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KAPITELWAHL

THE LUCIANO ERCOLI DEATH BOX SET: DEATH WALKS ON HIGH HEELS / DEATH WALKS AT MIDNIGHT (Italien/Spanien 1971/1972)

von Björn Eichstädt

Original Titel. LA MORTE CAMMINA CON I TACCHI ALTI / LA MORTE ACCAREZZA A MEZZANOTTE
Laufzeit in Minuten. 108/102

Regie. LUCIANO ERCOLI
Drehbuch. ERNESTO GASTALDI . MANAHÉN VELASCO . SERGIO CORBUCCI
Musik. STELVIO CIPRIANI . GIANNI FERRIO
Kamera. FERNANDO ARRIBAS
Schnitt. diverse
Darsteller. SUSAN SCOTT . SIMÓN ANDREU . CLAUDIE LANGE . CARLO GENTILI u.a.

Review Datum. 2006-08-10
Erscheinungsdatum. 2006-02-28
Vertrieb. NO SHAME

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. ENGLISCH (DD 2.0) . ITALIENISCH (DD 2.0)
Untertitel. ENGLISCH
Norm. NTSC
Regional Code. 0

FILM.
Leading Ladies gehören zum italienischen Giallo, wie die Butter auf die Stulle. Und meist kann man sie als Muse klar einem Filmemacher zuordnen, etwa Edwige Fenech, die ganz deutlich der Zelluloid gewordene Traum Sergio Martinos war (und später auch dessen Bruder heiratete) oder Florinda Bolkan, die die Gialli Lucio Fulcis bereicherte.

Das Gespann Susan Scott und Luciano Ercoli stand in der Rezeption der Filmfans dagegen immer etwas hinter den genannten Paaren zurück. Auch die DVD-Auswertung des gemeinsamen Werkes war bislang äußerst mager. Das ändert sich nun: THE FORBIDDEN PHOTOS OF A LADY ABOVE SUSPICION aus dem Jahr 1970, die erste Zusammenarbeit der Beiden, erschien vor kurzem weltweit erstmals auf DVD. Und endlich kommen auch die beiden Folgestreifen DEATH WALKS ON HIGH HEELS und DEATH WALKS AT MIDNIGHT in einer schönen Box zu Silberling-Ehren.

Der erste der beiden Filme, DEATH WALKS ON HIGH HEELS, begeistert zunächst, wie schon THE FORBIDDEN PHOTOS OF A LADY ABOVE SUSPICION, durch den überragenden Style-Aspekt. Die Musik von Stelvio Cipriani kommt mit vollen Italo-Thriller-Feuer daher, Susan Scott sieht umwerfend aus und die Kamera macht auf Leinwanddesigner.

Doch nicht nur die Optik stimmt: Der Plot um die Stripperin und Diamentenräubertochter Nicole, die in den Mord an ihrem Vater und die Geschichte seines letzten Coups verwickelt wird, ist auch auf der Drehbuchebene ein voller Erfolg. Wer hat mit wem ein Verhältnis, welcher der vielen Protagonisten kommt als Mörder in Frage, und ist der am Ende enttarnte Verbrecher wirklich der Schuldige? Diese Fragen stellt DEATH WALKS ON HIGH HEELS durchgehend so raffiniert und - im Gegensatz zu manch anderem Italo-Machwerk - auch logisch, dass es eine helle Freude ist. So ist der Film nicht nur ein Augenschmaus, auch der investigative Krimi- und Hitchcock-Freund wird seinen Spaß an ihm haben.

Der zweite Film der Box, der den wandelnden Tod ebenfalls im Titel trägt - DEATH WALKS AT MIDNIGHT - , ist auf den ersten Blick ein enger Verwandter seines Vorgängers. Vor allem das Schauspielerensemble gleicht dem von DEATH WALKS ON HIGH HEELS wie ein Ei dem anderen. Und Leading Lady Scott macht sich wieder unglaublich auf der Leinwand - hier sieht sie durchgehend aus, wie die Sharon Tate des 70er-Jahre-Giallo.

Bei genauerer Betrachtung ist die Geschichte eines Models, das im Drogenrausch einen Mord beobachtet, allerdings eher ein Vertreter der Anfangstage des Genres. Oder besser: Eine Hommage an dessen Startpunkt, Mario Bavas THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH. Eine Mordbeobachtung, der die Polizei aufgrund der Umstände wenig Glauben schenkt, regelmäßiges Verschwinden von Beweisstücken und ein fieser Serienmörder, der sich auch mal im Ausland aufhält - das alles kennt man aus Bavas Werk aus dem Jahr 1963. Der Giallo-Freund jauchzt vor Freude, der Originalität tut das natürlich trotzdem ein wenig Abbruch, und so ist DEATH WALKS AT MIDNIGHT zwar ein weiterer hervorragender Ercoli-Film, aber er ist auch klar der schwächste Teil der Susan Scott Trilogie.

Alles in allem handelt es sich bei DEATH WALKS ON HIGH HEELS und DEATH WALKS AT MIDNIGHT mit Sicherheit um zwei der stärksten Vertreter des Giallo-Genres, die sich - auch wenn sie andere, eher ruhige Wege gehen - nicht hinter den Klassikern von Mario Bava, Dario Argento, Sergio Martino oder Lucio Fulci verstecken müssen. Im Gegenteil: Luciano Ercoli war in den frühen 70ern mit erstaunlicher Konstanz und Qualität unterwegs. Das LUCIANO ERCOLI DEATH BOX SET war deshalb schon lange überfällig und sollte Teil jeder guten Giallo-Sammlung sein.

DVD.
Das LUCIANO ERCOLI DEATH BOX SET von No Shame Films bietet so ziemlich alles, was sich der Giallo-Fan wünscht. Neben den beiden DEATH-Filmen gibt es ein schönes Booklet mit vielen interessanten Information aus der Feder des amerikanischen Filmexperten Chris D., zudem ist der Box noch die CD The Sound of Love & Death - The Very Best of Stelvio Cipriani beigelegt, die einige schöne Giallo- und Polizeifilmsoundtrackbeiträge des Komponisten von DEATH WALKS ON HIGH HEELS enthält. Die Filme kommen mit vergleichsweise gutem Bild und Sound daher, allein eine teilweise extreme Diskrepanz zwischen englischen Untertiteln und englischer Tonspur fällt teilweise etwas negativ beim Mitlesen ins Gewicht. Das Bonusmaterial hält sich leider in Grenzen - Trailer und Postergalerie sind eben einfach nicht das, was man sich erhofft. Bedenkt man allerdings, dass bis heute nicht einmal wirklich klar ist, was aus Susan Scott und Luciano Ercoli geworden ist, kann man mit diesem Manko leben.











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