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TRIPLE 9 (USA 2016)

von André Becker

Original Titel. TRIPLE 9
Laufzeit in Minuten. 115

Regie. JOHN HILLCOAT
Drehbuch. MATT COOK
Musik. BOBBY KRLIC . ATTICUS ROSS . LEOPOLD ROSS . CLAUDIA SARNE
Kamera. NICOLAS KARAKATSANIS
Schnitt. DYLAN TICHENOR
Darsteller. CASEY AFFLECK . CHIWETEL EJIOFOR . KATE WINSLET . WOODY HARRELSON u.a.

Review Datum. 2016-03-30
Kinostart Deutschland. 2016-05-05

Der neue Film von John Hillcoat (THE ROAD, LAWLESS - DIE GESETZLOSEN) startet vielversprechend: In einer rasant montierten Heist-Sequenz wird eine Bank um einen Haufen Dollarscheine erleichtert. Mit präzisen Einstellungen fängt die Kamera das Geschehen ein. Sehr unmittelbar wird man hier als Zuschauer involviert. Die enorme Spannung unter der die beteiligten Personen, sowohl die Opfer als auch die Täter, stehen ist mit Händen greifbar. Hillcoat trifft in dieser ausgedehnten, eindrucksvoll geschnittenen Szene genau den richtigen Ton. Perfekt abgestimmt und mit dem nötigen Druck inszeniert. Leider gelingt es dem Regisseur im weiteren Filmverlauf nicht diese Meisterleistung zu wiederholen. Dies ist allerdings nicht das größte Problem des Thrillers, denn der betont grimmige und in dreckig-spröde Bilder verpackte Krimi hat mit noch viel schwerwiegenderen Mängeln zu kämpfen.

Die Story dreht sich um eine Gruppe krimineller und zum Teil arg verkommener Gesetzeshüter, die für die russische Gangsterbraut Irina Vlaslov (Kate Winslet) Banken ausraubt. Diese hat die Polizisten fest in der Hand und setzt vor allem den Cop Michael (Chiwetel Ejiofor) zusehends unter Druck. Als sie die Gruppe nötigt eine schwer bewachte städtische Einrichtung auszurauben, fasst die eingeschworene Truppe einen besonders teuflischen Plan. Ein, zusammen mit einer lokalen Gang, organisierter Mord an einem Kollegen, intern als 999 bezeichnet, soll maximale Aufmerksamkeit erzeugen und so vom anvisierten Raub ablenken. Ein mögliches Opfer ist schnell gefunden. Die Wahl fällt auf den neuen Partner (Casey Affleck) von Michael, der aufgrund seiner unkonventionellen Ermittlungsmethoden bei seinen neuen Kollegen eh auf wenig Gegenliebe stößt. Irina geht die Durchführung allerdings nicht zügig genug und so zieht sie die Schlinge um den Hals der Cops immer enger.

TRIPLE 9 geht nach dem furiosen Anfang leider ziemlich fix die Luft aus und präsentiert sich als reichlich verschenktes Thrillerkino von der Stange. Vollgestopft mit Klischeefiguren und tonnenweise Machismo bleibt ein Film, der mit seinem beeindruckenden Staraufgebot, das von Woody Harrelson, Norman Reedus und Aaron Paul komplettiert wird, kaum über die dünne, absolut uninteressant aufgebaute und ungelenk verlaufende Story hinwegtäuschen kann. Das Hillcoat weiß wie man Action inszeniert beweist ein sauber in Szene gesetzter Schusswechsel in der Mitte des Films. Abgesehen von dieser Sequenz und dem Raubüberfall gleich zu Beginn, sieht es auf der Actionfront jedoch trist aus.

Hillcoat schwebte wohl ein urbaner, nihilistischer Krimi mit knallharten Testosteronbomben in ausweglosen Situationen vor. Im Endergebnis nervt der Film aber mit seinen betont abgefuckten und ultracoolen Protagonisten, zu denen man partout keinen Zugang finden will und die im schlimmsten Fall in ihrer Überzeichnung (was vor allem die Rollen von Winslet und Harrelson betrifft) fast als Genre-Karikaturen durchgehen. Als Milieubetrachtung funktioniert TRIPLE 9 ebenso wenig, was primär auf das Konto des plumpen Drehbuchs geht.

TRIPLE 9 ist somit ein ziemlich verzichtbarer Genre-Beitrag, der sein kurzzeitig sichtbares Potential, gnadenlos verspielt und seine Stars mit einem öde aufgezogenen Plot aus der modrigen Klischeekiste verheizt. So erfreulich es ist, dass neben den ganzen Mega-Blockbustern, auch mal kleiner budgetierte Produktionen auf die große Leinwand kommen, so ernüchternd ist der Eindruck den Hillcoats viel zu aufgeplusterter und insgesamt zudem arg tempoarmer Thriller hinterlässt.











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