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VERFLUCHT (USA 2005)

von Hasko Baumann

Original Titel. CURSED
Laufzeit in Minuten. 99

Regie. WES CRAVEN
Drehbuch. KEVIN WILLIAMSON
Musik. MARCO BELTRAMI
Kamera. ROBERT MCLACHLAN
Schnitt. PATRICK LUSSIER . LISA ROMANIW
Darsteller. CHRISTINA RICCI . JOSHUA JACKSON . JESSE EISENBERG . MYA u.a.

Review Datum. 2005-06-24
Kinostart Deutschland. 2005-07-21

Don't mess with the Weinsteins. Obwohl Wes Craven den (damaligen) Miramax-Brüdern mit seiner lukrativen SCREAM-Trilogie ordentlich die Kassen vollgespült hat, machten ihm die umstrittenen Herzileins die Produktion von VERFLUCHT zur Hölle. Zu heftig, das Ende zu blutig, hieß es nach der ersten Runde, und so traf Cravens Film ein ähnliches Schicksal wie kürzlich Paul Schraders EXORCIST-Prequel. Der Großteil der - durchaus reizvollen - Besetzung, darunter Mandy Moore, Illeana Douglas, Heather Langenkamp, Robert Forster, Omar Epps und Corey Feldman, wurde für den Nachdreh ausgetauscht. Ein Nachdreh mithin, der mehr als die Hälfte des Films betraf. Von Kevin Williamsons Drehbuch blieb auch nicht mehr viel übrig, Skeet Ulrich suchte nach den Veränderungen in seiner Rolle auch lieber das Weite. Im Grunde blieb als Konstante nur das Werwolf-Thema und die Hauptdarstellerin Christina Ricci, die ihrerseits den Part bereits von Angelina Jolie übernommen hatte. Nach satten zwei Jahren war es dann Zeit für den Kinostart dieses von Hollywoods Wölfen gerissenen Films. Wes Craven tauchte noch nicht einmal in den studioeigenen Making Ofs auf - eigentlich wäre das ein Fall für Alan Smithee gewesen.

Ganz so schlimm ist das Ergebnis in weiten Teilen dann aber doch nicht. Nach einem schweren Autounfall versuchen die Geschwister Ellie (Ricci) und Jimmy (Eisenberg) die verunglückte Becky (sieht echt nicht gut aus: Shannon Elizabeth) zu retten, aber eine Art Wolf geht dazwischen und reißt Becky in zwei Hälften. Auch Ellie und Jimmy werden in Mitleidenschaft gezogen, und wie Jimmy bald herausfindet, sollten sie sich in Vollmondnächten auf gewisse Veränderungen einstellen.

Williamsons Drehbuch hat einige gute Ansätze, die besten sind vergleichbar mit Mike Nichols' großartigem WOLF: Er platziert die Hauptfigur Ellie in der ohnehin von Wölfen bevölkerten Welt des Fernsehens, wo sie als Assistentin in der "Late Late Show with Craig Kilborn" (die Show gibt bzw. gab es wirklich, und Kilborn spielt sich selbst) arbeitet. Ellies neu gewonnene raubtierhafte Allüren und ihre sexuelle Unwiderstehlichkeit machen sich in diesem Umfeld natürlich gut. Allerdings werden diese Aspekte in keiner Form entwickelt, ebenso wenig Jimmys Wandlung vom Prügelknaben zum Macho. Stattdessen hagelt es Schwulenwitze, über die man schon zu Zeiten der POLICE ACADEMY die Nase gerümpft hätte. So kann der Film das Interesse nicht recht halten und gleicht dies auch zu selten durch Horror aus.

Craven, zunächst noch an einer stimmigen Atmosphäre interessiert, geht nach etwa einer Stunde die Luft aus. Das nachgedrehte Finale in einem Hollywood-Memorabilia-Kabinett gibt nichts her und gipfelt in unangebrachter Hauruck-Komik: Ein beleidigter Werwolf zeigt den Stinkefinger. Der Showdown interessiert nicht, und die Schlußszene ist schlicht indiskutabel. Der Wunsch der Weinsteins, ein PG-13-Rating zu erreichen, verhindert jegliches Aufkommen von Intensität. Bei den Effekten geht die Oldschool des Werwolf-erprobten Rick Baker eine mehr als unglückliche Symbiose mit billigen CGI ein, und Blut hat man sich für unrated- und Auslandsfassungen aufgespart. Am Ende bleibt nur Christina Ricci positiv in Erinnerung, die überzeugend spielt und zu einer sehr schönen Frau gereift ist.

Eine unglückliche Episode in Cravens Karriere, die hoffentlich mit RED EYE wieder einen Aufschwung erlebt.











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