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IT FOLLOWS (USA 2014)

von André Becker

Original Titel. IT FOLLOWS
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. DAVID ROBERT MITCHELL
Drehbuch. DAVID ROBERT MITCHELL
Musik. DISASTERPEACE
Kamera. MICHAEL GIOULAKIS
Schnitt. JULIO C. PEREZ IV
Darsteller. MAIKA MONROE . KEIR GILCHRIST . DANIEL ZOVATTO . OLIVIA LUCCARDI u.a.

Review Datum. 2015-07-08
Kinostart Deutschland. 2015-07-09

Wie so oft im Horror-Genre sind in IT FOLLOWS Sexualität und Tod eng miteinander verknüpft. Diesbezüglich gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied. Der Akt selbst ist sowohl todbringender Auslöser, als auch Rettungsanker. Ein dramaturgischer Kniff den Regisseur und Drehbuchautor David Robert Mitchell sehr kreativ einsetzt. Es ist jedoch nicht nur die geschickt gestaltete Mehrdeutigkeit mit der die, auf mehreren Festivals umjubelte, Produktion zu überzeugen weiß, sondern erfreulicherweise stimmt hier das Gesamtpaket.

Als die 19-jährige Jay (Maika Monroe) mit ihrem neuen Freund Hugh nach dem Kino das erste Mal Sex hat, ahnt sie noch nicht das ihr Leben bald zu einem furchtbaren Alptraum wird. Ihr Lover eröffnet ihr kurz nach dem Koitus, dass er seit dem Geschlechtsverkehr mit einer Unbekannten von einer mysteriösen Macht verfolgt wird, die darauf aus ist seinem Dasein ein Ende zu bereiten. Hugh ist zudem fest davon überzeugt sich diese Bedrohung durch die Weitergabe (sprich: die sexuelle Übertragung) vom Hals zu schaffen. Jay glaubt ihm nicht, wird aber schnell eines Besseren belehrt als sie eine Erscheinung wahrnimmt, vor der sie in allerletzter Sekunde flüchten können. Nach mehreren Tagen im Krankenhaus kehrt langsam der Alltag in das Leben der jungen Frau zurück. Die ersten Anzeichen der dunklen Bedrohung lassen allerdings nicht lange auf sich warten. Zusammen mit ihrer Clique versucht Jay Mittel und Wege gegen das lebensbedrohliche Grauen, das in immer neuen Erscheinungsformen auftaucht, zu finden.

Der Indie-Horrorfilm IT FOLLOWS nimmt verschiedene Anleihen bei den Klassikern des Genres (von David Cronenberg, über John Carpenter bis hin zu Wes Craven) und formt daraus eine stilsichere Schauergeschichte mit einer hochgradig beängstigenden Stimmung. Die Schreckensbilder, die bereits in den ersten Filmminuten über die Leinwand flimmern sind dabei Vorbote eines düsteren Angst-Szenarios, welches zwischen klassischer, eine innere Unruhe ausstrahlender Gruselatmosphäre und Elementen des Body-Horrors pendelt. David Robert Mitchell arbeitet diesbezüglich meist mit kurzen, aber äußerst effizient eingefädelten, unberechenbaren Schocks. Lediglich vereinzelt greift er in diesem Zusammenhang auf drastische Bilder (Stichwort: Körperflüssigkeiten) zurück. Es sind jedoch diese Sequenzen, die klar machen, dass der Film seinen Ursprung nicht im konservativen Mainstream hat.

Natürlich setzt sich die Produktion aufgrund ihrer Thematik ebenfalls mit dem Thema Sexualität (bzw. übergeordnet mit Promiskuität) auseinander. Mitchell verweigert hier allerdings eindeutige (moralisierende) Positionen. Stattdessen wird ein durchaus vielschichtiges Bild jugendlicher bzw. postadoleszenter Lebenswelten mit all ihren Irrungen und widersprüchlichen Sehnsüchten entworfen, das der Regisseur stets auch im Kontext des Milieus abbildet. Infolgedessen bleiben die Handlungen und Identitätskonzepte vielseitig interpretierbar. Die betuliche Vorstadt-Idylle, in der die Protagonisten fast schlafwandlerisch agieren ist ein weiteres Sujet, das Mitchell in den Blick nimmt. Inmitten sauber gepflegter Blumenbeete, Swimmingpools im Garten und gutbürgerlichen Eigenheimen sind die älteren Erwachsenen bzw. Eltern vor allem eins: Abwesend. Wenn der Film dann in mehreren besonders gelungenen Szenen die ganze Tristesse und mit der vielbeschworenen und filmisch schon dutzendfach durchexerzierten Teenage Angst getränkte Alltäglichkeit im Mikrokosmos der amerikanische Suburbs mit dem Brennglas fokussiert, erinnert IT FOLLOWS an die virtuos offengelegten Milieubetrachtungen von Gregg Araki (THE DOOM GENERATION, KABOOM).

Positiv fällt außerdem auf, wie kühn (und stets unvorhersehbar) der Film das Dilemma seiner Hauptfigur Jay schildert. Natürlich kommt auch ihr irgendwann der Gedanke durch sexuelle Aktivität die Bedrohung loszuwerden. Ob dies geschieht, mit wem und vor allem welche Konsequenzen dieses Handeln hat wird erzählerisch ausgesprochen wirkungsvoll und frei von Klischees oder Sozialromantik inszeniert. Unzweifelhaft entfaltet der Film insbesondere durch den Soundtrack von Disasterpeace seine volle Wirkung. Die düster-wummernden Beats tauchen das von Kameramann Michael Gioulakis hervorragend gefilmte Geschehen in eine unwirkliche Atmosphäre, die zusammen mit den teils surrealen Bildern ein Gefühl permanenter Bedrohung erzeugt. Der Produktion die Reduzierung auf rein ästhetische d.h. oberflächliche Gesichtspunkte vorzuwerfen ist allerdings nicht angebracht. Ja, IT FOLLOWS definiert sich auch über diese Komponenten, nutzt sie aber ebenso für das Vorantreiben der Geschichte und ihrer narrativen Struktur. Sehr überzeugend sind überdies die Darsteller, allen voran Newcomerin Maika Monroe, die erneut (nach z.B. THE GUEST) unter Beweis stellt, dass sie im Genre-Film gut aufgehoben ist.

IT FOLLOWS ist ein kleiner Lichtblick unter den Horrorfilmen in diesem Jahr. Fernab der Zugeständnisse des Mainstream-Kinos gelingt David Robert Mitchell ein hochspannender, äußerst beklemmender Schocker, der mit einigen wahrhaft beängstigen Sequenzen aufwarten kann und mit seiner stilistisch durchweg stimmigen Inszenierung ein sehr einnehmendes Panorama des Schreckens entwirft. Dass Mitchell darüber hinaus jugendliche Identitätsformen und das Soziotop der Suburbs auf treffsichere und nie aufdringliche Weise thematisiert ist ein zusätzlicher Pluspunkt, der noch einmal deutlich die weiteren Qualitäten der Produktion unterstreicht.











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