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CASSANDRAS TRAUM (Großbritannien/USA/Frankreich 2008)

von Rajko Burchardt

Original Titel. CASSANDRA'S DREAM
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. WOODY ALLEN
Drehbuch. WOODY ALLEN
Musik. PHILIP GLASS
Kamera. VILMOS ZSIGMOND
Schnitt. ALISA LEPSELTER
Darsteller. COLIN FARRELL . EWAN MCGREGOR . TOM WILKINSON . CLARE HIGGINS u.a.

Review Datum. 2008-06-01
Kinostart Deutschland. 2008-06-05

Der eine hofiert hübsche Schauspielerinnen mit schnellen Flitzern, der andere ist spiel- und trinksüchtig. Ian (Ewan McGregor) gibt vor, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, Terry (Colin Farrell) bildet sich ein, sein Glück in dubiosen Spielwetten finden zu können. Beide sind Brüder aus der Londoner Arbeitermittelklasse, beide halten zusammen. Ian darf sich die Autos aus Terry Werkstatt leihen, sein Bruder bekommt dafür Rückendeckung bei den Eltern – und auch einen heimtückischen Mord wollen sie gemeinsam durchstehen. Zu dem werden sie angezettelt, der wohlhabende Onkel (Tom Wilkinson) lockt mit großzügiger Vergütung, wenn sie einen lästigen Konkurrenten beseitigen würden. Die Aufgabe verändert die Leben beider: Ian liebäugelt mit dem neuen Wohlstand, während Terry an seinem Gewissen zugrunde geht.

Da wird man ganz schön überrollt, wenn die Schwärze der Leinwand sich plötzlich mit der donnernden Ouvertüre von Philip Glass füllt, ehe ruckzuck die Anfangstitel abgespult werden. Es ist wie immer eine reichlich penetrante Musik, die Glass da in bedrohlich-majestätischer Großspurigkeit hinknallt, aber sie ist auch beklemmend schön, elegant, unheimlich und fatalistisch, erinnert an kühle harte Noir-Kompositionen und ist mit Sicherheit das Beste, was ein Woody-Allen-Film musikalisch zu bieten haben dürfte. Damit wäre dann auch schon alles Gute gesagt über CASSANDRAS TRAUM, Allens neuem und nach MATCH POINT und SCOOP drittem englischen Film, der ein wenig wie die britische Light-Version von Patricia Highsmiths "The Talented Mr. Ripley" wirkt.

Rührend ist's zwar, dass Allen hier zwei Sunny Boys ins Verderben rennen lässt, und hübsch anzusehen ebenso, immerhin geben McGregor und Farrell ein schniekes Brüderpärchen ab, dem man nur alles Beste wünschen kann. Aber der Film interessiert sich nicht die Spur für sie, und so ist es auch egal, ob sie den Coup über die Runden bringen, unbeschadet überstehen und mit reiner Weste aus der Sache herauskommen werden. CASSANDRAS TRAUM ist ein ziemlich tristes, unausgegorenes Thriller-Drama, das unbeholfen, staksig und kraftlos von Menschen und Lebensstilen erzählt, zu denen es nicht nur keinen Zugang findet, sondern von denen es auch keine wirkliche Ahnung zu haben scheint. Man könnte den Film als das unenglischste bezeichnen, was englische Schauspieler vor englischen Kulissen so hinbekommen können, inszeniert von einem ewigen Plappermaul, das mit seinen Arbeiten seit Dekaden nichts Handfestes mehr anzubieten hat.

Und während CASSANDRAS TRAUM seine Schuld-Sühne-Geschichte mit bemerkenswerter Langweiligkeit erzählt, schwankt er unentschlossen zwischen Krimi, schwarzer Komödie und der bitteren Abrechnung mit Familienzwängen. Nichts davon gelingt Allen, der aller Altersmilde zum Trotz wie immer verlässlich ist, wenn seine Figuren – die keine sind, sondern Schauspieler – sich aus jeder unfertigen Szene mit zahlreichen Dialogen herausreden dürfen. Nebensache also, dass der Film von Vilmos Zsigmond extravagant photographiert ist (und für diesen schicksalhaften Stoff wesentlich zu extravagant, hell und freundlich), und ab und an seinen hübsch-komplexen Glass-Score mit ins Spiel bringen darf, wenn es doch nur ein weiterer geschwätziger Allen ist, bei dem es um nichts geht. Außer vielleicht dem ultimativen Prinzip der Vorhersehbarkeit: Und da sich hier bereits der Titel geständig zeigt, sollte man mit derlei Laberkino vielleicht auch gnädig sein.











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