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VIRAL (USA 2016)

von André Becker

Original Titel. VIRAL
Laufzeit in Minuten. 85

Regie. HENRY JOOST. ARIEL SCHULMAN
Drehbuch. BARBARA MARSHALL . CHRISTOPHER LANDON
Musik. ROB SIMONSEN
Kamera. MAGDALENA GORKA
Schnitt. RON DULIN . WILLIAM YEH
Darsteller. SOFIA BLACK-D'ELIA . ANALEIGH TIPTON . MICHAEL KELLY . TRAVIS TOPE u.a.

Review Datum. 2017-07-17
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Ein B-Movie im Strudel der Referenzen. VIRAL hat dabei die ganz großen Namen im Visier: Romero (THE CRAZIES), Siegel (INVASION OF THE BODY SNATCHERS) und Cronenberg (SHIVERS) sind die Vorbilder, denen der Film recht unverhohlen nacheifert. Das allein ist nicht weiter erwähnenswert, sind die angepeilten Themen doch seit Jahren beliebte Narrative unzähliger mehr oder minder gelungener Genre-Auswüchse unterschiedlicher Budget-Klassen. Auch das fast vollständige Fehlen eigener Ideen ist nicht weiter ungewöhnlich, in diesem Fall aber mitverantwortlich dafür, dass bei der Produktion aus den nach wie vor immens erfolgreichen Blumhouse-Studios (GET OUT, NERVE, THE VISIT) wirklich gar nichts hängen bleibt.

Wie so oft spielt die Rahmenhandlung im gutbürgerlichen Mikrokosmos der amerikanischen Suburbs. Dort leben die zwei Schwestern Emma (Sofia Black-D'Elia) und Stacey (Analeigh Tipton) ein eher unaufgeregtes Leben, bei dem allerhöchstens die nächste Schwärmerei für ein wenig Nervenkitzel im Teenager-Dasein sorgt. Die heile Vorstadtwelt gerät allerdings komplett aus den Fugen als ein mysteriöses Virus ausbricht und die Einwohner in blutrünstige Wesen verwandelt. Als die Stadt unter Quarantäne gestellt wird, beginnt für die Schwestern ein schier endloser Alptraum, der sie nicht nur enger zusammenschweißt, sondern auch ihre Kämpfernatur zum Vorschein bringt.

VIRAL mangelt es in erster Instanz vor allem an einer durchdachten Dramaturgie. Bereits der Beginn verläuft schleppend. Die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman verplempern eine gefühlte Ewigkeit damit den Highschool-Alltag ihrer Figuren nachzuzeichnen, das alles vollgestopft mit nervigen Klischees und schon dutzendfach gesehenen Konflikten (der obercoole Boyfriend einer der Schwestern hält nicht wirklich viel von Monogamie). Bei der eigentlichen Bedrohung angekommen bleibt die Inszenierung wiederum viel zu zurückhaltend. Soll heißen: Echte Spannung oder sonstige Höhepunkte sind Mangelware im zäh dahinsiechenden Handlungsverlauf der Mixtur aus Body-Horror, Belagerungs-Thriller und Zombiefilm-Motiven.

Insofern muss man den Film wohl wenig schmeichelhaft als Horror im Schonwaschgang bezeichnen. Besonders ärgerlich ist dabei, dass die produktionsseitige Ausgangslage scheinbar gar nicht so übel war. Die wenigen Effekte sind nämlich einigermaßen vorzeigbar und zeigen, dass hier durchaus der eine oder andere Dollar verbraten wurde. Dass die Produktion mit ungewöhnlich starken und ordentlich gespielten Frauenrollen aufwartet ist zwar interessant, wird jedoch vom Skript nur unzureichend genutzt und taugt kaum als Alleinstellungsmerkmal. Es hilft alles nichts. VIRAL ist in etwa so aufregend wie die Lektüre der Gala, zu der man im Wartezimmer beim Arzt verdammt ist. Dann doch lieber zum hundertsten Mal die Klassiker sichten, oder mit einem der zahllosen inspirationslosen, aber immerhin kurzweiligen Kopien Vorlieb nehmen.

Der Film ist ab dem 21.07.2017 als DVD und Blu-ray von Capelight erhältlich.











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