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URBAN EXPLORER (Deutschland 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. URBAN EXPLORER
Laufzeit in Minuten. 88

Regie. ANDY FETSCHER
Drehbuch. MARTIN THAU
Musik. ROBERT HENKE . STEVEN SCHWALBE
Kamera. ANDY FETSCHER
Schnitt. ANDY FETSCHER
Darsteller. NATHALIE KELLEY . MAX RIEMELT . NICK EVERSMAN . KLAUS STIGLMEIER u.a.

Review Datum. 2011-10-04
Kinostart Deutschland. 2011-10-20

Manche Filme haben tolle Konzepte. Dieser hier zum Beispiel: Eine Gruppe internationaler Touristen lässt sich von einem jungen Berliner auf ziemlich illegale Weise die Berliner Unterwelt zeigen. Das ist deshalb toll, weil die Bunker und Tunnel unter der Hauptstadt bisher eher selten eine Rolle auf der Leinwand gespielt haben und das angesichts der subterranen Hinterlassenschaften der beiden letzten Diktaturen (also der Nazis und der SED) wie eine verschenkte Chance wirkt. Umso größer ist natürlich die Vorfreude, wenn sich dann endlich mal ein Film an dieses Thema heranwagt und die in den märkischen Sand gerammten Betonhöhlen zum Gegenstand seiner Betrachtungen macht. Dafür also muss man Regisseur Andy Fetscher danken. Und auch dafür, dass er mit dem Sprachgewirr seines internationalen Casts arbeitet und nicht einfach alles stupide synchronisieren, sondern lieber untertiteln lässt.

Doch noch bevor URBAN EXPLORER damit auch nur ansatzweise etwas auf der Haben-Seite verbuchen kann, geht er einem schon stilistisch so auf den Sack, dass die positiven Eindrücke keine Chance haben. Es ist nämlich angesichts des Handkameragewackels wirklich schwer dem Film in den ersten Minuten zu folgen. Und das nicht nur, weil man sich sehr stark auf die Bilder konzentrieren muss, damit einem nicht schlecht wird, sondern auch, weil man sich unweigerlich die Frage stellt, ob Herr Fetscher (der hier Kameramann, Regisseur und Cutter in Personalunion war) an einem krankheitsbedingten Tremor leidet oder ob das sowas wie "Kunst" sein soll. Mal ganz im Ernst: Innerhalb der Dogma95-Reihe war übertriebenes Gewackel noch ein Statement, in found-footage-Filmen eine logische Konsequenz aus den Drehbedingungen, aber hier ist es schlicht prätentiöses arty-farty-Getue.

Apropos Getue: Der Film tut mehrmals so als hätte er eine größere Story zu verkaufen und schießt sich damit ins eigene Bein (spoiler alert): Die angedeuteten falschen Fährten mit Neonazis und Nazi-Mutanten sind allemal besser als der x-te Aufguss eines psychopathischen Serienkillers, der aus dramaturgischen Gründen nicht sterben kann. Es zeugt geradezu von einer erbärmlich verkümmerten Kreativität, wenn man unzählige, deutlich bessere Wendungen andeutet, nur um dann doch wieder auf den ausgelatschtesten Pfad aller Pfade zurückzukehren. Dabei hätte der Film gar nicht mal mutierte Nazis und Reichsflugscheiben gebraucht, um deutlich mehr zu rocken, sondern ein Netzwerk aus BRD- und Kapitalismushassern, aus DDR-Verehrern und Alt-Stasis hätte es auch getan. URBAN EXPLORER aber kommt mit einem folternden Psycho daher, der mordet, weil er durchgedreht ist. Das ist - wenn man schon so eine Hintergrundgeschichte mit der Stasi und Sonderaufträgen aufbaut - dermaßen platt und peinlich, dass selbst die uninspirierte Wendung in HELL wie eine Offenbarung erscheint.

Am Ende hilft es dem Film auch nicht, dass er da, wo er seiner Folterpornographie frönt, ordentlich auf die Kacke haut und den Gorebauern dieser Welt ein paar "schöne" Bilder liefert. Wenn es nämlich ordentlich zu suppen beginnt und die mitunter gar nicht mal so schlechten Schauspieler das Zeitliche segnen, dann hat einen der Film schon längst ob seiner Klischeehaftigkeit und der daraus resultierenden Langeweile gänzlich verloren.
Fazit: Tolle Grundidee, miese Wendungen, anstrengende Inszenierung und am Ende der jämmerliche Versuch, das Horrorfilmpublikum mit ein paar schicken Effekten doch noch für sich zu gewinnen = verzichtbar.











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