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ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME (USA/Spanien 2010)

von Sebastian Moitzheim

Original Titel. YOU WILL MEET A TALL DARK STRANGER
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. WOODY ALLEN
Drehbuch. WOODY ALLEN
Musik. STEFAN KARRER
Kamera. VILMOS ZSIGMOND
Schnitt. ALISA LEPSELTER
Darsteller. ANTHONY HOPKINS . GEMMA JONES . NAOMI WATTS . JOSH BROLIN u.a.

Review Datum. 2010-11-25
Kinostart Deutschland. 2010-12-02

Ein neues Jahr, ein neuer Woody Allen: Viele Worte der Einleitung muss man darüber wohl nicht mehr verlieren. Die Stadt ist diesmal London, was, bedenkt man Allens letzte Filme in dieser Stadt, erstmal wenig vielversprechend ist. Über die Besetzung kann man das nicht behaupten: Von etablierten Schauspielern wie Anthony Hopkins oder Josh Brolin bis zu Jungstar Freida Pinto ließ sich erneut niemand das Angebot entgehen, für Woody Allen zu arbeiten.

Er erzählt, mal wieder, von Menschen, die für die Liebe ihr eigentlich erfülltes Leben ins Wanken bringen - wobei "Liebe" hier auch einfach für die heiße Nachbarin stehen kann. Eben diese (Freida Pinto) beobachtet Roy (Josh Brolin), der Quotenschriftsteller des Films - nur ein weiterer Grund, an seiner ohnehin unbefriedigenden Beziehung mit Sally (Naomi Watts) zu zweifeln. Auch die sieht sich anderweitig um: Ihr neuer Chef, Galeriebesitzer Greg (Antonio Bandes) hat es ihr angetan. Ihre Mutter Helena (Gemma Jones) jedoch schießt den Vogel ab und wird, nachdem ihr Mann Alfie (Anthony Hopkins) sie verlässt, einer Wahrsagerin hörig, an deren Prophezeiungen sie auch ihr Umfeld teilhaben lässt.

Klingt konstruiert und ein bisschen lächerlich und ist es auch. Die Handlung ist eine Farce, die Figuren Karikaturen, daran ändern auch die allesamt gute Arbeit leistenden Darsteller nichts. ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME ist ein Schaulaufen von Allen-Typen, von Charakteren, die wirken wie Parodien auf seine früheren Filme. Zentral ist dabei keine der Figuren und auch für Sympathien (oder Antipathien) ist kein Platz: Das Geschehen auf der Leinwand und seine Akteure sind so beliebig, so austauschbar, dass man gar nicht groß darüber urteilen, geschweige denn mitfühlen möchte. Und dann, wenn es gerade interessant wird, wenn besonders Roy fast zu einer nachvollziehbaren Figur wird, für die auch noch etwas auf dem Spiel steht, hört der Film einfach auf. Bedeuten, so der Erzähler am Ende, soll dass alles ohnehin nichts, warum also auch nicht an dieser Stelle zu den Credits wechseln?

Und doch: ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME unterhält, hat stellenweise sogar wirklich grandiose Momente. So ziellos, so wenig zwingend die Handlung ist, so amüsant sind die einzelnen Szenen, die pointierten Dialoge. Wenn Hopkins‘ Charakter zum ersten Mal seine jüngere Freundin vorstellt (Lucy Punch) und mit süffisantem Erzählerkommentar ihre Vergangenheit als Prostituierte gezeigt wird, wenn Brolins Roy das Buch eines (vermeintlich) toten Kollegen als seins verkauft und sein Verleger das Lob mit einem Verriss aller eigenen Arbeiten Roys garniert, dann ist ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME bissig, dann macht der Film Spaß.

Über die offensichtlichen Schwächen des Films können solche Momente nicht hinwegtäuschen, doch von einem Totalausfall wie CASSANDRAS TRAUM ist Allen mit seinem neusten Film weit entfernt. ICH SEHE DEN MANN DEINER TRÄUME ist angenehm leichtfüßige, wenn auch seichte Kinounterhaltung. Für seinen nächsten Film ist es jedoch wünschenswert, dass Allen wieder echtes Interesse an seinen Figuren zeigt.











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