRAW DOGS
Laufzeit in Minuten. 112

Regie. SAM PECKINPAH
Drehbuch. DAVID Z. GOODMAN . SAM PECKINPAH
Musik. JERRY FIELDING
Kamera. JOHN COQUILLON
Schnitt. PAUL DAVIES . TONY LAWSON . ROGER SPOTISWOODE
Darsteller. DUSTIN HOFFMAN . SUSAN GEORGE . PETER VAUGHAN . T. P. MCKENNA u.a.

Review Datum. 2007-11-07
Erscheinungsdatum. 2007-07-12
Vertrieb. EUROVIDEO

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Über Sam Peckinpah, den tragischen Regiehelden des Männerkinos der 60s und 70s, ist schon so manches geschrieben worden: Von Produzenten allein gelassen, von Cuttern zerschnitten, von Alkohol und Drogen zerfressen. Eine Biografie, die geeignet ist, Legenden zu spinnen, wie sie einstmals auch um Orson Welles rankten: Peckinpah, der einsame Wolf, der neue Mann, der gegen das althergebrachte (männliche) System aufbegehrte und der am Ende nur scheitern konnte. Und wenn dann noch die böse Zensur ins Spiel kommt, die das vermeintliche Meisterwerk STRAW DOGS seit den frühen 80ern zumindest hierzulande fest im Würgegriff hielt, dann kann es nur um ein verkanntes Genie gehen, das gegen alle Widerstände ein Meisterwerk auf Zelluloid bannte, das heute erstmals in vollem Glanze auf einer deutschen DVD zu bewundern ist. Oder etwa nicht?

Die Antwort auf diese Frage ist wohl ebenso ambivalent, wie der Betrachtungsgegenstand dieses Films selbst. Denn der urbane Mathematiker und klassische Intellektuelle David Sumner (Dustin Hoffman), der gemeinsam mit Frau Amy in die ländliche Idylle des englischen Cornwalls zieht, sieht sich schon bald mit der ruralen Urkraft des Dorfpöbels konfrontiert. "Intellekt gegen nackte Gewalt", schreit der Film und versucht über 112 Minuten Geschlechterkampf ein neues Männerbild als Sieger zu ermitteln. Allein: Konfrontation heißt noch lange nicht Lösung, und so grönemeyert STRAW DOGS nach knapp zwei Stunden immer noch "Wann ist ein Mann ein Mann?", während Amy Sumner wohl auch in ein paar nachmittäglichen Kaffeesitzungen im Kreis von Freundinnen hätte erkennen können, dass sie sich schlicht den falschen Deckel für ihren blonden Topf ausgesucht hat.

STRAW DOGS ist kein einfacher Fall. Denn einerseits sieht man dem Film noch heute seine Qualitäten an, versteht warum er einmal ins Kreuzfeuer der Kritik geriet und begreift andererseits, dass seine Zeit unwiederbringlich abgelaufen ist. Wenn heute Männlichkeit verhandelt wird, dann doch eher unter dem Aspekt des Widerstands gegen den verweichlichenden Shareholder-Kapitalismus, wie in FIGHT CLUB geschehen, oder der einengenden Gesellschaft, wie in Sion Sonos HAZARD. Zurück zur Natur als Weg, nicht als abschreckendes Beispiel und Schatten der Vergangenheit. So ist STRAW DOGS sicher kein Film, der heute noch etwas zu zeitgenössischen Debatten beitragen kann. Ein spannendes historisches Dokument zur Diskussion der späten 60er und frühen 70er sowie eines ihrer zentralen Protagonisten ist er aber mit Sicherheit.

DVD.
Bild und Ton der DVD kommen für das Alter des Films recht ordentlich daher. Ein paar Bildartefakte stören den hochauflösenden Genuss hin und wieder, doch schließlich handelt es sich hier um einen Kinofilm aus den frühen 70er Jahren, weshalb der ein oder andere Kratzer im Negativ durchaus zu verkraften ist. Trauriger ist da schon das Fehlen einer Untertitelspur, da die Protagonisten in der Originaltonfassung einerseits nicht immer das einfachste Englisch sprechen, die deutsche Synchronisation andererseits oft etwas gestelzt daher kommt. Dafür entschädigt ein informativer Audiokommentar von Filmhistoriker Mike Siegel, der dem Release insgesamt einen dicken Stempel aufgedrückt hat.

Das Bonusmaterial wirkt beim ersten Blick auf die DVD-Box wie ein Freudenfest für Filmhistoriker: 154 Minuten auf einer separaten DVD - das liest sich zunächst so, als ob sich der Cineast vor Freude im Kreis drehen müsste! Allerdings verschwendet diese Special Uncut Edition mehr als die Hälfte der Extras auf die Super-8-Fassung des Films. Das ist zwar ein rezeptionshistorisch nettes Fundstück - aber mit 85 Minuten doch zu lang, um es sich ernsthaft anzusehen. Set-Fotos und mehrere Trailer ergänzen den Part der Extras, die nett, aber nicht weiter notwendig sind.

Der spannende Teil von DVD 2 versteckt sich einerseits in den von Mike Siegel produzierten Featurettes. Hier gibt es Interviews mit Produzent Dan Melnick, der wild Sauf- und Paranoiageschichten über Peckinpah zum besten gibt und mit interessanten Geschichten über Produktion und Rezeption des Films aufwarten kann. Schauspieler David Warner liefert außerdem eine umfassende Erklärung über das Fehlen seines Namens im Vorspann des Films und räumt mit dem Gerücht auf, dass er seinen Credit aufgrund des extremen Gewaltpegels von STRAW DOGS nachträglich entfernen ließ.

Highlight der Bonus-Disc ist dann Passion & Poetry, eine ebenfalls von DVD-Co-Produzent Siegel verantwortete Peckinpah-Doku, die sich im Schwerpunkt ihrer 40-minütigen Laufzeit mit STRAW DOGS, aber auch mit der restlichen Karriere Sam Peckinpahs beschäftigt. Spannende Infos in komprimierter Form belohnen den geduldigen Bonusschauer. Zu erwähnen ist außerdem das tolle Booklet, das neben einem ausführlichen Text (ebenfalls Siegel) wie ein Museum der weltweit verwendeten Lobby-Cards und Filmposter daherkommt. Alles in allem also eine runde Sache, die auf zwei DVDs wohl so ziemlich alles versammelt, was es zu STRAW DOGS zu versammeln gibt.








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