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UNDER THE SILVER LAKE (USA 2018)

von André Becker

Original Titel. UNDER THE SILVER LAKE
Laufzeit in Minuten. 139

Regie. DAVID ROBERT MITCHELL
Drehbuch. DAVID ROBERT MITCHELL
Musik. DISASTERPEACE
Kamera. MICHAEL GIOULAKIS
Schnitt. JULIO PEREZ
Darsteller. ANDREW GARFIELD . RILEY KEOUGH . CALLIE HERNANDEZ . PATRICK FISCHLER u.a.

Review Datum. 2018-12-04
Kinostart Deutschland. 2018-12-06

Und was hat das alles zu bedeuten? Diese Frage schwirrt nicht nur dem Hauptprotagonisten im Kopf herum, sondern beschäftigt auch den Zuschauer beim neuen Film von David Robert Mitchell das eine oder andere Mal. UNDER THE SILVER LAKE setzt auf maximale Verwirrung. Zur Freude des Publikums.

Mitchell bewies mit dem furiosen Meta-Horror IT FOLLOWS das in ihm ein höchst talentierter Filmemacher steckt. Man durfte daher gespannt sein, für welche Richtung sich der Regisseur bei seinen nachfolgenden Projekten entscheidet. Und soviel kann bereits an dieser Stelle verraten werden: Mitchells neuestes Werk ist keine Enttäuschung.

UNDER THE SILVER LAKE ist ein Film über Los Angeles. Ein Film über all die Trugbilder, Geheimnisse und versteckten Winkel der kalifornischen Metropole. Nachdem Mitchell in IT FOLLOWS die Vorstadt mit ihren soziokulturellen Bedeutungsebenen in den Blick nahm, richtet er sein Interesse nun also auf ein urbanes Setting. Das im Film abgebildete Los Angeles ist zwar scheinbar im Hier und Jetzt angesiedelt, die starken Bezüge zur Populärkultur der vergangenen Jahrzehnte führen allerdings dazu, dass Mitchells Los Angeles eine Realität neben der zeitgeschichtlichen Realität beinhaltet. Wohl wissend das die Vergangenheit nun einmal die Vergangenheit ist. Bezeichnenderweise läuft dann in einer Szene auch ein Song der Band R.E.M im Rahmen einer Oldie-Party in einem bizarren Club unter der Stadt. Mit dieser starken Perspektive zurück in die goldenen Jahre von Pop, Gegenkultur und subversiver Kunst schafft die Produktion somit eine Art Antithese zu INGRID GOES WEST, dem anderen großen L.A.-Film der letzten Jahre und seiner stark gegenwartsbezogenen Überbetonung von Social Media und durchdigitalisierter Lebensführung.

Die Handlung gleicht einem Flickenteppich, dem permanent neue Einzelteile hinzugefügt werden. Was zunächst im Zentrum steht, nämlich das Verschwinden einer jungen Frau, ist für den Regisseur lediglich ein Vorwand für das Hinzufügen weiterer Puzzleteile. Nach einer gemeinsamen Nacht mit der besagten Dame ist es für Sam (überzeugend gespielt von Andrew Garfield) zunächst eine Herzensangelegenheit seine neue Bekanntschaft wiederzufinden. Im Laufe seiner verbissenen Suche wird ihm jedoch klar, dass er einem innerstädtischen Geheimnis auf der Spur ist. Sam muss sich in der Folge mit aggressiven Stinktieren, randalierenden Teenagern und einer mysteriösen Girl-Gang herumschlagen. Gleichzeitig stellen ihn versteckte Botschaften auf z.B. Cornflakes-Packungen und in Hippie-Songs vor immer neue Aufgaben und Rätsel.

David Robert Mitchell hetzt seine Hauptfigur mit großer Fabulierlust von Szene zu Szene. Was, wieso genau passiert und wie letztlich alles zusammenhängt formuliert der Regisseur bis zum Schluss mit überlebensgroßen Fragezeichen. Sein Film folgt zwar den Pfaden einer klassischen Detektivgeschichte, belässt die dort eingeschriebene Struktur aber komplett durchlässig. Die jeweils neuen Enthüllungen und Entdeckungen führen nicht notwendigerweise nach vorn, sondern teilweise wieder zurück. In Richtung eines großen Ganzen, dass vom Drehbuch aber grundsätzlich so vage gelassen wird, dass auch hier der Weg eher das Ziel ist und der Interpretationsspielraum fußballfeldgroß.

Hirngespinst, schlechter Trip oder doch eine jahrzehntelange vorbereitete Verschwörung? UNDER THE SILVER LAKE konkretisiert seine Codes und Chiffren selten, versöhnt am Ende aber dennoch mit einem Schluss, der sein Publikum nicht völlig allein lässt. Bis dahin wird man Zeuge einer atemlosen L.A.-Story, die mit ihren zahllosen Referenzen an Pop und Zeitgeist nicht nur die Beschreibung von urbanen Milieus sondern darüber hinaus auch die Geschichte eines Sehnsuchtsortes erfrischend andersartig aufrollt.











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