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KAPITELWAHL

CAPITAL PUNISHMENT (Großbritannien 2003)

von Jan Zeleny

Original Titel. CAPITAL PUNISHMENT
Laufzeit in Minuten. 84

Regie. ADRIAN VITORIA
Drehbuch. STEVEN KENDALL . TONY O'LEARY
Musik. HENRY OLSEN
Kamera. MARK HAMILTON
Schnitt. CHRIS MUCKLE
Darsteller. RICHARD DRISCOLL . SAM CALLIS . DEBORAH SHERIDAN-TAYLOR . LAURA CARTER u.a.

Review Datum. 2005-07-11
Erscheinungsdatum. 2005-06-09
Vertrieb. E-M-S

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1/DD 2.0) . ENGLISCH (DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der britische Gangsterfilm: in den 70ern ganz gross dank Reissern wie GET CARTER und RIFIFI AM KARFREITAG, und dann kommt ganz lange gar nix. In den letzten Jahren erlebte das Genre eine Renaissance, was wohl in erster Linie dem Erfolg der Komödien des Tarantino-Epigonen und Teilzeit-Auteur Guy Ritchie zu "verdanken" ist denn den wenigen tatsächlich gelungenen Beiträgen zum Thema wie Paul McGuigans GANGSTER NO. 1. Zu denen ist CAPITAL PUNISHMENT, ein lahmes Filmchen, das gerne im Fahrwasser all seiner grossen Gangsterfilmvorbilder mitschwimmen würde, aber bloss erbärmlich röchelnd absäuft, leider definitiv nicht zu zählen.

Der Film beginnt mit einem Intro, das dem Zuschauer etwas von den 19.000 illegalen Taxifahrern in London erzählt - das soll wohl Tiefe vermitteln, ist aber für den Rest des Films ungefähr so relevant wie Quantentheorie für Paarhufer. Dave, der Protagonist des Films, besitzt nämlich ohnehin eine Lizenz und braucht sich dementsprechend auch keine Gedanken um die Situation seiner illegalen Kollegen zu machen (die sich im übrigen scheinbar kurzfristig entschlossen haben, in einem anderen Film mitspielen oder halt lieber Taxi zu fahren). Dave selbst fährt also legal Taxi, sein Bekannter Russell dagegen dealt lieber mit Heroin, das mit -dramatische Pause- Taxis durch die Gegend gefahren wird, schläft nebenbei noch mit Daves Frau Jackie und gibt überhaupt in jeder freien Minute mit einer derart kindischen Inbrunst den bösen Mann, dass Gary Oldmans Spiel in LEON dagegen glatt als subtil durchgeht. Russell will unbedingt, dass Dave für ihn arbeitet, aber Dave will nicht, weil er ein aufrechter Mann eiserner Moral ist; viele, viele Minuten später will er immer noch nicht. Nach 70 Minuten lässt Russell ihn dann entnervt abstechen, Jackie geht zur Polizei, das Drehbuch überschlägt sich nach Kräften und Mühen und schliesslich wird der rassistische Russell eher unabsichtlich von einem schwarzen Cop erschossen.

CAPITAL PUNISHMENT ist eine von diesen groben filmischen Frechheiten, bei denen man sich hinterher fassungslos fragt, wer sowas eigentlich warum produziert; ein dummdreist zusammengeschustertes, banales Flickwerk. Das Drehbuch überschreitet besonders in seinen betont melodramatischen Szenen gerne mal schwungvoll die Schwelle zur unfreiwilligen Komik, wenn z.B. Jackie nach Daves Verschwinden anfängt, mit ihrem Haustier zu reden: "Wo ist Daddy..?" Dave selbst dagegen darf zur Untermauerung seiner moralischen Aufrichtigkeit mit verzweifelt-aufrichtigem Hundeblick ständig aufrichtig verwirrte Sachen wie "Was ist hier nur los? Ich verstehe das alles nicht!" oder den zeitlosen Klassiker "Irgendwas stimmt hier nicht!" zum Besten geben (allerdings geht er danach nie duschen).

Die Kameraarbeit gemahnt an eine Fernsehproduktion, die nicht wenigen, exploitativ selbstzweckhaften Gewaltszenen sind inkonsequenterweise im wahrsten Sinne des Wortes saftlos inszeniert, und der Soundtrack ist nicht weniger als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In einer finalen Schlüsselszene läuft im Hintergrund ein vollkommen deplazierter und nur noch gemeiner Eurotrash-Housetrack, der im Laufe der Szene zu allem Übel auch noch zu voller Lautstärke anschwillt. Abschliessend sei für's Protokoll noch die "blendende" Ausstattung erwähnt, die sich nicht scheut, ein knallblaues Polohemd und eine ätztürkise Bettdecke miteinander zu vereinen...

CAPITAL PUNISHMENT ist unnötiges Gangsterletheater ohne Stil, Substanz oder cojones. Wer unbedingt trotzdem einen Blick werfen muss, kann sich ruhigen Gewissens mit dem Trailer begnügen, der einem innerhalb einer knackigen Minute und in chronologischer Reihenfolge die komplette Handlung und so ziemlich alle Gewaltszenen präsentiert. Vermeiden und auf LAYER CAKE warten.

DVD.
Die deutsche Synchronisation ist in Ordnung, wenn man mal darüber hinwegsieht, dass in einer Szene "godfather" mit "Gottvater" übersetzt wird - Bild und Ton können leider nicht bewertet werden, da dieser Rezension lediglich die Presse-DVD zugrundelag.








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