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KAPITELWAHL

AMERICAN NIGHTMARE (USA 2000)

von Hasko Baumann

Original Titel. THE AMERICAN NIGHTMARE
Laufzeit in Minuten. 75

Regie. ADAM SIMON
Drehbuch. ADAM SIMON
Musik. KARLHEINZ STOCKHAUSEN . GODSPEED YOU BLACK EMPEROR
Kamera. IMMO HORN
Schnitt. PAUL CARLIN
Darsteller. GEORGE ROMERO . TOBE HOOPER . WES CRAVEN . JOHN CARPENTER u.a.

Review Datum. 2005-05-12
Erscheinungsdatum. 2005-05-12
Vertrieb. EPIX MEDIA AG

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1/DD 2.0) . ENGLISCH (DTS/DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
THE AMERICAN NIGHTMARE ist keine "Horrorfilm-Doku", sondern ein Dokumentarfilm, der die amerikanischen Traumata der späten 60er und der 70er Jahre beleuchtet, um deren Einflüsse auf das amerikanische Horrorkino dieser Zeit zu untersuchen. Regisseur Adam Simon (Interview mit ihm in unserer Rubrik "Gespräche"), selbst ein Freund des Genres und mit diversen Arbeiten für Roger Cormans Produktionsfirma (unter anderem hat Simon den mächtig lukrativen CARNOSAUR inszeniert), konnte dafür die prominentesten Vertreter des US-Horrors gewinnen: Romero, Hooper, Carpenter, Craven, Cronenberg und Savini zeigen sich überaus eloquent und offen, und als Sahnehäubchen oben drauf darf auch John Landis dabei sein, der beträchtlichen Unterhaltungswert mit sich bringt. Mit Adam Lowenstein, Tom Gunning und Carol J. Clover hat Simon dabei drei sehr sorgfältig ausgewählte Gelehrte eingeladen, die den Ausführungen der Regisseure ihre Analysen der Filme und des historischen Hintergrundes entgegensetzen. Besonders Frau Clover überzeugt, sicherlich auch, weil man sich die sympathische Dame im vorgerückten Alter gar nicht so recht als LAST HOUSE ON THE LEFT-Fan vorstellen kann.

Adam Simon montiert dabei sehr geschickt die (teilweise schonungslosen) realen Bilder des Vietnamkriegs, der Proteste und brutal niedergekämpften Studentenunruhen, der Attentate auf Martin Luther King und Robert Kennedy mit den blutrünstigen Kinobildern aus NIGHT OF THE LIVING DEAD oder LAST HOUSE ON THE LEFT. Die - für den skeptischen Zuschauer vermutlich überraschend - klugen Statements der Filmemacher, die den Verlust der Unschuld Amerikas selbst erfahren haben, entsprechen der grundsätzlichen These von THE AMERICAN NIGHTMARE schon zu Beginn des Films. Ein früher Höhepunkt kommt, wenn Tom Savini, Meister der Masken und der Abbildung blutigster Verletzungen, die Fotos aus seiner Zeit als Kriegsfotograf in Vietnam zeigt und kommentiert. Es sind diese Momente, die einen Dokumentarfilm magisch machen.

Einziger Kritikpunkt dieses klugen und versiert gemachten Films: Mit zunehmender Laufzeit werden die Beweisführungen kraftloser. Was bei NIGHT, LAST HOUSE und TEXAS CHAINSAW noch hervorragend aufgeht, will schon bei DAWN OF THE DEAD nicht mehr so recht funktionieren (die Montage der Gedärme fressenden Zombies mit den Discokids der späten 70er vergreift sich im Ton), und John Carpenters HALLOWEEN fällt fast aus dem Rahmen. Auf Carpenter selbst allerdings möchte man nicht verzichten: Der sarkastische Genremeister rechnet stets schonungslos mit sich und seiner Generation ab, wo seine Kollegen noch neben sich stehen. Überhaupt ist dies natürlich ein wunderbarer Blick auf die Menschen hinter den großen Namen: Savini ist ungeheuer präsent, Craven ein feinsinniger Intellektueller mit nur zu erahnenden Untiefen; bei Cronenberg muß man sich irgendwann schon fragen, ob er seine eigenen Thesen wirklich ernst nimmt; Romero hat das klarste und bewußteste Bild von sich und seine Arbeit, und Hooper ist der einzige, dem man eine gewisse Schräglage attestieren könnte.

THE AMERICAN NIGHTMARE ist eine gelungene Untersuchung der Verbindung von sozialen und politischen Phänomenen mit einem allzu oft unterschätzten Genre und ruft mit seinen zahlreichen Ausschnitten noch einmal in Erinnerung, wie unfaßbar intensiv diese Filme waren und auch heute noch sind.

DVD.
Bild und Ton fallen sehr gut aus. Die deutschen Untertitel sind in Ordnung. Unbedingt vermeiden sollte man den deutschen Voiceover - uninspiriert und eintönig eingesprochen, ohne viel Sprecherwechsel. Die Extras sind obskur: Ein "Trailer", der sich eigentlich nur aus dem Vorspann des Films rekrutiert, ein "Splatterspecial" in Form einer Hausarbeit (unlesbare Texttafeln), die an meiner Uni die Chancen eines Schneeballs in der Hölle gehabt hätte, ein Abriß des Berliner Symposiums "Bodies that splatter" (auch unlesbar), dessen Wissenschaftlichkeit man auch diskutieren könnte sowie eine Aufnahme eben jenes Symposiums, deren Sinn sich mir nicht erschließt: Ein Ausschnitt aus Schlingensiefs DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER wird gezeigt, und Christoph sitzt daneben und freut sich. Gesagt wird nichts. Dazu kommt noch ein sogenanntes "Splatter-Gedicht", aber da ist die Möhre schon geschält.








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