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SUNSHINE (Großbritannien 2007)

von Matthias Mahr

Original Titel. SUNSHINE
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. DANNY BOYLE
Drehbuch. ALEX GARLAND
Musik. KARL HYDE . JOHN MURPHY . RICK SMITH
Kamera. ALWIN KÜCHLER
Schnitt. CHRIS GILL
Darsteller. CHRIS EVANS . CILLIAN MURPHY . MICHELLE YEOH . ROSE BYRNE u.a.

Review Datum. 2007-03-19
Kinostart Deutschland. 2007-04-19

Die Erde in relativ naher Zukunft: Nachdem die Sonne, obwohl reichlich Brennstoff noch vorhanden wäre, nicht mehr so hell strahlt wie sie sollte, entscheidet man sich ein mit einer riesigen Nuklearsprengladung bestücktes Raumschiff auszusenden, Icarus I, benannt nach der mythologischen Gestalt die der Sonne zu nah gekommen ist, um den Gasball erneut zu entzünden. Doch nachdem der Kontakt (planmäßig) abgerissen ist passiert nichts. Die Mission gilt als gescheitert. Jahre später ist ein zweiter Ikarus gebaut für einen neuerlichen Anlauf, einen dritten kann es nicht geben, da kein Material mehr für eine dritte Bombe zur Verfügung stünde.

Auch wenn die Geschichte auf dem Papier an die Asteroidenschinken erinnert, die 1998 so populär waren, war die Erwartungshaltung angesichts der neuen Boyle/Mcdonald-Produktion natürlich ungleich höher. Und sie hat sich -im Wesentlichen- auch durchaus erfüllt. Schon bald, nachdem der Funkkontakt mit der Erde abgerissen ist, wird das erste Raumschiff aufgespürt. Das Seelchen an Bord (Rose Byrne, zuletzt zu sehen in THE TENANTS und MARIE ANTOINETTE) will gleich eine Rettungsmission starten, falls von der zweiten Besatzung noch wer am Leben ist, und auch wenn das niemand sonst ernsthaft in Erwägung zieht, entscheidet der zuständige Physiker Capa (Murphy), dass die möglicherweise zu bergende erste Bombe die Chancen verdoppeln könnte. Ein verhängnisvoller Fehler, dem unvermeidlich weitere folgen werden, will doch niemand im Kino eine gefahrlose Mission streng nach Plan sehen.

Im Prinzip nichts wirklich Neues, man bedient sich in Design und auch etwas der Story vor allem beim Klassiker 2001 und dessen Fortsetzung 2010, auch wenn man bei den Außenaufnahmen der Ikarus auf CGI statt ein Modell setzt. Ein wenig schade, bleiben doch Weltraumschlachten mit anderen Raumschiffen völlig aus, beschränkt man sich vorwiegend auf eher statische Bilder von der Reise. Auch wenn der Effekt sehr ausgereift wirkt, wie fast alle wohl state-of-the-art sind, der letzte Tick Plastizität kann so immer noch nicht erreicht werden.

Dafür verkommen bei SUNSHINE Digitaltricks nie zum Selbstzweck, sie unterstützen nur Garlands Skript, welches -auch wenn vieles vertraut wirkt- in Details immer wieder zu überraschen versteht. Es steckt voller Wendungen, die den Ton teilweise gravierend ändern und schafft so immer einen bei der Stange zu halten, ja oft genug richtig zu packen. Es ist erstaunlich, nimmt sich das Drehbuch doch am Papier ein gewisses Spannungspotential selbst, wenn es fast zu Beginn bereits festlegt, dass die Crew der Icarus keine Überlebenschance mehr hat, es "nur" noch um die Erde geht. (Und dass man in diesem Punkt erfolgreich sein wird bezweifelt wohl kein Zuseher jemals.) Trotzdem keimt auch für die Mannschaft zwischendurch fallweise ein wenig Hoffnung auf, nicht ohne das Pflänzchen immer wieder gleich zu zertreten.
Erst gegen Ende scheint der Film wie seine Sonne vom Erlöschen bedroht, will nicht mehr so richtig zünden. Ungereimtheiten, wie dass Capa einen Saboteur enttarnt ohne gleich sofort den Rest der Crew zu informieren, schlimmer noch, wie problemlos der Kerl das Sicherheitssystem des Schiffes umgehen konnte, wo früher zur Öffnung einer Schleuse für die vor einem Feuer flüchtende Biologin (Yeoh) die Freigabecodes zweier Crewmitglieder von Nöten gewesen wären, stoßen leicht säuerlich auf. Die mit heroischem Bierernst vorgetragene Antithese zu DR. STRANGELOVE ebenso. Am schlimmsten aber die große Finalszene. Am Filmplakat noch ästhetisch, wirkt sie im Film reichlich lächerlich und auch nicht gerade unkitschig. Kein neues Meisterwerk also von Boyle, aber ein solider, spannender Weltraum-Thriller, der sicher jedem, der dem Genre nicht völlig abgeneigt ist, durchaus zu empfehlen ist.











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