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UNSTOPPABLE - AUSSER KONTROLLE (USA 2010)

von Marc Zeller

Original Titel. UNSTOPPABLE
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. TONY SCOTT
Drehbuch. MARK BOMBACK
Musik. HARRY GREGSON-WILLIAMS
Kamera. BEN SERESIN
Schnitt. ROBERT DUFFY . CHRIS LEBENZON
Darsteller. DENZEL WASHINGTON . CHRIS PINE . ROSARIO DAWSON . ETHAN SUPLEE u.a.

Review Datum. 2010-11-10
Kinostart Deutschland. 2010-11-11

Tony Scott ist ein Genre-Regisseur, wie er im Buche steht. Dass Action sein Metier ist, stellte der jüngere Bruder von Ridley Scott bereits mit seinem Durchbruchsfilm TOP GUN unmissverständlich klar. Besonders in den 1990er Jahren feierte er mit seiner Vorliebe für Filme mit Wumms beachtliche Kassenerfolge, in jüngerer Zeit kam jedoch keiner seiner Filme über gepflegtes Mittelmaß hinaus. Doch Scott macht munter weiter: UNSTOPPABLE ist wieder ein Actionfilm. Und dieses Mal sogar ein sehr gelungener.

Unglückliche Umstände und menschliches Versagen sind die Auslöser für ein Horrorszenario im Bahnverkehr: Ein Zug mit hochexplosiver und sehr giftiger Ladung setzt sich unkontrolliert in Bewegung und rast führerlos und mit Vollgas durch Pennsylvania. Endstation dürfte, so die Befürchtung, die Stadt Stanton sein, in der der Zug durch eine enge Kurve muss, die unmöglich mit hoher Geschwindigkeit durchfahren werden kann. Eine gewaltige Katastrophe wäre die Folge, wenn der Zug hier entgleisen würde. Als mehrere Versuche, die Bombe auf Schienen zu stoppen scheitern, gibt es nur noch eine Hoffnung: Die ungleichen Lokomotivführer Frank (Denzel Washington) und Will (Chris Pine), die mit ihrem Zug gerade in der Nähe sind. Ihr waghalsiger Plan: Sie wollen den unbemannten Zug einholen und bei voller Fahrt einkoppeln, um die Kontrolle zurückzuerlangen ...

Dass UNSTOPPABLE auf einer tatsächlichen Begebenheit basiert, ist die Wahrheit - aber nur die halbe. Den Zug mit der explosiven Ladung gab es wirklich, und er war unbemannt, wenn auch nur für ein paar Stunden. Den Rest, zum Beispiel die extreme Geschwindigkeit, hat Autor Mark Bomback (STIRB LANGSAM 4.0) hinzuerfunden. Und das ist auch gut so: Der Film ist ein temporeiches Stück altmodisches Actionkino, Helden und Herzschmerz inklusive, das über weite Strecken alles richtig macht.

Wie eine Lokomotive braucht der rasante 90-Minüter auch eine kurze Anlaufzeit: Der gediegene Anfang stellt an verschiedenen Schauplätzen die wichtigen Charaktere vor. Dieser Teil, der immer wieder von Scottschen Kamera- und Schnittspielereien unterbrochen wird, in der typisch grobkörnigen Optik, die man seit DOMINO hassen gelernt hat, ist der schwächste des Films. Dann aber geht's zur Sache: Schulkinder auf Kollisionskurs, Kabbeleien zwischen den Protagonisten, skrupellose Wirtschaftsbosse, Helikopter-Rettungsaktionen, kreischende Sirenen und umherheizende Polizeiautos allerorten - in UNSTOPPABLE gibt es keine Atempausen. Gut getimt, schnell und aufregend geschnitten, voller vorhersehbarer - aber effektiver! - Zuspitzungen; das alles lässt keine Zeit zum Verschnaufen oder gar Nachdenken. Zum Glück, denn die ununterbrochene Dramatik und die hochgezüchtete Action verbirgt geschickt, dass Scott ab und an doch die Logik abhandenkommt und dass vieles, was am Rande der Strecke passiert, mächtig überkonstruiert ist.

Die Charakterkonstellation - alter Haudegen meets junger Heißsporn - mutet gänzlich uninnovativ an, und das ist sie auch. Aber sie funktioniert. Und sie rettet den Film gegen Ende, wenn Scott mit dem begleitenden Newszirkus ins Sozialkritische abzugleiten droht, sich Extremereignisse zu einem Overkill auftürmen und das Skript das Heldenpathos zu Bergen stapelt. Dann sind es nicht mehr Action und Style; dann ist es die Sympathie für die Protagonisten, die Scotts außer Kontrolle geratenen Film vor dem Entgleisen bewahrt.

Klingt nach faulen Kompromissen, nach Schöngerede, aber weit gefehlt. UNSTOPPABLE ist gnadenlos spannend und somit - dem Genre entsprechend - auch richtig gut, trotz oder gerade wegen der Schwächen, die mit den Stärken konsequent niedergebügelt werden. Geradlinig, ohne Firlefanz, schnell und mit Schauwerten vollgestopft: Im Zeitalter von verschwurbelten Storylines und aufgesetzter Politisierung ist so viel Kurzweil wahrlich eine willkommene Erfrischung.











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