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SPLINTER (USA 2008)

von Björn Lahrmann

Original Titel. SPLINTER
Laufzeit in Minuten. 82

Regie. TOBY WILKINS
Drehbuch. KAI BARRY . IAN SHORR . TOBY WILKINS
Musik. ELIA CMIRAL
Kamera. NELSON CRAGG
Schnitt. DAVID MICHAEL MAURER
Darsteller. SHEA WHIGHAM . PAULO COSTANZO . JILL WAGNER . RACHEL KERBS u.a.

Review Datum. 2009-03-18
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Was gestandene Akademiker alles über sich ergehen lassen müssen. Nehmen wir zum Beispiel mal Seth (Paulo Constanzo): frisch diplomierter Biologe, auf bestem Weg zur Promotion, kennt die Geheimnisse der Wildnis aus dem Effeff – theoretisch, jedenfalls. Aber dann beim praktisch vollzogenen Campingtrip mit Freundin Polly (Jill Wagner) ein Zelt aufbauen? Keine Chance. Später gar den Reifen wechseln? Nicht mal im Traum. Erschwerend hinzu kommt, dass die beiden auf dem entnervt eingeschlagenen Weg zum nächsten Motel (ist halt doch bequemer) von einem flüchtigen Gangsterpärchen – dem knarrenschwingenden Choleriker Dennis (Shea Whigham) nebst Junkieliebchen Lacey – als Geisel genommen werden. Dennis, der sofort merkt, wer von seinen beiden Opfern die Hosen anhat, stellt Seth hart und unverblümt die Diagnose: "You're sufferin' from a severe case of CDS – Can't Do Shit."

Eine im Horrorkontext gern und oft gesehene Bewährungsgeschichte also, der der Film denn auch auf blutige Weise Vorschub leistet, indem er Seths Stärken in die Hände spielt: Er gibt ihm was zum Analysieren. Einen fiesen Parasiten, der Mensch und Tier befällt, in den toten Körpern ein rhizomatisches Stachelsystem ausbreitet und sie dergestalt zu unschön verrenkten Gliederpuppen ummodelt. Ein bißchen erinnern selbige an die verwachsenen Kreaturen aus John Carpenters THE THING, was ja nicht gerade das kleinste Kompliment ist, und u.a. Carpenter dürfe auch im Folgenden Pate gestanden haben, wenn sich die Figuren – ASSAULT ON PRECINCT 13-mäßig – in einer Tankstelle verbarrikadieren, während von draußen die ungelenke Bedrohung an die Scheibe klatscht.

Natürlich lassen sich auch aktuellere Bezüge herstellen: So erinnert etwa die Infiltration der naturentfremdeten Menschenkörper durch die Natur selbst an jenen ökologischen Body-Horror-Entwurf, der kürzlich noch von RUINEN mit großem Erfolg bedient wurde; und das groteske Zombiemarionettentheater hinter der leinwandartigen Glasfront borgt sich freimütig die Kinometapher aus DER NEBEL. Weniger freundlich könnte man formulieren: Originell im engeren Sinne ist SPLINTER nicht. In Sachen Plotaufbau und Figurendynamik folgt er äonenalten Trampelpfaden, auf denen eigentlich nicht mal mehr Unkraut gedeihen dürfte: Gefährliche Kurzausflüge aus dem sicheren Versteck; dumpfe Schritte auf dem Dach; geheimgehaltene Infektionen; rabiate Zweckentfremdung des Tankstelleninterieurs – um nur ein paar offensichtliche Gemeinplätze zu nennen.

Was Spielfilmdebütant Toby Wilkins trotz beschränkter Mittel draus macht, ist dennoch mehr als respektabel. Wilkins, der sich die Regiesporen mit einer THE GRUDGE-Kurzfilmkompilation unter der Ägide von Sam Raimi verdient hat, steuert nicht nur die Spannungskutsche über 80 Minuten mit äußerst straffen Zügeln, sondern präsentiert sich auch – da von Hause aus SFX-Künstler – als Verfechter altmodischer Schauwerte: Prothesenbastelei und Animatronik statt CGI stehen auf dem Programm, was u.a. in einer putzig-perfiden Hommage an das Eiskalte Händchen aus der Addams Family gipfelt. Dass er sich indes gezwungen sieht, seine zwar schmal budgetierten, aber doch sehr organisch wirkenden Creature Effects mit exzessiver Kamerawackelei zu kaschieren, ist da schon weniger erfreulich und grenzt szenenweise an Eigensabotage. Freunde physischer Zerstörung kommen hingegen ganz in Ruhe auf ihre Kosten bei chirurgisch unsachgemäßen Amputationsversuchen und anderen beim Wort genommenen Zerreißproben.

Wo mangelnde Anteilnahme am Figurenschicksal schon so manchen im Ansatz okayen B-Klopper dramaturgisch in die Grube hat fahren lassen, sind hier die TV- und Indie-erprobten Darsteller echte Aktivposten, die trotz recht basaler Charakterisierungen ein sympathisches Ensemble abgeben; vor allem der stets bedrohlich nuschelnde Whigham überzeugt bei seiner schrittweisen Konversion vom Maniac zum Mitgefangenen. So ist mit SPLINTER ein schmutziger kleiner Genrebeitrag gelungen, der sich trotz ideentechnisch wie finanziell enger Grenzen nicht auf die sichere Bank des tumben Partytrashs begibt, sondern seine bescheidenen Mittel mit einem Minimum an Humor geradlinig und effektiv ins Ziel führt.











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