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UNTER KONTROLLE (USA/Deutschland 2008)

von Claudia Siefen

Original Titel. SURVEILLANCE
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. JENNIFER CHAMBERS LYNCH
Drehbuch. KENT HARPER . JENNIFER CHAMBERS LYNCH
Musik. TODD BRYANTON
Kamera. PETER WUNSTORF
Schnitt. DARYL K. DAVIS
Darsteller. JULIA ORMOND. BILL PULLMAN . PELL JAMES . RYAN SIMPKINS u.a.

Review Datum. 2008-07-14
Kinostart Deutschland. 2008-07-17

Willkommen in "Lynch-Country", einer weiten Landschaft im nordamerikanischen Mittelwesten, wo man ohne Auto aufgeschmissen ist. Der grundlegende Kommentar ist und bleibt der des Sohnes in einer Familienkutsche, der sich nach ungläubiger Betrachtung von pointierten Demütigungen seiner Eltern seitens zweier Polizeibeamter nur ein fasziniertes Wenn ich groß bin, will ich Polizist werden abringen kann.

Autos, endlose Landschaft, Staatsmacht ad absurdum. Direkt vorneweg: der Film ist grandios, hat durchaus seine schwachen, dümmlich inszenierten Stellen, und besticht aber durch eine famose Schauspiel- und Lichtführung. Lynch (BOXING HELENA, 1993) gelingt eine beeindruckende Demaskierung von schon als selbstverständlich hingenommenen inszenatorischen Pointen und die Infragestellung von sozialen Bündnissen. In all dem flirrenden Licht wähnt man sich in einem Kammerspiel als die beiden FBI-Mitarbeiter Elizabeth Anderson und Sam Hallaway (Ormond und Pullman) in den Hinterwald geschickt werden, um eine blutrünstige Mordserie aufzuklären. In der sicheren Abgeschiedenheit treffen sie auf Polizisten, die man durchaus liebevoll als durchgeknallte Landeier bezeichnen kann. Jeder wäre ach so gerne, wenn er doch nur könnte, bitte schon!

Die beiden Städter können ihre Überheblichkeit nur schwer verbergen, wollen aber mitten im Nirgendwo für Gerechtigkeit und Aufklärung sorgen. Als Zeugen stehen ihnen dabei zunächst ein Polizist, eine Frau und ein kleines Mädchen zur Verfügung. Doch die Resultate der ersten Interviews sind alles andere als deckungsgleich und der Zuschauer bekommt etwas völlig anderes zu sehen, als das, was im Interview zögerlich und stockend berichtet wird. Verklemmtheit, Drogen, Lügen und Alkohol, sexueller Frust und Selbstverleumdung: Lynch ist dennoch in der Lage, für ihre Charaktere Sympathie entstehen zu lassen. Die versoffene Bobby Prescott (Pell James ZODIAC, 2007) zum Beispiel, ist stellenweise einfach nur zauberhaft in ihrer großen zärtlichen Zuneigung zu ihrem Saufkumpanen. Polizisten, die aus purer Langeweile schon mal unbescholtene (?) Bürger belästigen und dabei die Macht der Uniform genießen (ein wenig YMCA mit Kent Harper) gibt es genauso wie ein kleines Mädchen, das mit einer hoch akkuraten Zopffrisur schon für optische Verwirrung sorgen kann. Lynch fügt das alles zum Ende hin nahtlos zusammen, jeder Stich sitzt: man muss einfach nur das überdenken, was man tatsächlich auch zu sehen bekommt.

"Wenn ich groß bin, will ich..." - ein Satz der ewig Kindgebliebenen. In SURVEILLANCE üben sich alle in ihren Rollen, spielen vor sich hin, schießen in die Luft und träumen sich als verwegene Lebensretter oder lässige Kriminelle. Sie spielen auch Familienväter, die glückliche Mama, den coolen Agenten. Die einzige, ausgerechnet, die sich nicht im Sandkästen wähnt, ernst drein blickt und auch sonst jeden Geste und jeden Ton im Auge behält, ist die kleine Stephanie (Ryan Simpkins). Zwei knallharte blonde Zöpfe, die die Unbeirrbarkeit und Strenge ihrer Trägerin klar umreißen. Und ihr gibt Lynch am Ende sogar Recht: auf der ganzen Linie.











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