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WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY (USA 2012)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY
Laufzeit in Minuten. 113

Regie. ROBERT B. WEIDE
Drehbuch. ROBERT B. WEIDE
Musik. -
Kamera. NEVE CUNNINGHAM . ANTHONY SAVINI . NANCY SCHREIBER . BILL SHEEHY . BUDDY SQUIRE
Schnitt. KAROLIINA TUOVINEN . ROBERT B. WEIDE
Darsteller. WOODY ALLEN . LETTY ARONSON . MARSHALL BRICKMAN . DIANE KEATON u.a.

Review Datum. 2012-07-05
Kinostart Deutschland. 2012-07-05

Bevor wir Woody Allen im August in TO ROME WITH LOVE bei der nächsten Etappe seiner Europa-Rundreise begleiten können, werden wir in WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY Zeuge von Robert B. Weides Versuch, Allens beeindruckende Karriere in leicht verdaulicher Form zusammenzufassen - keine leichte Aufgabe: Fast 50 Jahre, in denen Allen als Autor, Standup-Komiker und natürlich Filmemacher Erfolge feierte wollen in unter zwei Stunden gezwängt werden (heruntergekürzt von über drei Stunden, die WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY in der ursprünglichen Fernsehfassung dauerte). Herausgekommen ist ein erwartbar oberflächlicher, manchmal überhasteter, oft aber auch erstaunlich unterhaltsamer - wenn auch, zumindest für Kenner und Fans, nur bedingt informativer - Film.

Dabei betrachtet Weide Woody Allen aus genau dieser Perspektive: Als Kenner und vor allem als Fan. Zwar kommen, neben Darstellern, Mitarbeitern, Co-Autoren und einem Priester, auch Kritiker zu Wort, doch Weide bemüht sich, negative Urteile stets in den Kontext seiner eigenen Sichtweise auf Woodys Karriere zu setzen, die in etwa der verbreiteten Fan-Meinung entspricht, dass Woody Allen mögliche Fehltritte seiner Karriere mit seinem Spätwerk circa ab MATCHPOINT wieder wettgemacht hat. Auch auf die Kontroverse um Allens Affäre mit Soon-Yi Previn, Adoptivtochter seiner damaligen Partnerin Mia Farrow (und Allens heutige Ehefrau), geht Weide zwar pflichtbewusst ein, doch die Episode wirkt in ihrer demonstrativen, vermeintlichen "Objektivität" so deplatziert in diesem Film, der Allen ansonsten geradezu mit Ehrfurcht begegnet, dass es wohl ehrlicher gewesen wäre, sie vollständig zu verschweigen.
Genau diese Ehrfurcht vor Allen und seinem Werk ist wohl auch dafür verantwortlich, dass WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY phasenweise so zäh daherkommt: Nach dem vielversprechenden, äußerst unterhaltsamen ersten Teil, in dem Weide in gut gewählten Ausschnitten (Auftritte in Talkshows, Standup-Material etc.) illustriert, warum in seiner Anfangszeit schnell eine Art Hype um den Komiker Woody Allen entstand, verliert der Film mit dem Beginn von Allens Filmkarriere an Tempo: Lange scheint es, als sähe Weide keine andere Möglichkeit, dem Filmemacher Allen gerecht zu werden, als auf wirklich jeden einzelnen Film (und dessen Rezeption) detailliert einzugehen - wobei er doch nichts zu sagen hat, was der Zielgruppe des Films nicht schon längst bekannt sein dürfte. Bedauerlich, dass der Film auf diese Weise gerade wenn es um Allens wichtigste und beste Filme geht eher ermüdet als informiert oder auch nur unterhält.

Doch mehr und mehr bricht Weide die rein chronologische, von Film zu Film hangelnde Erzählweise auf, um sich im letzten Drittel eher auf die bis dahin lediglich beiläufig behandelte Frage, wie Allen arbeitet, als auf die Ergebnisse dieser Arbeit zu konzentrieren. Das ist gut so, denn wann immer WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY konkret auf Allens Arbeitsweise eingeht, entstehen die besten Momente des Films: Allen bei der Arbeit am Set von ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME über die Schulter zu schauen oder seiner Erklärung zuzuhören, wie er trotz Verzicht auf einen Computer Copy & Paste nutzt, hat für den Fan einen unwiderstehlichen Reiz, ebenso wie die Beschreibungen seiner Philosophie in Sachen Schauspielführung (auf die er offenbar am liebsten einfach verzichtet) von ihm selbst und seinen Darstellern. Wenn WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY so etwas wie ein Best-of-Album ist, sind solche Szenen die B-Seiten und Raritäten, die den Fan, der das Hauptwerk natürlich längst kennt, zum Kauf animieren sollen.

Zu einem Pflichttermin wird WOODY ALLEN: A DOCUMENTARY deshalb selbst für den eingefleischtesten Fan nicht. Wohl aber zu genau der Sorte fluffig-gehaltloser, kurzweiliger Kinounterhaltung, die man mittlerweile von Allens eigenen Filmen gewohnt ist - auf die, sowohl die Klassiker wie auch den kommenden TO ROME WITH LOVE, Weides Film daher auch große Lust macht.











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