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YATTERMAN (Japan 2009)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. YATTÂMAN
Laufzeit in Minuten. 119

Regie. TAKASHI MIIKE
Drehbuch. MASASHI SOGO
Musik. IKURO FUJIWARA . MASAAKI JINBO
Kamera. HIDEO YAMAMOTO
Schnitt. KENJI YAMASHITA
Darsteller. SHO SAKURAI . SADAO ABE . KYOKO FUKADA . SAKI FUKUDA u.a.

Review Datum. 2009-11-16
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Also ... da gibt es diesen Zauber-Totenschädel, der irgendwie ... zaubern kann. Und der ist kaputt, und die Teile sind überall in der Welt verstreut, zum Beispiel in Narwegen und Ogypten. In Tokyoyo derweil, im Stadtteil Shibuyama, kämpfen Yatterman No. 1 und Yatterman No. 2 samt Transport-Roboter-Hund Yatterwuff gegen die Doronjo-Bande, bestehend aus einer liebreizenden Möchtegern-Schurkin (Kyoko Fukada aus KAMIKAZE GIRLS) und zwei schusseligen Assistenten in Tiermasken. Nach der Kämpferei interessieren sich beide Parteien für diesen Zauberschädel, genauso wie ein Archäologe und ein vorgeblicher Gott der Diebe. Die Yattermänner, von denen einer eine Frau ist, und die Doronjo-Bande kämpfen mitsamt all ihrer Riesen- und Mini-Roboter sofort weiter gegeneinander und um irgendwas. Ach ja, um diesen Schädel, der irgendwas kann.

Über eines muss sich jeder über 12 bewusst sein: YATTERMAN ist ein Kinderfilm. Kein bildungsbürgerlicher Simpsons-Ghibli-Pixar-Kinderfilm, bei dem sich die Eltern ihrem Nachwuchs überlegen fühlen können, weil sie viel mehr verstehen, sondern ein sortenreiner Kinderfilm. Einer, in dem Erwachsene nichts zu suchen haben. Erwachsene werden in der flotten Parade herkömmlicher Albernheiten wenig mehr zum aufrichtigen Schmunzeln finden als in einer durchschnittlichen Episode von POWER RANGERS. Zwar gibt es diverse grobe Gags, die sich auf die Besonderheiten männlicher und weiblicher Anatomie und deren Zusammenspiel beziehen, aber die sind kindisch genug für Kinder und nicht doppelbödig genug um reiferen Zuschauern nennenswerten Mehrwert zu bieten.

Alles an YATTERMAN ist brav. Besonders brav sind die Schurken. Mitunter vergisst man, inwiefern die Doronjo-Bande noch mal böse ist. Dann erinnert man sich an zwei Szenen, in denen sie gutgläubigen Schnäppchenjägern Geld für nicht erbrachte Leistungen aus dem Arm leiern. Die Doronjos sind also ungefähr so böse wie 9Live-Moderatoren. Das wäre freilich böse genug in der richtigen Welt. In der Filmwelt aber erwartet man einen andere Art von Schurken-Bösartigkeit, z. B. auf dem Mars stationierte Atomwaffen mit Zielplanet Erde und tickenden Eieruhren dran. Solche Schurken sind die Doronjos nicht, sie sind eher besser angezogene Butterfahrtveranstalter. Eines aber haben sie mit jedem vernünftigen Filmbösewicht gemein: Sie sind viel interessanter und unterhaltsamer als die blassen Grinsehelden des Films.

Es ist egal, dass ich mir wünsche, anstelle Takashi Miikes hätte ein richtiger Regisseur Regie geführt. Tetsuya Nakashima vielleicht, der daraus ein Pop-Meisterwerk gezaubert hätte. Oder Kenta Fukasaku, der hier bestimmt ein spannendes Abenteuer für Massen jeden Alters hinbekommen hätte. Oder Kazuaki Kiriya, denn der Stoff bietet sich an für sein audiovisuelles Photoshop-Dolby-Gehämmer. Oder Shinya Tsukamoto. Weiß der Teufel, was der daraus gemacht hätte. Oder alle auf einmal. Vielleicht wäre YATTERMAN dann der Angriff auf die Sinne geworden, den der Hype versprochen hatte, der der bunt ausgestattete aber bieder inszenierte Film nicht geworden ist.

Das sind alles Erwachsenenwünsche. Die zählen hier nicht. Wie die Erde haben wir diesen Film von unseren Kindern nur geliehen und wissen nicht so recht, was wir damit anfangen sollen.











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