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UNTRACEABLE (USA 2008)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. UNTRACEABLE
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. GREGORY HOBLIT
Drehbuch. ROBERT FYVOLENT . MARK BRINKER . ALLISON BURNETT
Musik. CHRISTOPHER YOUNG
Kamera. ANASTAS N. MICHOS
Schnitt. DAVID ROSENBLOOM
Darsteller. DIANE LANE . BILLY BURKE . COLIN HANKS . JOSEPH CROSS u.a.

Review Datum. 2008-03-17
Kinostart Deutschland. 2008-04-03

UNTRACEABLE gehört zur schlimmsten Kategorie Film überhaupt: Er ist alles andere als gut, er ist aber auch nicht so schlecht, dass man sich nach dem Kinobesuch so richtig schön aufregen kann, nein, nach UNTRACEABLE wummert ihn einem vor allem das Gefühl, dass soeben 100 Lebensminuten förmlich an einem vorbeigeschwebt sind und nichts, aber auch gar nichts zurückgelassen haben. Gregory Hoblits neuer Film hat diesen typischen Effekt, der vor allem bei Fernsehgucker bekannt sein dürfte, die gerne zappen: Irgendwie - hier vor allem dank der ordentlichen Besetzung - bleibt man kleben, aber eine halbe Stunde später weiß man schon gar nicht mehr, was da eigentlich war.
Und das liegt vor allem daran, dass UNTRACEABLE in erster Linie ein furchtbar biederer, lieblos runtergeschrubbter Krimi ist, der eher ins Privatfernsehen als auf die große Leinwand gehört.

Das Böse killt via Internet: Ein durchgeknallter Irrer steckt seine Opfer in ausgefeilte Todes-Apparaturen, überträgt das Geschehen per Webcam ins Netz und lässt seine Webseiten-Besucher am Geschehen teilhaben: Umso mehr Klicks, umso schneller tritt der Exitus ein. Wer angesichts des Plots schon die gesellschaftskritische Moralkeule auf die Köpfe des Publikums donnern sieht, hat leider Recht: Ähnlich plump wie in Scott Wipers letztjährigem Dumpfbackenfilm DIE TODESKANDIDATEN wird hier auf einfältige Art und Weise moralisiert und genauso wie bei Wiper geht man dabei äußerst bigott vor, denn der Film interessiert sich für nichts anderes als für seinen Killer und seine "originellen Morde". Das geschieht zwar nicht ganz so explizit wie bei Kollege Jigsaw und anderen Folterfilm-Vertretern, aber drumherum wird ähnlich wenig geboten: Die an sich gute Besetzung strampelt sich verzweifelt ab, ihren eindimsionalen Pappkameraden Leben einzuhauchen, das Drehbuch aber ist gnadenlos und lässt selbst die innere Welt unserer symphatischen Heldin in wenigen, kurz angerissenen Szenen verkümmern. Der Antagonist (ein 20jähriges Bübchen, welches mit seinem Technik-Know-How eine WELT DER WUNDER-Staffel im Alleingang bestreiten könnte) wird nach viel zu kurzer Zeit schon vorgestellt, die Antwort auf die "Wie schnappen Sie ihn?"-Frage zaubern die Drehbuchautoren in einem hanebüchenen Plot-Einfall gegen Ende aus dem Hut und anstatt den Film dann auch zu beenden folgt noch ein völlig unnötiger Schlussakt, der auch nur für Leute aufregend oder überraschend ist, die die letzten 20 Jahre beim Ziegenmelken in den Schweizer Alpen zugebracht haben.

Bemerkenswert ist UNTRACEABLE eigentlich nur in zweierlei Hinsicht: Zum einen dürfte es hier die erste GUINEA PIG-Anspielung in einem Mainstream-Film geben und zum anderen spricht in einer wunderbaren Szene, die bei der Pressevorstellung zu Recht mit Gelächter quittiert wurde, ein Charakter das aus, was Zuschauer bei High Tech-Thrillern öfter denken: Als Diane Lane ihren Vorgesetzten mit Computer-Kauderwelsch bombardiert, guckt dieser sie teilnahmslos an und meint: "Ich hab leider keine Ahnung, von was sie da reden."











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